Daniela Seyler

Talking Points und Talk Tools

Es ist empfehlenswert, die Talking Points auf unterschiedliche Ebenen des Textverstehens auszurichten. Die Kästen zeigen Beispiele hierzu zu Emil und die Detektive  (Szenenfoto aus dem gleichnamigen Film mit Tobias Retzlaff (li.) als Emil und Jürgen Vogel als Ganove Max Grundeis).
Es ist empfehlenswert, die Talking Points auf unterschiedliche Ebenen des Textverstehens auszurichten. Die Kästen zeigen Beispiele hierzu zu Emil und die Detektive (Szenenfoto aus dem gleichnamigen Film mit Tobias Retzlaff (li.) als Emil und Jürgen Vogel als Ganove Max Grundeis)., © picture-alliance / schroewig

Daniela Seyler

Gesprächsanlässe schaffen und Gesprächsprozesse unterstützen

Lerngruppen fällt es leichter, über einen literarischen Text zu diskutieren,wenn ihnen Diskussionsanlässe geboten werden. Geeignete Methodenfür alle Schuljahre erläutert dieser Beitrag.

Schülerinnen und Schülern fällt es meist leichter, eine Diskussion über einen literarischen Text zu beginnen, wenn ihnen ein Diskussionsanlass gegeben wird. Eine geeignete Methode, um vielfältige Gesprächsanlässe für Kleingruppengespräche zu schaffen, stellen die im englischen Sprachraum entwickelten Talking Points dar (z.B. Dawes 2008, 2013). Dabei handelt es sich um eine Liste von Aussagen zu einem Unterrichtsgegenstand, die der Gruppe vorgelegt wird. Die Lernenden diskutieren die einzelnen Punkte, wobei sie in einen intensiven Gedankenaustausch über die Aussagen treten. Damit es tatsächlich zu einer ergiebigen Diskussion kommt und die Lernenden zugleich ihre Gesprächskompetenz weiterentwickeln, wird zudem der Einsatz unterstützender Talk Tools empfohlen. Diese „Gesprächswerkzeuge sind Redewendungen, die dem Begründen und Hinterfragen von Beiträgen sowie dem Eingehen auf Äußerungen anderer dienen.
Die Formulierung von Talking Points
Nach der Auswahl eines Textes (z.B. einer Kurzgeschichte) oder Textabschnitts (z.B. eines Kapitels einer Ganzschrift), der als Diskussionsgegenstand lohnenswert erscheint, wird bei der Unterrichts-vorbereitung eine Liste mit Talking Points erarbeitet. Die Liste kann zehn und mehr Aussagen umfassen, bei kurzen Texten aber auch auf vier bis sechs Aussagen beschränkt sein. Talking Points sind immer Aussagen, keine Fragen (Dawes 2013, S. 10). So werden die Diskutierenden zu einer Stellungnahme herausgefordert, zudem können mittels Aussagen besser als durch Fragen auch kontroverse Ansichten zur Diskussion gestellt werden. Es kann von inhaltlich richtigen über strittige bis hin zu sachlich falschen Behauptungen alles vertreten sein. Auch in Umfang und Komplexität können die Aussagen variieren doch immer sollen sie zu einer gedanklichen Auseinandersetzung anregen (Dawes 2008, S. 32ff.).
Ausgehend von der didaktischen Analyse des Textes formuliert die Lehrkraft entsprechende Aussagen zu den von ihr als wichtig erachteten Verstehensaspekten. Die Aussagen sollten so sein, dass die Schülerinnen und Schüler sie prüfen und begründet dazu Stellung beziehen können sie müssen aber nicht auf eine einheitliche Meinung abzielen. Diskussion und Verstehensprozess werden gerade dann intensiv, wenn die Aussagen zum Aufeinandertreffen unterschiedlicher Ansichten anregen. Zudem ist es empfehlenswert, die Talking Points auf unterschiedliche Ebenen des Textverstehens auszurichten.
Auf einer einfachen Verstehensebene können sie sich auf im Text explizit gegebene, häufig wiederholte oder auf einen kurzen Textabschnitt begrenzte Informationen beziehen (siehe Beispiele zum ersten Kapitel von Emil und die Detektive in Kasten 1, 1– 3).
Auf einer komplexeren Verstehensebene sind für die Klärung der Äußerungen unterschiedliche Textstellen und eher implizit gegebene Informationen zu berücksichtigen (Kasten 1, 4 –7); hierzu zählen zum Beispiel auch Äußerungen, die zum Nachdenken über eine Wertung der Figuren auffordern.
Auf einer noch höheren Verstehensebene können auf den gesamten Textabschnitt bezogene Deutungen oder schwer erschließbare, zum Weiterdenken anregende Aussagen des Textes zur Diskussion gestellt werden (Kasten 1, 8 –10). Darüber hinaus können Talking Points auch zur Diskussion über die Erzählgestaltung anregen (Kasten 1, 11). Je nach Verstehensziel und Lerngruppe können in einer Liste Talking Points unterschiedlicher Verstehensebenen kombiniert oder zur Differenzierung verschieden komplexe Talking Point-Listen angeboten werden.
Schülerinnen und Schülern, denen die Arbeit mit Talking Points bereits vertraut ist, können selbst entsprechende Aussagen entwickeln. Dafür sollen sie sich zunächst bewusst machen,...

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 280 / 2020

Gespräche über Literatur

Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-13