Sebastian Krämer

Computerspiele im Unterricht?!

Sebastian Krämer

Materialgestützt argumentieren zu einem brisanten Thema

Aktuelle Themen aus der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler sind Voraussetzung für engagierte Diskussionen und Argumentationen.

Beim materialgestützten Argumentieren kommt es darauf an, sich anhand unterschiedlicher Materialien eine eigene Meinung zu bilden und den eigenen Standpunkt überzeugend darzustellen. Wichtig ist hierfür auch die Auswahl eines Themas, das die Schülerinnen und Schüler bewegt und motiviert, sich eine Meinung zu bilden, statt diese schablonenhaft aus den Ausgangstexten zu übernehmen. Das vorliegende Unterrichtsmodell unternimmt den Versuch, mit Bezug auf das Thema „Sind Computerspiele für Jugendliche schädlich und sollten daher verboten werden? eine differenzierte Argumentationsgrundlage zu schaffen und damit einen Themenbereich in den Blick zu nehmen, der nicht nur Jungen, sondern zunehmend auch Mädchen interessiert.
Die in diesem Unterrichtsmodell aufgegriffenen Zeitungsartikel spiegeln die Vielfalt sowie den ambivalenten Diskurs in Bezug auf Videospiele wider. Während es sich bei Material 1 um ein Interview mit einem Psychologen und Computerspiele-Befürworter handelt, beleuchtet Material 2 den Themenbereich aus einem deutlich kritischeren Blickwinkel und rekurriert dabei auf unterschiedliche Forschungsergebnisse und Statistiken. Anhand von Material 3 reflektieren und hinterfragen die Lernenden Argumentationsstrategien. Hierbei steht auch die Frage im Raum, welche Strategien sachlich bzw. unsachlich wirken. Eine Kompetenz, die insbesondere für Jugendiche, die sich vornehmlich über das Internet informieren, bedeutsam ist .
Intentionen
Das vorliegende Unterrichtsmodell sensibilisiert die Schülerinnen und Schüler dafür, argumentative Sachtexte auf ihre Intention und Argumentationsstrategie hin zu untersuchen sowie auf dieser Grundlage eine eigene Argumentationsstrategie zu entwickeln. Anhand der beiden Zeitungstexte (Material 1 und Material 2) werden sich die Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher argumentativer Muster bewusst und ordnen diese verschiedenen Argumentationsstrategien (Material 3) zu. Mit diesem Wissen verfassen sie einen eigenen argumentativen Text.
Durch zwischengeschaltete Rückmeldephasen, eine „amerikanische Debatte und die Arbeit an einem Blogeintrag üben die Schülerinnen und Schüler, auf die Argumente ihres Gegenübers einzugehen. Im anschließenden Schreibprozess werden die Argumente antizipiert.
Unterricht
Dieses Unterrichtsmodell setzt basale Fähigkeiten im Umgang mit Sachtexten voraus: Die Klasse sollte Texten Informationen entnehmen und diese gliedern können.
Einstieg
Als Einstieg bietet sich das Titelbild des Spiegel 3/2014 an (Abb. 1 ). Spontane Ideen der Klasse werden an der Tafel gesammelt. Im Anschluss daran lesen die Schülerinnen und Schüler die Materialien 1 und 2. Sie halten erste Eindrücke fest und notieren sich Zwischenüberschriften und Thesen. Die Ergebnisse werden auf einer Overheadfolie oder an der Tafel gesammelt. In Bezug auf die Thesen empfiehlt es sich, diese bereits an der Tafel zu strukturieren und ggf. gegenüberzustellen, damit die gegensätzlichen Argumentationsweisen von Dörner und Paulus deutlich werden
So rekurriert der Journalist Jochen Paulus in Material 2 auf Autoritäten wie den bekannten Hirnforscher und Psychologie-Professor Manfred Spitzer oder den Kriminologen Christian Pfeiffer und zitiert Studien, die beanspruchen, negative Auswirkungen von Computerspielen nachweisen zu können. Neben einer Erhöhung der Aggressivität bzw. Ausbildung aggressiver Denkmuster werde die reale Welt deutlich feindseliger wahrgenommen und die Hilfsbereitschaft nehme bei Spielern ab. Gamer neigten verhältnismäßiger häufiger zu Straftaten als andere gleichaltrige Jugendliche. Zudem gebe es zwischen Jungen und Mädchen keine Unterschiede (abgesehen davon, dass Mädchen statistisch gesehen seltener sog. Ego-Shooter konsumieren würden).
Anders...

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 262 / 2017

Materialgestütztes Argumentieren

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 7-8