Sara Rezat

Wie neutral sind Berichte?

Sollen "Harry Potter"-Bücher an amerikanischen Schulen verboten werden? Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die Haltungen der Berichterstatter zu diesem Thema.
Sollen "Harry Potter"-Bücher an amerikanischen Schulen verboten werden? Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die Haltungen der Berichterstatter zu diesem Thema., © picture alliance/kpa

Sara Rezat

Modalisierungsprozeduren in Ereignisberichten

Das im Bericht Dargestellte ist trotz der Forderung nach Neutralität immer in irgendeiner Weise durch die Haltung des oder der Berichtenden geprägt. An diesem Punkt setzt das Modell an. Die Schülerinnen und Schüler untersuchen, wie Mitteilungsinhalte in Berichten durch einen Verfasser qualifiziert werden und woran dies sprachlich festzumachen ist.

„Berichte sollten das berichtete Geschehen distanziert und unparteiisch darstellen. Das schließt die Teilnehmerperspektive nicht aus (Feilke 2017, S. 67). So formuliert Helmuth Feilke die Erwartung der Neutralität, die an Berichtstexte zu stellen ist bzw. Leser an Berichte stellen.
Das im Bericht Dargestellte ist demnach trotz der Forderung nach Neutralität immer in irgendeiner Weise durch die Haltung der Berichtenden oder des Berichtenden geprägt. Wir kennen das alle aus der eigenen Erfahrung, wenn wir Berichte zu ein und demselben Thema aus unterschiedlichen Zeitungen, auf unterschiedlichen Sendern oder Webseiten rezipieren. Die Fakten (Wer? Was? Wann? Wo?), über die berichtet wird, stimmen überein, aber die Perspektive auf die Fakten d.h. die subjektive Haltung der Berichtenden kann jeweils anders bzw. unterschiedlich geprägt sein.
An diesem Punkt setzt das Modell an und fragt, wie Mitteilungsinhalte in Berichten durch eine Verfasserin oder einen Verfasser qualifiziert werden und woran dies sprachlich festzumachen ist. Der Fokus dieses Modells richtet sich daher auf Textprozeduren der Modalisierung beim Berichten (siehe Kasten).
Textprozeduren der Modalisierung
Textprozeduren der Modalisierung
Wie bereits im Basisartikel beschrieben, konstituieren sich Textprozeduren analog zu Bühlers Auffassung in der Beziehung zum Sender, Empfänger und zu den Sachverhalten/Gegenständen. Ausgehend davon lassen sich berichtende Textprozeduren systematisieren.
Die Modalisierung als Teilhandlungsschema des Berichtens betrifft die subjektive Haltung des Schreibenden zu einer Aussage bzw. dem Dargestellten (vgl. Köller 1995, S. 39f.). Es geht dabei um folgende Frage: Wie können Aussagen aus Sicht von Sprecherinnen oder Sprechern kommentiert bzw. qualifiziert werden?
Die sprachlichen Mittel der Modalisierung sind recht vielfältig und umfassen Modusformen des Verbs, Modalverben (z.B. dürfen, sollen, müssen, können), modale Infinitive (z.B. das Problem ist zu lösen, das zu lösende Problem), Modalwörter und Modalpartikeln (vgl. für eine umfassende Darstellung Köller 1995 oder für einen schnellen Überblick das Unterrichtsmodell von Michael Hug (2017, S. 51)).
In diesem Unterrichtsmodell wird nur ein Teil der genannten sprachlichen Mittel fokussiert: Zum einen sollen Konjunktivformen (hier: ein Konjunktiv I) in den Blick genommen werden. Der Konjunktiv I wird in Berichten bei der Redewiedergabe verwendet, um zu kennzeichnen, dass Sachverhalte referiert werden und eine distanzierte Haltung zum dargestellten Sachverhalt ausgedrückt wird (vgl. Köller 1995, S. 45).
Neben dem Konjunktiv I wird zum anderen auch die Funktion von Modalwörtern und Modalpartikeln in Berichten genauer in den Blick genommen. Durch Modalwörter (auch: Einstellungsoperatoren oder Einstellungsausdrücke) können Satzinhalte auf verschiedene Weise bewertet werden, z.B. indem die Gewissheit einer Aussage bekräftigt oder eine distanzierende Einstellung ausgedrückt wird (vgl. Helbig/Buscha 2004, S. 199). Die verschiedenen Funktionen von Modalwörtern zeigt Tabelle 1 in Anlehnung an Helbig/Buscha (2004, S. 199f.).
Vermutungen, Distanz, Emotionen oder Bewertungen können auch durch Modalpartikeln ausgedrückt werden. Grammatikalisch unterscheiden sich Modalpartikeln von Modalwörtern dadurch, dass sie nicht allein die Position vor dem finiten Verb einnehmen können und auch nicht selbstständige Antworten auf Fragen bilden können (vgl. Helbig/Buscha 2004, S. 192). Zu den Modalpartikeln gehören beispielsweise aber,...

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 281 / 2020

Textprozeduren: Lesen und Schreiben

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 8-10