Helmuth Feilke

Textprozeduren

Wie können die Schülerinnen und Schüler Lesende erfolgreich dazu anleiten, durch ein Blatt Papier zu steigen? Welcher Textprozeduren bedarf es hierfür?
Wie können die Schülerinnen und Schüler Lesende erfolgreich dazu anleiten, durch ein Blatt Papier zu steigen? Welcher Textprozeduren bedarf es hierfür?, © Fotos: Sara Rezat

Helmuth Feilke|Sara Rezat

Werkzeuge für Schreiben und Lesen

Beim Schreiben von Texten greifen Kreativität und Routine ineinander. Lernende könnenim Umgang mit Texten Formulierungsmuster erlernen. Sie entwickeln ein Gespür für die Textbausteine und Handlungen, die damit verbunden sind. So können Textprozedurenzu Werkzeugen des eigenen Schreibens werden. Der Basisartikel zeigt an praxisnahen Beispielen, wie Textprozeduren funktionieren und wie der Unterricht durch die Verzahnung von Lesen, Sprachreflexion und Schreiben ihre Aneignung stützen und fördern kann.

An welche Textsorte denken Sie, wenn Sie Folgendes lesen?
Das brauchst du:
Zuerst ,
dann knickst du
Jetzt drehst du um, so dass
Nun brauchst du
an der Faltkante gerade nach oben einschneiden
Achtung: Nicht
Zunächst zeichnest du
Fertig! Viel Spaß!
Es fällt nicht schwer zu erkennen, dass es sich hier um sprachliche Muster aus einer Bastelanleitung handelt. Was für ein konkreter Gegenstand (ein Papierflieger, ein Herz oder ein Papierfrosch o.Ä.) bei der Bastelanleitung entsteht, können wir anhand der Muster allerdings nicht erschließen, weil es sich um sprachliche Muster handelt, die in Bastelanleitungen allseitig einsetzbar sind.
Schülerinnen und Schüler benötigen genau solche „Werkzeuge des Schreibens (Feilke/Bachmann 2014), um die anspruchsvolle und komplexe Tätigkeit des Schreibens von Texten meistern zu können. Das Problem: Oft kennt man solche Muster aus der eigenen Spracherfahrung und vom Lesen her irgendwie, aber man verfügt nicht wirklich selbst darüber. Denn das setzt voraus, dass man gelernt hat, wie und wozu sie anzuwenden und zu gebrauchen sind: z. B.
  • Materialien auflisten,
  • einen Handlungszweck formulieren,
  • die Perspektive, aus der angeleitet wird, deutlich machen,
  • Handlungsschritte anleitend formulieren,
  • vor möglichen Fehlhandlungen warnen,
  • etc.
Wer dieses Wissen über wichtige sprachliche Teilhandlungen hat, hat gelernt, wie die entsprechenden sprachlichen Muster und Ausdrücke eingesetzt werden können, und kann beim eigenen Schreiben darauf zurückgreifen wie auf die Werkzeuge in einem Werkzeugkasten beim Reparieren eines Fahrrads. Auch für einen Reifenheber z.B. muss man wissen, wozu und wie er zu gebrauchen ist. Solche sprachlichen Werkzeuge bezeichnen wir als Textprozeduren (vgl. Feilke 2014, 2017). Sie stützen den Textaufbau nicht nur beim Anleiten, sondern auch beim Erzählen, beim Berichten, Argumentieren usw.
Textprozeduren helfen, einen Text zu verstehen, sie sind aber gleichzeitig Stützen für die eigene Produktion von Texten. In einem textprozedurenorientierten Schreibunterricht geht es darum, Schülerinnen und Schülern ihr implizites prozedurales Sprach- und Textwissen verfügbar zu machen, um beim Schreiben von Texten explizit darauf zurückgreifen zu können. Wie das im Unterricht konkret umsetzbar ist, ist Thema dieses Heftes.
Anliegen des Basisartikels ist es,
  • zu erläutern, was wir unter dem Begriff der „Textprozedur verstehen und wie dieser textlich und grammatisch einzuordnen ist, sowie
  • methodische Ansatzpunkte einer prozedurenorientierten Schreibdidaktik vorzustellen: Dazu gehört die Situierung des Lesens und Schreibens, aber auch deren enge Verzahnung beispielsweise durch textvergleichendes Lesen, durch die Analyse von Modelltexten oder durch das Sprechen über Textqualitäten.
  • Im Basisartikel geht es exemplarisch vor allem ums Anleiten. Die Modelle des Heftes behandeln aber ein breites Spektrum an Textprozeduren zum Erzählen, zum Berichten, zum Argumentieren, Interpretieren und zum wissenschaftspropädeutischen Schreiben.
Ein Beispiel: Durch eine Postkarte steigen
Textprozeduren sind routinehafte funktionale Textbausteine. Sie haben wie alle sprachlichen Zeichen eine Ausdrucksseite und eine Inhaltseite. Der Inhalt ist das jeweilige Texthandlungsschema, das von einem Ausdruck anzeigt wird. Beim Anleiten müssen beispielsweise die einzelnen...

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 281 / 2020

Textprozeduren: Lesen und Schreiben

Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-13