Dieter Wrobel

Nebentexte

Angesichts der Anzahl an Neuerscheinungen fällt die Auswahl nicht leicht: Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse werden alljährlich 400000 Buchtitel, Landkarten, Manuskripte und Grafiken sowie digitale Medien wie Hörbücher und E-Books ausgestellt. Dennoch ist der Buchmarkt in den letzten Jahren rückläufig, nach den Rekordjahren 2007 und 2011, gab es in 2016 gerade einmal 72820 Neuerscheinungen – also Erstauflagen. Die meisten Novitäten erschienen mit 13891 Titeln im Bereich Belletristik, gefolgt von deutschsprachiger Literatur (10297 Neuerscheinungen). Diese wird gesondert ausgewiesen (auch wenn es Überschneidungen geben dürfte) und bündelt, anders als die rein belletristische Kategorie, auch literaturwissenschaftliche Titel. Die dritte Position nimmt das Kinder- und Jugendbuch ein (8961 Erstauflagen). Dieses Segment spielt bei der Titelproduktion heute eine größere Rolle als noch vor einigen Jahren, parallel zum steigenden Umsatzgewicht. Kräftig abgespeckt haben die Verlage ihre Programme vor allem bei der Fachliteratur – und zwar in den Obersegmenten Künste und Unterhaltung, Geschichte und Geografie sowie Sozialwissenschaften. (vgl. Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. 2016)
Angesichts der Anzahl an Neuerscheinungen fällt die Auswahl nicht leicht: Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse werden alljährlich 400000 Buchtitel, Landkarten, Manuskripte und Grafiken sowie digitale Medien wie Hörbücher und E-Books ausgestellt. Dennoch ist der Buchmarkt in den letzten Jahren rückläufig, nach den Rekordjahren 2007 und 2011, gab es in 2016 gerade einmal 72820 Neuerscheinungen – also Erstauflagen. Die meisten Novitäten erschienen mit 13891 Titeln im Bereich Belletristik, gefolgt von deutschsprachiger Literatur (10297 Neuerscheinungen). Diese wird gesondert ausgewiesen (auch wenn es Überschneidungen geben dürfte) und bündelt, anders als die rein belletristische Kategorie, auch literaturwissenschaftliche Titel. Die dritte Position nimmt das Kinder- und Jugendbuch ein (8961 Erstauflagen). Dieses Segment spielt bei der Titelproduktion heute eine größere Rolle als noch vor einigen Jahren, parallel zum steigenden Umsatzgewicht. Kräftig abgespeckt haben die Verlage ihre Programme vor allem bei der Fachliteratur – und zwar in den Obersegmenten Künste und Unterhaltung, Geschichte und Geografie sowie Sozialwissenschaften. (vgl. Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. 2016), © dpa

Dieter Wrobel

Trailer, Cover, Blurbs und Co.

Der (Erst-)Kontakt mit einem literarischen Text geschieht vielfach über einen Nebentext: Ein ansprechend gestaltetes Cover regt zum Zugreifen an, ein Klappentext lädt zum Anlesen oder Blättern ein, ein Buchtrailer weckt Neugier auf den Text. Nebentexte steuern die Wahrnehmung und stellen das Besondere, das Typische, das Einzigartige des Referenztextes heraus. Für literarisches und mediales Lernen sind solche Nebentexte viel mehr als nur Dekoration oder Werbung. Denn sie besitzen einen didaktischen Mehrwert: Sie ermöglichen sowohl als eigenständige Texte wie auch im Textverbund analytischen und produktionsorientierten Literatur- und Medienunterricht.

Cover, Trailer, Blurbs und Co.
Wer ein Buch, eine Theateraufführung oder auch einen Film auswählt, macht dies meist nicht zufällig, sondern als Ergebnis eines Auswahl- und Entscheidungsprozesses. Hierzu sind kurze Informationseinheiten erforderlich, die schnell über wichtige Eckdaten orientieren: über Autor/Autorin, über Genre, über Thema oder Inhalt. Dies leisten traditionelle Formen von Nebentexten wie Buchcover oder Blurbs (also Klappentexte mit Hinweisen, Rezensionsschnipseln u.a.) ebenso wie die jüngst boomenden Buch- oder auch Theatertrailer, die im Internet (z.B. youtube, Verlags- oder Theater-Homepages) einzusehen sind. Gerade die Trailer erreichen mittlerweile eine bemerkenswerte Verbreitung. Dem Filmtrailer vergleichbar sind sie Kürzestfilme1, mit denen der jeweilige Referenztext beworben wird.
Dabei sind traditionelle wie neuere Nebentexte nicht mehr ausschließlich über ihre Werbefunktion bestimmt, längst haben sie sich auch ästhetisch verselbstständigt. „Neben vielen Buchtrailern, die von den Verlagen mit geringem Aufwand und kostengünstig produziert werden, gibt es immer mehr Trailer, die sich kunstvoller medialer Gestaltungsmittel bedienen, in innovativer Weise auf einen literarischen Text Bezug nehmen und als eigenständige Formen des ästhetisch-filmischen Ausdrucks rezipiert werden können. (Standke 2017, S.29) Cover, Trailer und Blurbs sind vielfältig gestaltete Textformate, die die Vielfalt ihrer Gegenstände und Referenztexte aufgreifen und spiegeln. Gerade die inhaltliche und mediale Vielfalt der Nebentexte macht sie didaktisch reizvoll und ermöglicht ihre Reflexion in unterschiedlichen literatur- wie medienbezogenen Unterrichtskontexten. Zudem ermöglichen sie differenzierende Zugänge zu literarischen und medialen Gegenständen.
Nebentexte: eigenständig und abhängig zugleich
Ein auch didaktisch relevanter Mehrwert von Nebentexten besteht in ihrem mehrdeutigen Verhältnis zum Referenztext: Einerseits sind Nebentexte immer in Relation zum Referenztext zu sehen. In dieser Perspektive ist ein Cover ohne Buch kein Cover, ein Klappentext, der sich auf keinen Text bezieht, kein Klappentext und ohne Bezug auf ein Buch ist ein Buchtrailer kein Buchtrailer. Nebentexte beziehen sich auf einen Referenztext, sie kommentieren ihn, interpretieren ihn wenigstens ansatzhaft, machen so auf ihn aufmerksam. Diese wechselseitigen Interdependenzen können im Literaturunterricht inhaltlich wie methodisch genutzt werden, um einen zusätzlichen Zugriff auf den literarischen Referenztext zu ermöglichen und/oder funktional differenzierte Inszenierungsvarianten von literarischen Texten in einer medial geprägten Öffentlichkeit zu reflektieren. Andererseits können Nebentexte aber auch für sich allein stehen und rezipiert werden, ohne dass zwingend die Lektüre des Referenztextes einbezogen wird. Als eigenwertige Texte, die für sich erschlossen, analysiert, interpretiert werden können, sind didaktische Anschlüsse unterschiedlich zu begründen: Ein Buchtrailer ist ein Kurz- bzw. Kürzestfilm; ein Cover ist wie ein Plakat ein Verbund aus Bildtext und Schrifttext; ein Klappentext verbindet unterschiedliche Textformen. Nebentexte können als eigenständige Texte und zugleich als von einem Referenztext abhängige Texte verstanden, für literarisches bzw. mediales Lernen genutzt und auch von Schülerinnen und Schülern selbst hergestellt werden....

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 270 / 2018

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Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-13