Die andere Perspektive

Kein Tag ohne Konferenzen!

Sibylle Göbel
Im journalistischen Alltag sind Konferenzen einfach unerlässlich selbst an den Tagen, an denen nur eine Rumpfmannschaft in der Redaktion ist, um die Montags- oder Nachfeiertagsausgabe zu produzieren.
Laien bringen Journalisten ja in der Regel mit Pressekonferenzen in Verbindung. Mit Terminen, zu denen die Vertreter von Presse, Funk, Fernsehen sowie Online-Medien eingeladen werden, um bei Schnittchen und Kaffee die Statements von wichtigen Leuten zu vernehmen und ihnen auch selbst Fragen zu stellen. „Die habens gut, denkt sich da so mancher. Müssen sich nicht selbst um einen Interviewtermin kümmern, bekommen alles frei Haus geliefert, werden obendrein verköstigt und können Prominente sehen. Aber das stimmt nur zu einem kleinen Teil. Nicht nur, weil die meisten Journalisten unter großem Zeitdruck stehen und die Schnittchen links liegen lassen, um vom Laptop oder Smartphone aus sofort eine Nachricht online oder in eines der sozialen Netzwerke zu stellen, um die Redaktion kurz über den Inhalt zu informieren oder zum nächsten Termin zu eilen. Sondern auch, weil es angesichts des großen Wettbewerbs, in dem die Medien miteinander stehen, nicht sonderlich spannend ist, wenn alle die gleichen Informationen haben. Aber oft können die Gastgeber z.B. Polizei und Staatsanwaltschaft nach einem spektakulären Kriminalfall der Fülle von Medienanfragen gar nicht anders als in einer Pressekonferenz gerecht werden.
Sofern die Möglichkeit besteht, sprechen Journalisten auch nach einer Konferenz noch mit denen, die im Podium Platz genommen haben denn oft erhalten sie erst dann die wirklich interessanten Auskünfte die eben nicht alle Medienvertreter haben. Aber mitunter verlassen die Gesprächspartner auch beinahe fluchtartig ihre Plätze, um den nächsten Termin wahrzunehmen oder weil sie einfach nicht mehr sagen wollen als in offiziellem Rahmen.
Journalisten sind selten geduldig
Pressekonferenzen nehmen im journalistischen Alltag zumindest bei einer Regionalzeitung wie der Thüringischen Landeszeitung (TLZ) indes nur wenig Raum ein. Meist suchen sich die Journalisten zu Themen, für die sie einfach einen Blick entwickeln müssen, selbst einen oder mehrere Gesprächspartner. Das ist oft schwierig, weil potenzielle Gesprächspartner mitunter medienscheu sind. Oder weil sie erkrankt, im Urlaub oder so mit Arbeit eingedeckt sind, dass sie erst in ein paar Wochen einen Termin finden. Für Journalisten, die den Gesprächstermin natürlich immer am liebsten sofort hätten und von Berufs wegen ungeduldig sind, ist das hart. Aber jeder erfahrene Journalist kennt auch Fachleute zu verschiedenen Themen, die er bei Bedarf sofort ansprechen und um eine Auskunft oder eine Stellungnahme bitten kann.
Neben den Pressekonferenzen außer Haus gibt es die Redaktionskonferenzen. Sie finden täglich statt, in einigen Redaktionen sogar mehrmals am Tag. Bei der TLZ zum Beispiel beginnt wochentags um 12 Uhr die Mittagskonferenz. Sie startet mit einer maximal 15-minütigen Blattkritik, bei der ein Redakteur oder Volontär, manchmal aber auch ein Gast die eigene Zeitung an diesem Tag beurteilt, sagt, was aus seiner Sicht gelungen ist und was eher nicht, welche spannenden Themen die anderen Zeitungen in Thüringen haben und welche wir unbedingt noch einmal vertiefen sollten. Dann berichten die Vertreter jedes Ressorts stichpunktartig, welche inhaltlichen Schwerpunkte sie in der Ausgabe des kommenden Tages auf ihren Seiten setzen wollen. Vorher haben sie natürlich geschaut, was die Nachrichtenagenturen liefern, haben Radio gehört und Zeitungen gelesen.
Damit auch die Kollegen in den Lokalredaktionen wissen, was die sogenannte Mantelredaktion plant, schreibt ein Redakteur die genannten Themen mit und stellt sie in einer Tagesvorschau-Mail an die Lokalredaktionen zusammen. Die können dann z.B. sehen, dass die aktuellen Arbeitsmarktdaten für ganz Thüringen im Ressort „Wirtschaft einen Platz...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 6 / 2016

Konferenzen – TOP vorbereitet?!

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13
  • Autor/in: Sibylle Göbel