Hannah Vaupel

Eine „tierisch“ gute Beschreibung

Erkennen die Schülerinnen und Schüler anhand der ungenauen Tierbeschreibung, dass es sich um einen Elch handelt?Das Bild wird den Lernenden im Anschluss vorgelegt.
Erkennen die Schülerinnen und Schüler anhand der ungenauen Tierbeschreibung, dass es sich um einen Elch handelt?Das Bild wird den Lernenden im Anschluss vorgelegt. , © pixabay.com

Hannah Vaupel

Eine Aufgabe zum schriftlichen Beschreiben mithilfe von Textprozeduren

Beschreibungen beziehen sich oftmals auf eine möglichst genaue Abbildung der Realität und vernachlässigen dann funktionale Zusammenhänge. Wie die kommunikative und handlungsorientierte Funktion eines Gegenstandes hinzugezogen und damit wichtige Teilhandlungen des Beschreibens vermittelt werden können, erläutert das Modell.

Der Texthandlungstyp „Beschreiben begegnet uns vielfach im Alltag. Beschreibungen sind im täglichen Gebrauch zumeist in andere mündliche oder schriftliche Kommunikationssituationen eingebunden und dienen der besseren Nachvollziehbarkeit des Dargestellten. Der Beschreibende formuliert für die Adressaten eine Art „Anleitung zur Vorstellung. Er lenkt den Blick, sodass sich der Leser/Zuhörer innerlich ein Bild von dem Ort, der Situation oder dem Gegenstand machen kann (vgl. Feilke 2003).
Doch nicht in jeder Beschreibung gelingt das. Wenn 30 Schülerinnen und Schüler dieselbe Aufgabe bekommen etwa einen Gegenstand zu beschreiben , erwarten uns 30 verschiedene Texte. Auch wenn der situative Kontext der Klasse für jeden derselbe ist nämlich der Unterricht , greifen die Lernenden augenscheinlich auf unterschiedliche Erfahrungen, Verständnis- und Interpretationsstrukturen zurück. Der Unterricht sollte deshalb den Lernenden Gelegenheit dazu geben, ihre Erwartungen an beschreibende Texte zu klären, er sollte ihre Strategien erfassen und sie dabei unterstützen, diese zielorientiert auszubauen.
Beschreibungen kommen aufgrund ihrer kommunikativen Funktion nur äußerst selten als isolierte Textsorte vor. Sie können Teile von Erzählungen oder Reiseberichten, von Bedienungsanleitungen oder auch von argumentierenden Texten sein. Bei manchen Textsorten steht das Beschreiben im Vordergrund, etwa bei Lexikonartikeln. Einen authentischen Rahmen bieten daher Tierbeschreibungen im Kontext von Lexika. Der Texthandlungstyp „Beschreiben steht hier auf natürliche Weise im Fokus. Für die Schülerinnen und Schüler ermöglicht diese Erarbeitungsform eine sinnvolle Auseinandersetzung mit den Anforderungen an eine Beschreibung. Die Authentizität des Lexikonartikels sorgt dafür, dass die Lernenden mit einer realen Textsituation konfrontiert werden. Die vorhandenen Strukturen eines Lexikonartikels können aufgearbeitet und den Lernenden zugänglich gemacht werden. Auf diese Weise lernen sie auch die einheitlichen grafischen Textelemente, wie Überschrift, Lead, Haupttext und Bild kennen.
Intentionen
Eine Schwierigkeit bei Beschreibungen liegt oft in unangemessenen Vorstellungen vom Ziel des Beschreibens. Der Text wird häufig als eine möglichst genaue Abbildung der Realität verstanden (vgl. Feilke 2003). Oft bezieht sich diese Forderung aber lediglich auf die Äußerlichkeiten und vernachlässigt funktionale Zusammenhänge. Als Beispiel könnte die Beschreibung eines Stethoskops dienen; Der Aufbau ist recht schnell erklärt, welche Funktion es allerdings hat oder warum es überhaupt funktioniert, wird in einer oberflächlichen Beschreibung nicht berücksichtigt.
Die Reduktion des Handlungstyps „Beschreiben auf ein festes Textmuster birgt also die Gefahr, dass der Gegenstand aus seiner funktionalen oder kommunikativen Situation entbunden wird. Dadurch wird er auch für die Schülerinnen und Schüler abstrakter. Sie schreiben einen Text nach festem Muster für einen abstrakten Empfänger. Maximen wie die Forderung nach Genauigkeit, Vollständigkeit, Sachlichkeit oder auch feste Vorgaben wie Präsens, Sachsprache und Ähnliches umreißen die Forderungen aber nur sehr unzureichend (Rüßmann 2018, S. 52). Sie helfen tatsächlich wenig, wenn es darum geht, die Werkzeuge des Beschreibens kennen und beherrschen zu lernen.
Die Beschreibungskompetenz im Sinne eines erweiterten Verständnisses lehnt sich an drei zentrale Faktoren des Beschreibens selbst an: Adressat, Funktion und Aufgabe (vgl. ebd. S. 4952). Zunächst ist es wichtig, dass der...

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 281 / 2020

Textprozeduren: Lesen und Schreiben

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 5-7