Aus der Forschung

Schulleiter/in werden eine schwere Entscheidung?

Ulrich Müller, Dawson R. Hancock, Chuang Wang, Tobias Stricker
Frei werdende Ämter in Schulleitungen zu besetzen ist eine Herausforderung. Mehrere vergleichende Untersuchungen im Rahmen einer langjährigen Forschungskooperation des Instituts für Bildungsmanagement an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und dem Department for Educational Leadership an der University of North Carolina at Charlotte (USA) befassten sich deshalb mit der Motivation von Lehrkräften zur Entscheidung für oder gegen die Übernahme einer Schulleitungsposition. Im Folgenden werden ausgewählte Ergebnisse der Untersuchungen mit Lehrerinnen und Lehrern vorgestellt.
Besetzung von Schulleitungsstellen als Problem
Sowohl national wie international sind die Probleme an Schulen offenkundig, geeigneten Führungsnachwuchs zu finden und die ausgewählten Personen langfristig in der Führungsposition zu halten (vgl. OECD 2008; Battle & Gruber 2010; Huber 2010; Klein et al. 2008). In Deutschland wird gar von einem bundesweiten Notstand gesprochen (vgl. ASD e.V. 2015; vgl. Smosarski 2015). Die Attraktivität des Schulleitungsamtes scheint nicht gleichbedeutend zu sein mit dessen Bedeutung, die empirisch gut abgesichert ist, u.a. im Hinblick auf Schulqualität, Motivation und Leistung der Lehrkräfte oder Lernleistungen von Schülerinnen und Schülern. Diese Umstände lassen den Ruf nach Maßnahmen zur Erhöhung der Attraktivität dieses Berufs laut werden. Warum entscheiden sich eigentlich so wenige Lehrerinnen und Lehrer für eine Bewerbung auf Schulleitungsstellen? Ein Blick über Landesgrenzen hinweg kann hier vielleicht zur Aufklärung beitragen.
Schulleitung in den USA und in Deutschland
Zunächst lässt sich feststellen, dass sich die Verantwortlichkeiten von Schulleiterinnen und Schulleitern in den USA und in Deutschland in zentralen Bereichen ähneln (z.B. hinsichtlich Gesamtverantwortung für die Schule, Steuerung der Schulentwicklung, korrekter Umsetzung behördlicher Vorgaben, Kooperation mit einer Vielzahl von Anspruchsgruppen). Dennoch gibt es auch große Unterschiede. Schulleitung in den USA wird als eigene Profession wahrgenommen und die Leitungsaufgabe weitaus stärker gewichtet als in Deutschland, wo für das Amt eine Lehrkraft zur Wahrnehmung ihrer Leitungsaufgaben teilweise von der Unterrichtsverpflichtung freigestellt wird. In Deutschland erfolgt die Qualifizierung nicht auf akademischem Niveau und in den meisten Bundesländern erst nach Übernahme der Funktion (Huber 2003), während in den USA im Vorfeld eine umfassende Ausbildung auf akademischem Niveau erfolgt, in der Regel in Form eines Masterstudiums. Die Autonomie der Einzelschule ist hierzulande weit weniger ausgeprägt als in den USA. Schließlich bestehen erhebliche Unterschiede in der Bezahlung: Schulleiterinnen und Schulleiter in Deutschland werden im Schnitt deutlich niedriger bezahlt als ihre Kollegen in den USA.
Anziehung und Abschreckung des Amtes
Nach internationalem Forschungsstand (vgl. OECD 2008, S. 159 ff.) entscheiden sich Lehrerinnen und Lehrer für die Bewerbung auf eine Schulleitungsposition hauptsächlich aufgrund intrinsischer Faktoren: Sie wollen Schulen verbessern, suchen die persönliche, berufliche und intellektuelle Herausforderung und möchten Einfluss nehmen auf Lehrerkollegen und Schulklima. Hingegen stellten sich die teils entmutigenden Auswahlverfahren, die hohe Arbeitsbelastung und die damit verbundenen negativen Auswirkungen wie zeitliche Beanspruchung, Stress oder negative Einflüsse auf die Familie usw. als hemmende Faktoren heraus. Als weitere Hinderungsgründe werden die im Vergleich zu den Anforderungen relativ niedrige Bezahlung sowie die häufig fehlenden Perspektiven für die weitere berufliche Entwicklung genannt.
Im Folgenden wird über die Ergebnisse einer Untersuchung mit Lehrerinnen und Lehrern berichtet, die in Masterstudiengängen Bildungsmanagement (Deutschland) bzw. School Administration...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 6 / 2016

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Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13
  • Autor/in: Ulrich Müller, Dawson R. Hancock, Chuang Wang, Tobias Stricker