Tierbeschreibung in Klasse 5/6

Sechs Unterrichtsschritte für eine gute Tierbeschreibung

Die Tierbeschreibung ist ein sachlicher Text. Schülerinnen und Schüler sollen die Tiere besonders anschaulich darstellen, damit andere sich eine genaue Vorstellung machen können. Doch wenn 30 Lernende diese Aufgabe bekommen, erwarten uns 30 verschiedene Texte. Worauf kommt es also an beim Unterrichten von Tierbeschreibungen? Wir zeigen Ihnen das Vorgehen in sechs Unterrichtsschritten.

Tierbeschreibung Klasse 5: Elch
Elch auf einer Wiese ArtTower auf Pixabay

Der Texthandlungstyp Beschreiben

Der Texthandlungstyp „Beschreiben“ begegnet uns vielfach im Alltag. Beschreibungen sind im täglichen Gebrauch zumeist in andere mündliche oder schriftliche Kommunikationssituationen eingebunden und dienen der besseren Nachvollziehbarkeit des Dargestellten. Der Beschreibende formuliert für die Adressaten eine Art „Anleitung zur Vorstellung“. Er lenkt den Blick, sodass sich der Leser/Zuhörer innerlich ein Bild von dem Ort, der Situation oder dem Gegenstand machen kann.

Doch nicht in jeder Beschreibung gelingt das. Wenn 30 Schülerinnen und Schüler dieselbe Aufgabe bekommen – etwa einen Gegenstand zu beschreiben –, erwarten uns 30 verschiedene Texte. Auch wenn der situative Kontext der Klasse für jeden derselbe ist – nämlich der Unterricht –, greifen die Lernenden augenscheinlich auf unterschiedliche Erfahrungen, Verständnis- und Interpretationsstrukturen zurück. Der Unterricht sollte deshalb den Lernenden Gelegenheit dazu geben, ihre Erwartungen an beschreibende Texte zu klären, er sollte ihre Strategien erfassen und sie dabei unterstützen, diese zielorientiert auszubauen. Wichtig ist es deshalb, den Schülerinnen und Schülern die Teilhandlungen des Beschreibens zu erläutern.

Teilhandlungen des Beschreibens

Tabelle 1 versucht, in diesem Sinn einige wichtige Teilhandlungen des Beschreibens zu erläutern. Man kann sie auch von rechts nach links lesen, denn aus den Beispielsätzen wird die Handlungsfunktion gut deutlich. Die Tabelle ist zunächst vor allem für die Lehrpersonen gedacht. Sie kann helfen, sich die zentralen Beschreibungswerkzeuge vor Augen zu führen und dem Gespräch mit Schülerinnen und Schülern über ihre und auch über fremde Beschreibungstexte ein Fundament zu geben. Für die abstrakten Handlungsverben in der linken Spalte kann man für das Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern auch andere Verben oder Formulierungen finden, zum Beispiel statt „Kategorisieren“ „Einordnen“. Wichtig sind die bezeichneten Teilhandlungen des Beschreibens.

Textprozedur Umschreibung der Handlung Beispiel für Formulierungsmuster

1.

Kategorisieren

Objekt in größeren Sachzusammenhang einordnen ...gehört zur Gattung der...
Diese Gattung zeichnet sich aus durch...

2.

Kontextuieren / Verorten

Objekt in Kontext einrodnen / verorten
z.B. Verbreitungsgebiet aufzeigen
Der natürliche Lebensraum ist / sind...
Ursprünglich stammt das Tier aus...
Das Klima im Lebensraum ist gewöhnlicherweise...

3.

Strukturieren / Visualisieren

Perspektive festlegen,
Beschreibungsreihenfolge festlegen,
durch Vergleiche verdeutlichen

Von der Seite betrachtet...
Betrachtet man zuerst...
Der Körper wird von ... bedeckt.
Im Vergleich zu anderen Tieren der Gattung, ist/hat...

4.

Qualifizieren / Attribuieren

Eigenschaften zusprechen,
Beziehungen herstellen
Aufgrund des / der ... kann das Tier ... Durch ... und ... ist es dem Tier möglich, ...

5.

Situieren / Deuten

Relevanz erklären
abschließende Deutung vornehmen

Besondere Merkmale sind...
Das Tier zeichnet sich aus durch ...

Es spielt deshalb eine bedeutende Rolle für ...

Tabelle 1: Erwartungshorizont für Beschreibungen.

 

Sechs Unterrichtsschritte für eine Tierbeschreibung in Klasse 5 bis 7

Einstieg

Für den Einstieg wird eine äußerst ungenaue Beschreibung eines Elchs verwendet. Die Schülerinnen und Schüler stellen Vermutungen darüber an, um welches Tier es sich handelt. Sie stellen fest, dass die Beschreibung auf viele Tiere zutrifft.

Überarbeitung der Beschreibung

Die Schülerinnen und Schüler formulieren dann Fragestellungen oder Verbesserungsvorschläge für die Beschreibung. Erwartungen werden gesammelt.

Formulierung einer neuen Beschreibung

Nun kann an der Tafel gemeinsam eine neue Beschreibung erarbeitet werden, anhand derer die Lernenden die Erwartungen besser nachvollziehen können. Die Lehrkraft wirkt dabei unterstützend. Im Anschluss kann die qualitativ gute Beschreibung als Beispieltext dienen, um die Textprozeduren im Unterrichtsgespräch herauszuarbeiten (siehe Tabelle). Prozedurausdrücke können in die Spalte „Formulierungshilfen“ eingetragen werden. Somit werden die Schülerinnen und Schüler in den Prozess der Formulierungsarbeit mit eingebunden und können auch eigene Ausdrücke hinzufügen.

Schreibaufgabe: Schreiben eigener Tierbeschreibungen

Im weiteren Verlauf des Unterrichts sollen die Lernenden das, was sie über das Beschreiben gelernt haben, in einem eigenen Text anwenden. Der situative Kontext ist das Erstellen eines Tierlexikons für andere Kinder. Dabei bewähren sich vor allem Schreibaufträge, welche jüngere Schülerinnen und Schüler (hier: Grundschüler) zum Adressaten haben. Daraus ergeben sich Adressatenbezug und Überprüfbarkeit der Textwirkung. Zusätzlich werden in der Klasse einige Tierlexika für Erwachsene verteilt, sodass die Schülerinnen und Schüler weitere Informationen für ihre Beschreibungen heraussuchen können. Die Schreibaufgabe wird umgesetzt, indem sie in Gruppen (zwei bis vier Schülerinnen und Schüler) jeweils Bilder von unterschiedlichen Tieren erhalten, sowie den Arbeitsauftrag, diese zu beschreiben.

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Unterrichtseinheiten zum Thema Beschreiben

Wie Sie das Thema Beschreiben auch in anderen Kontexten behandeln können, erfahren Sie in den folgenden Beiträgen, die über unser Angebot Friedrich+ Deutsch abrufbar sind:

  • Die Materialien und Arbeitsblätter zu diesem Unterricht erhalten Sie hier.
  • Wie sahen Klassenzimmer und Schulweg aus? Welche erzieherischen Maßnahmen waren üblich? Die Lerngruppe entwickelt und vertieft ihre Kompetenzen zum Beschreiben anhand von Text- und Bildmaterial zur historischen Schule.
  • Die Operatoren Beschreiben und Erklären lassen sich für Schülerinnen und Schüler gar nicht so leicht voneinander abgrenzen. In diesem Unterrichtentwurf zeigen wir Ihnen, wie Sie herausarbeiten können, worin sich die beiden sprachlichen Formen eigentlich unterscheiden.

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Reflexion

Nachdem die Erstfassungen der Schülertexte fertiggestellt sind, wird in einer kurzen Reflexionsrunde beispielhaft auf einige Beschreibungen eingegangen. Was ist gut gelöst worden? Vergleichend können auch Stellen zu bestimmten Teilhandlungen gelesen werden, etwa: Wie wird das Tier eingeordnet? oder Wie wird der Körper beschrieben/visualisiert? Hier kann noch einmal festgestellt werden, was Merkmale einer gelungenen Beschreibung sind.

Überarbeitung und Sicherung

Bei der Überarbeitung ihrer Erstfassung sollen die Lernenden, die Anregungen aus der Reflexionsrunde annehmen und umsetzen.

Die Textprodukte werden innerhalb des Plenums vorgestellt und erneut reflektiert. So sollen die Lernenden die Wirkung ihrer Texte unmittelbar erfahren und diese möglicherweise noch einmal anhand der Kritik überarbeiten. Anschließend werden die Beschreibungen in Form einer ausgearbeiteten Lexikonseite abgegeben. Das Zusammenfassen der Lexikonseiten und Erstellen eines Buches ist dann „Hausaufgabe“ der Lehrkraft.

Fakten zum Artikel
Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-7
  • Autor/in: Hannah Vaupel | Redaktion
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Die Materialien und Arbeitsblätter zu diesem Unterricht erhalten Sie hier.

Hier entwickelt und vertieft die Lerngruppe ihre Kompetenzen zum Beschreiben anhand von Text- und Bildmaterial zur historischen Schule.

In diesem Unterrichtentwurf zeigen wir Ihnen die Abgrenzung zwischen den Operatoren Beschreiben und Erklären.

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