Nachruf auf Horst Sitta

Das Fach Deutsch lebt im Blick auf seine Grundlagen von Forscherpersönlichkeiten, die nicht nur ihren Gegenstand im Blick haben, sondern deren fachliches Interesse sich gerade auch den durch Sprachgebrauch und Literatur vermittelbaren Lebensbezügen junger Menschen verdankt. In diesem Sinn hat auch der von 1976 bis 2002 an der Universität Zürich lehrende Sprachwissenschaftler und Sprachdidaktiker Horst Sitta für das Fach Deutsch gewirkt. Nach einem Studium der Altphilologie und der Germanistik in Tübingen, der Promotion 1961 und einer Tätigkeit als Gymnasiallehrer wurde Sitta 1965 wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Hans Glinz an der RWTH Aachen. Nach der Habilitation 1971 erhielt Horst Sitta einen Ruf zum Professor für Deutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik an der PH Rheinland in Aachen. Sitta wirkte mit in der Aachener Gruppe, einer Verbindung von Sprachdidaktikern, die den neuen Erkenntnissen der „pragmatischen Wende in der Sprachforschung zu Beginn der 1970er-Jahre auch im Deutschunterricht einen Weg bahnen wollte. Buchtitel wie Schulaufsätze. Texte für Leser (mit Boettcher/Otto/Tymister, Düsseldorf 1976) oder Der andere Grammatikunterricht (zusammen mit Wolfgang Boettcher, München 1978) stehen für den Versuch, traditionelle Gegenstandsbereiche des Deutschunterrichts vom kommunikativen Handeln und Anforderungen eines situierten Lernens her neu aufzubauen. 1978 wurde Horst Sitta Mitherausgeber von Praxis Deutsch. Sein erstes Heft Grammatik in Situationen (mit Wolfgang Boettcher 34/1979) zielte darauf, den Grammatikunterricht in bedeutungsvollen Ausschnitten der Spracherfahrung zu verankern. Dieser „innere Situationsbegriff war ein Signal für das neu entstehende Forschungsinteresse an den Schemata und inneren Regeln, die Schülerinnen und Schüler beim „entdeckenden Lernen aufbauen. Dies spiegelt auch das mit Urs Ruf und Peter Gallin herausgegebene Heft Verbindung von Deutsch und Mathematik (70/1985). Horst Sitta war Mitherausgeber von Praxis Deutsch bis 1987. Seine Veröffentlichungen zu Kerngebieten der Schulgrammatik haben auch im Schülerduden (9. Aufl. 2016) und in Deutsche Grammatik. Orientierung für Lehrer (10. Aufl. 2018) (beide mit Peter Gallmann) ein breites Publikum gefunden. Horst Sitta hat die Deutschdidaktik durch seine fachlich vielfältigen Interessen und Kooperationen, die von einem gleichermaßen offenen wie persönlich verbindlichen Umgang getragen wurden, bis weit in die 1990er-Jahre geprägt. Seine Verdienste für die Deutschdidaktik hat die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg 1997 mit der Verleihung eines Ehrendoktortitels gewürdigt. Am 25. Mai ist Horst Sitta im Alter von 84 Jahren in seinem Wohnort Herrliberg am Zürichsee verstorben. Wir gedenken eines freundlichen Mitmenschen und engagierten und begeisternden Kollegen.
Helmuth Feilke

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 282 / 2020

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