Martina Weyrauch

Die Balance zwischen Leitung und Moderation

Martina Weyrauch

Moderation als Methode zur gemeinsamen Arbeit in Gruppen

Den Begriff Moderation kennen die meisten aus Rundfunk und Fernsehen. Jemand führt durch das Programm, koordiniert die Teilnehmer, leitet über, erteilt das Wort, stoppt Vielredner und animiert die stillen Anwesenden. Er oder sie behält die Fäden des Geschehens in der Hand.
Moderation ist auch eine Methode zur gemeinsamen Arbeit in Gruppen. In den 1960/70er Jahren wurde diese Methode, die als Entwicklung einer neuen Organisations- und Führungskultur verstanden wird, erarbeitet (vgl. Freimuth & Barth 2014). Ein Moderator gibt im Gegensatz zu einem Leiter seine Machtposition auf und ist mehr Begleiter und Unterstützer einer Arbeitsgruppe. Er ist der Experte für den Weg. Schauen wir uns die Übersetzungsvarianten des lateinischen Begriffs „moderatio an, so finden wir: Maßhalten, Selbstbeherrschung, rechtes Maß, Harmonie, das Zügeln, Regelung, Lenkung, Leitung.
Konferenzen brauchen Moderation. Diese kann (s. den Beitrag von M. Schade, S. 26 f.) durch die Beauftragung eines externen Moderators geschehen. Er übt seine Rolle unparteiisch aus, weil er nicht aus dem System kommt und sich somit auf die Auswahl und Verwendung von Techniken konzentrieren bzw. methodische Hilfen in schwierigen Arbeitsphasen bieten kann. So entsteht in der Arbeitsgruppe ein hierarchiefreier Raum.
In der Praxis ist die scharfe Trennung zwischen Leitung und Moderation nicht immer gegeben. Als Schulleiter moderieren wir gelegentlich Konferenzen oder Arbeitssequenzen im Kollegium. Wir greifen immer dann zu dieser Methode, wenn alle zu Wort kommen und gehört werden sollen. Mit bewusst gewählten Techniken bringen wir die Kolleginnen und Kollegen zum Nachdenken und geben ihnen den Raum, Lösungsansätze für ein bestimmtes Problem zu entwickeln. Wir achten darauf, dass sich ein Gespräch entwickelt und sich alle beteiligen. Wenn wir uns für die Moderation entscheiden, dann ist uns wichtig, dass das Arbeitsergebnis eine Leistung des Teams ist. Doch wirklich neutral sind wir als Schulleiter nur in einzelnen Phasen. Auch wenn wir uns in Zurückhaltung üben, kommen wir nie ganz aus unserer Führungsrolle heraus. Wir sind Teil des Systems, bringen Vorkenntnisse mit und haben unsere pädagogischen oder strategischen Ziele, weil wir in unserer Rolle Verantwortung für den Prozess und dessen Folgen haben. Wir sind eben keine Fernsehmoderatoren, die nach der Sendung ihre Gäste verabschieden und keine Verantwortung für die weitere Gestaltung des Prozesses tragen.
Eine Mischform von Leiten und Moderieren ist in bestimmten Situationen sinnvoll und praktikabel. Wichtig dabei ist, dass wir deutlich machen, wann es um die eine und wann um die andere Form geht. Abweichungen müssen transparent gemacht und begründet werden.
Klar ist, wenn wir als Schulleiter selbst moderieren oder einen externen Moderator zulassen, entscheiden wir uns für einen demokratischen Führungsstil. Der ist anstrengend und kostet Zeit, ermöglicht aber eine intensivere und eigenverantwortliche Mitarbeit aller Beteiligten in Besprechungen, Arbeitsgruppentreffen oder Konferenzen.
Entscheidend ist eine gut durchdachte Moderation
Jedes Meeting, jede Arbeitsbesprechung braucht ein klar definiertes Ziel, das den Pädagoginnen und Pädagogen bekannt und in der Umsetzung realistisch sein muss. Mit der Klärung dieses Zieles beginnt die Vorbereitung einer guten Moderation. Das heißt, es muss geklärt werden, ob im Meeting Informationen bzw. Ideen gesammelt werden, ob Themen bearbeitet oder Lösungsmöglichkeiten entwickelt werden sollen oder ein Prozess zur Entscheidung geführt wird. Egal, ob es sich um einen internen oder externen Moderator handelt. Die Frage nach dem Ziel ist wichtig. Dieses wird im Vorfeld geklärt, kann aber auch in der ersten Phase der Veranstaltung von den Teilnehmern bestimmt werden.
Der Moderator wählt einen geeigneten Raum aus und sorgt für die notwendigen Materialien. Er informiert sich über die...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 6 / 2016

Konferenzen – TOP vorbereitet?!

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  • Autor/in: Martina Weyrauch