Heinrich Böll, um 1959
Heinrich Böll, um 1959 , © Museum Ludwig, Köln. Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln
Orthographisches Lernen durch Zugang zur Schriftstruktur?
Forschungsbericht aus Jahrgang 5
Der Rechtschreibunterricht ist nach wie vor von unterschiedlichen Vorstellungen zum orthographischen Lernen geprägt. In Schulbüchern dominieren Aufgaben zum Regellernen, zur Orientierung an der Lautung und zum Auswendiglernen. Die Sachlogik des Lerngegenstands „Schrift wird kaum berücksichtig. Dabei wissen wir inzwischen, dass das Deutsche nicht nur über ein reguläres und transparentes, sondern ebenso über ein gut lernbares Schriftsystem verfügt (vgl. Eisenberg 2013).
In einer von der DFG geförderten Studie sollte untersucht werden, ob ein Rechtschreibunterricht, der es Schülerinnen und Schülern in Jahrgang 5 ermöglicht, Einsicht in die Regularitäten des Schriftsystems zu gewinnen, die Entwicklung orthographischer Kompetenzen besser unterstützt als ein „traditioneller Unterricht. Dazu unterrichteten Lehrkräfte in 15 Klassen mithilfe eines Arbeitshefts, das auf die Entdeckung phonographisch-silbischer, morphologischer und syntaktischer Schreibprinzipien ausgerichtet ist (vgl. Bangel/Müller i.V.). Zur Überprüfung der Entwicklung in den Interventions- und Vergleichsklassen wurde ein Rechtschreibtest zu drei Zeitpunkten eingesetzt. Die Testergebnisse zeigen, dass die Interventionsgruppe direkt im Anschluss an die Intervention signifikant größere Lernfortschritte in der Wortschreibung und der satzinternen Großschreibung aufweist als die Kontrollgruppe. Nach vier Monaten lassen sich noch signifikante Interventionseffekte im Bereich der Wortschreibung nachweisen. Der größte Unterschied zwischen den beiden Gruppen besteht in morphologisch bedingten Schreibungen (z.B. einäugig, Gehweg, Schrittzähler). Hier konnten die Interventionsklassen ihre Fehlerzahl wesentlich stärker verringern. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass orthographisches Lernen dann gelingt, wenn Schülerinnen und Schüler Regularitäten erkennen, Strukturen durchschauen und erklären lernen und Strategien zum Herleiten von Schreibungen nutzen können.
Melanie Bangel
Literatur
Bangel, Melanie/Müller, Astrid (i.V.): Wörtern und Sätzen auf der Spur. Mein Rechtschreibheft. Seelze: Kallmeyer.
Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik. Band 1: Das Wort. 4. Aufl. Stuttgart, Weimar: Metzler: 2013.
Die humane Kamera Heinrich Böll und die Fotografie
Ludwig Museum Köln zeigt Ausstellung anlässlich 100. Geburtstag des Autors
Heinrich Böll war schwer zu fotografieren er hasst es, sich in Szene zu setzen. Lieber waren ihm Momentaufnahmen während eines Gesprächs, mit einem Kaffee im Garten oder einer Zigarette im Arbeitszimmer. Der Literaturnobelpreisträger war ein uneitler Mensch. Dennoch waren Porträtfotos von ihm in den ersten Nachkriegsjahrzehnten überall präsent.
Bölls Verhältnis zur Fotografie kommt ebenso in seinen Romanen und Geschichten über Fotografen und Fotografien zum Ausdruck. Als Motiv und Metapher taucht die Fotografie wiederholt auf, besonders prägnant in der Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral (1963).
Zum 100. Geburtstag Bölls am 21. Dezember dieses Jahres zeigt das Kölner Museum Ludwigvom 1. September bis zum 7. Januar 2018 eine Ausstellung über sein ambivalentes Verhältnis zur Fotografie. Der Titel lautet Die humane Kamera. So überschrieb Böll 1964 auch einen Essay, in dem er eine Moral des Fotografierens entwarf: „Wo die Kamera zudringlich wird , überschreitet die Fotografie ihre ästhetische und gleichzeitig moralische Grenze, urteilte er. Bis zu dieser Grenzüberschreitung fehlte aus seiner Sicht nie viel. Schon die Fernsehsendung Vorsicht Kamera! empfand er als Zumutung. In dem Wort „Schappschuss machte er zwei Gewaltverben aus: schießen und schnappen. Und vor mehr als 50 Jahren, als die Anschaffung eines Fotoapparats noch eine kostspielige Angelegenheit war, warnte er: „Wenn technisch perfektes Fotografieren in jedermanns Hand gegeben ist, ist Orwells Großer Bruder ja fast allgegenwärtig. Man kann...

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 266 / 2017

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