Nicole Neumeister

Der Weg ist das Ziel

Wer anderen etwas erklären möchte, muss den Erklärgegenstand zunächst mental konstituieren.
Wer anderen etwas erklären möchte, muss den Erklärgegenstand zunächst mental konstituieren., © iStock.com/Kerrick

Nicole Neumeister

Aspekte einer gelungenen Erklärung kennenlernen

Trotz Navigationssystemen und Routen-Planern sind wir im Alltag immer noch darauf angewiesen, dass uns jemand einen Weg erklärt oder sogar gefordert, jemandem einen Weg zu erklären. Dabei kommt es vor allem darauf an, die Gesamtstrecke in kleinere Abschnitte zu zerlegen und diese Abschnitte dem Wegsuchenden möglichst verständlich und nachvollziehbar zu erklären. Orientierungspunkte und Richtungsangaben spielen eine wichtige Rolle, um den Weg vor dem „inneren Auge des Wegsuchenden entstehen zu lassen, diesen für ihn zu rekonstruieren. Am Beispiel verschiedener Wegerklärungen lernen die Schüler in dieser Unterrichtseinheit das Zerlegen und Systematisieren eines Erklärgegenstandes kennen und üben sich selbst darin, zunehmend selbstständig (gelungene) Wegerklärungen zu formulieren.
Aspekte gelungener Wegerklärungen herausarbeiten
Zu Beginn der Stunde teilen Sie den Schülern eine Kopie des AB 1 verdeckt aus und bitten sie, das Blatt solange verdeckt liegen zu lassen, bis alle ein Blatt haben. Dann drehen die Schüler das Blatt um und Sie beginnen das Transkript der Wegerklärung (AB 2a/AB 2b ) vorzulesen. Dabei können Sie zwischen zwei Schwierigkeitsstufen wählen. Während bei AB 2a Start- und Endpunkt genau benannt sind, fehlt dies in AB 2b. (Für die weitere Erarbeitung liefert AB 2a damit bereits zwei wichtige Angaben gelungener Wegerklärungen, bei AB 2b müssen alle noch erarbeitet werden).
Bei beiden Wegeklärungen stoßen die Schüler jedoch an ihre Grenzen, da diese viel zu ungenau sind. Gemeinsam arbeiten Sie nun heraus, warum es schwierig ist, den Weg nachzugehen. Die Schüler erkennen, dass verschiedene Angaben ergänzt werden müssen, damit die Erklärung auch zum Ziel führt. Dazu gehören z.B.
  • Start- und Zielpunkt angeben;
  • Richtungsangaben wie nach rechts/links/oben/unten, geradeaus, vorbei an, um die Ecke , über die Kreuzung/das Bild xy, verwenden;
  • Orientierungspunkte nennen,
  • einzelne Etappen nacheinander formulieren, z.B. zuerst bis ; dann nach ,
Diese Erkenntnisse notieren Sie an der Tafel. Danach suchen die Schüler zunächst den Lösungsweg im Labyrinth. In Partnerarbeit überlegen sie sich nun eine „bessere Wegerklärung für den vorgegebenen Weg und notieren die Ergänzungen im jeweiligen Transkript (AB 2a/b). Als Hilfe können die Schüler Orientierungspunkte (kleine Symbole wie Sterne, Kreise, Quadrate, Smileys ) an verschiedenen (wichtigen) Stellen im Labyrinth ergänzen und diese für die Formulierung der Wegerklärung nutzen. Einzelne Beispiele werden schließlich im Plenum vorgestellt und miteinander verglichen. Abschließend schreiben die Schüler die wichtigen Bestandteile einer guten Wegerklärung von der Tafel ab in den Kasten auf AB 2a/b.
Wegerklärungen formulieren und ausprobieren
In einem nächsten Schritt arbeiten die Schüler in Partnerarbeit zusammen. Jeder Schüler überlegt sich einen Weg durch das Labyrinth (Folie 1, AB 1) und erklärt ihn seinem Partner unter Berücksichtigung der wichtigsten Merkmale einer Wegerklärung (AB 2a/b). Zur Kontrolle, ob die Erklärung gelungen ist, dient das Erreichen des richtigen Zielpunktes. Dabei können Sie AB 1 auf dem OHP auslegen (Folie 1) oder es als Kopie an die Schüler austeilen. Wenn Sie das AB als Kopie austeilen, erwähnen Sie noch, dass es nicht erlaubt ist, den Weg während des Erklärens mit dem Finger aufzuzeigen.
Die nächste Aufgabenstellung bezieht sich auf ein Labyrinth, in dem es keine Orientierungspunkte gibt und der Weg zunächst von jedem Schüler gefunden werden muss (AB 3a, AB 3b, AB 3c ). Dabei variieren die Labyrinthe auf AB 3ac in ihrer Komplexität. Je nach Leistungsstärke erhalten die Schüler ein anderes Labyrinth. Nachdem sie den Weg in ihrem Labyrinth gesucht und eingezeichnet haben, arbeiten sie mit einem Partner zusammen, der ein anderes Labyrinth hatte. Dieser erhält jeweils das leere Labyrinth (AB 3a, AB 3b, AB 3c ) und...

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Fakten zum Artikel
aus: Deutsch 5-10 Nr. 59 / 2019

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