Muhammed Akbulut

Denn sie wissen, was sie tun

Warum können Affen nicht sprechen?
Warum können Affen nicht sprechen?, © picture alliance/imageBROKER

Muhammed Akbulut|Sabine Schmölzer-Eibinger|Christopher Ebner

Textprozedurale Bewusstheit durch das Schreiben wissenschaftlicher Kontroversen fördern

Anhand wissenschaftlicher Kontroversen erarbeiten sich Schülerinnen und Schüler in einem fächerverbindenden Unterricht nicht nur wissenschaftlichen Input, sondern auch die für diese Textsorte typischen Textprozeduren. Diese werden schließlich beim eigenen Schreiben produktiv angewandt.

Sind wir allein im Universum? Warum gefriert heißes Wasser schneller als kaltes? Und warum können Affen eigentlich nicht sprechen? Fragen wie diese gehören zu den kontrovers diskutierten Themen der Naturwissenschaft und bergen ein bisher wenig genutztes Potenzial, die wissenschaftliche Textkompetenz von Schülerinnen und Schülern zu fördern.
Diese Fragen stehen beispielhaft dafür, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht fest in Stein gemeißelt sind, sondern im Rahmen eines Wettstreits von Theorien generiert werden. Sie stehen stets auf dem Prüfstand und können von den Schülerinnen und Schülern als unabgeschlossen betrachtet werden.
In diesem Beitrag wird ein Unterrichtsmodell1 für die Förderung wissenschaftlicher Textkompetenz ab der 10. Schulstufe vorgestellt. Das Modell (ca. 12 Unterrichtsstunden) ist für den fächerübergreifenden Unterricht Deutsch/Biologie bzw. Deutsch/Physik konzipiert und simuliert ein wissenschaftliches peer review-Verfahren: Die Schülerinnen und Schüler rezipieren dabei zunächst wissenschaftliche Texte (siehe Kasten 1) zu einer naturwissenschaftlichen Kontroverse und strukturieren in Partnerarbeit den komplexen Input. Anschließend verarbeiten sie das erworbene Wissen zu eigenen wissenschaftlichen Argumentationen in sogenannten Kontroversenreferaten (Feilke/Lehnen 2011) weiter.
Kasten 1: Präsentation der Schreibaufgabe
Kasten 1: Präsentation der Schreibaufgabe
Liebe Schülerin, lieber Schüler,
bitte stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie möchten sich für die Sparkling Science Summer School 2018 an der Universität Graz bewerben. Dafür müssen Sie einen wissenschaftlichen Artikel zur umstrittenen Forschungsfrage Warum können Affen nicht sprechen? verfassen.
Beziehen Sie sich dabei auf die Ihnen vorliegenden Fachtexte zu dieser Fragestellung.
Informieren Sie sich über den Stand der Forschung, geben Sie in Ihrem Artikel die wichtigsten Positionen, Argumente und Theorien der Autorinnen und Autoren wieder, stellen Sie sie einander gegenüber und wägen Sie diese ab.
Beziehen Sie abschließend Stellung zu den Positionen. Begründen Sie Ihre Position!
Aus sprachdidaktischer Sicht sind wissenschaftliche Kontroversen gut dazu geeignet, Schülerinnen und Schülern die Intertextualität, Mehrdimensionalität und Domänenspezifik wissenschaftlicher Texte bewusst zu machen.Dies erfolgt im vorliegenden Modell anhand von Textprozeduren, die zentral für wissenschaftliche Kontroversen sind.
Im Mittelpunkt des vorliegenden Modells steht dabei das Referieren, das neben dem Positionieren und Konzedieren zu den prototypischen wissenschaftlichen Textprozeduren zählt. Das Referieren kann dem Texthandlungstyp Argumentieren zugeordnet werden. Das Referieren ist die sprachlich explizite Wiedergabe und Reformulierung von Äußerungen anderer, d.h. Positionen/Argumente/Theorien anderer Forscherinnen und Forscher werden wiedergegeben durch Ausdrücke wie Laut X; X stellt fest, dass ; Nach X; X zufolge, … .
Beim Positionieren formuliert die Autorin oder der Autor einen eigenen Standpunkt als Beitrag zum wissenschaftlichen Diskurs. Dies erfolgt sprachlich häufig durch verschiedene Ausdrücke wie unserer Auffassung nach; meines/unseres Erachtens.
Die Einräumung und Entkräftung eines dem eigenen Standpunkt widersprechenden Arguments bzw. das abwägende Gegenüberstellen einander widersprechender Argumente wird in diesem Unterrichtsmodell unter der Textprozedur des Konzedierens gefasst. Sprachlich werden dafür häufig Ausdrücke wie zwar … aber; einerseits ...

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 281 / 2020

Textprozeduren: Lesen und Schreiben

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 11-13