Sachbuch – Kinderroman –Bilderbuch in einem

Eigentlich verbindet man Fred mit einem anderen Medium. Hörspielbegeisterte kennen Freds archäologische Abenteuer schon seit 2007. Die sieben Episoden führten den jugendlichen Zeitreisenden bisher ins Reich der Nofretete, nach Pergamon, zu den Maya, den Skythen und den Beduinen am Tell Halaf (heute im zerstörten Syrien), in die Eiszeit und eben zu den Wikingern. Und obwohl diese akustischen Begegnungen mit alten Kulturen technisch hochprofessionell gemacht sind und Profisprecherinnen und -sprecher, Geräusche, Musik und audiophone Mittel auf unterhaltsame und fesselnde Weise Wissen vermitteln, wären doch diese Medien an sich noch nichts, was im engeren Sinne zum Thema Deutschunterricht gehört, sondern eher Geschichtslehrkräfte neugierig machen sollte. Ganz anders verhält es sich mit dem nun jüngst erschienenen, ersten Fred-Abenteuer in Buchform!
Die Kombination von Narration und Information ist nichts Neues, ebenso wie die Idee, ein Kind aus dem Hier und Jetzt in eine vergangene Epoche eintauchen zu lassen. Aber im „Wie und in der Qualität unterscheiden sich die Fred-Abenteuer dann doch von ähnlichen Büchern. Denn im vorliegenden Fall merkt man, wie viel Sorgfalt, Expertise und Liebe zum Detail eingeflossen sind. Auf auch von ungeübteren Leserinnen und Lesern gut schaffbaren 170 Seiten entfaltet sich die Romanhandlung, in der Fred mit seinem Opa Ferien in Dänemark macht. Nach einem Sturz über Bord eines Segelschiffs taucht er vollkommen in die Welt der Wikinger ein. Er lernt dort einen Gleichaltrigen kennen, wird in Konflikte verwickelt und muss Bösewichten Kontra bieten. Erst dann kann er wieder in die Gegenwart zurückgelangen.
Im Buch sind Textblöcke eingeschoben, die, farblich und grafisch abgehoben, die jeweils passenden Sachinformationen liefern. Darüber hinaus bieten die fast 40 Seiten, die der eigentlichen Romanhandlung folgen, einen gut recherchierten darstellenden Teil über die Wikinger, ein Glossar, Aussprachehinweise zum Altnordischen sowie Quellen und Orte „für Weiterforscher (worunter auch „-forscherinnen gezählt werden, so hoffen wir mal). Da wir aus der Leseforschung wissen, dass Unterhaltungs- und Informationsbedürfnis bei Kindern und Jugendlichen nicht so sauber zu trennen sind, wie die Begriffe es suggerieren, und dass identifikatorische Gratifikationen sowohl beim Lesen der einen Textsorte als auch beim Lesen der anderen erfüllt werden, dürfte dieses Buch viele Wünsche erfüllen.
Bleibt last but not least darauf hinzuweisen, was dieses Buch gegenüber dem Hörbuch in die Waagschale zu werfen hat, wenn ihm schon die ganzen auditiven Elemente mangeln: nämlich die üppige, spektakuläre Bebilderung. Der 1995 geborene Illustrator, noch Student, hat zur Romanhandlung stimmungsvolle, fantasieanregende, sehr künstlerisch gestaltete szenische Darstellungen geschaffen. Sie ziehen mit ihren aufregenden Perspektiven und Ausschnitten die Betrachtenden in ihren Bann. Sein Interesse für filmische Medien, Graphic Novels und PC-Spiele ist unübersehbar eingeflossen, was bei den Schülerinnen und Schülern gut ankommen dürfte. Aber er kann auch anders, wie die präzisen Sachzeichnungen von authentischen Überresten beweisen, die den Sachtexten beigegeben sind. Das Buch ist ab der 5. Jahrgangsstufe aufwärts zu empfehlen!
Karla Müller
Leseprobe
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Erzähltext:
Die Seherin ließ sich langsam auf dem Hochsitz des Jarls nieder. Lange richtete sie ihren leeren Blick auf Ragnald. Er hielt ihr stand. Seine Gesichtszüge entspannten sich, und er nickte fast unmerklich, so als hätte er verstanden, was sie nicht aussprach. Thorstein verzog den Mund. „Ein schlechtes Omen, zischte er. (S. 10)
Sachtext:
Magie und Zauberei waren für die Wikinger ganz normal. In all ihren Geschichten gibt es magische Elemente. Die Götter lernten die Zauberei von Freyja, aber der Meister der Zauberer war Odin. Die Grenze zwischen der Welt der Menschen und der Welt der Götter war fließend, und die Magie umgab die...
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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 279 / 2020

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