Jan Standke / Dieter Wrobel

Das Böse

Symboliken des Bösen in Star Wars. Das Erwachen der Macht: Figur (Gesichtslosigkeit, dunkler Umhang), Ding (Laserschwert) und Ort (dunkler Wald)
Symboliken des Bösen in Star Wars. Das Erwachen der Macht: Figur (Gesichtslosigkeit, dunkler Umhang), Ding (Laserschwert) und Ort (dunkler Wald), © picture alliance/AP Photo

Jan Standke / Dieter Wrobel

Quer durch alle literarischen Genres und Epochen ist der Widerstreit von Gut und Böse ein zentraler Motivzusammenhang. Dabei verbreitet das Böse nicht nur (unterhaltsamen) Schrecken, es ist zugleich ein ungebrochenes Faszinosum. Nicht selten wecken besonders die bösen Figuren von Verführern wie Goethes Mephisto bis zu Rowlings Lord Voldemort das Interesse der Leser aller Altersgruppen. Diese ästhetische und normative Ambivalenz ist die Signatur des modernen Bösen, von der literarische und mediale Inszenierungen deutlich geprägt sind. Damit ist das Böse immer schon im Deutschunterricht verankert. Grund genug, es ausführlich zu betrachten. Das Böse: Aktualität und didaktische Herausforderung

„Du weißt nicht, wie stark die dunkle Seite der Macht sein kann. Mit diesen Worten versucht Darth Vader, einst selbst Verfechter des Guten und nun Diener eines finsteren Imperators, seinen Sohn Luke Skywalker, der aufseiten der Rebellion gegen das Imperium kämpft, in George Lucas Science Fiction-Film Die Rückkehr der Jedi-Ritter (1983) auf die Seite des Bösen zu ziehen. Luke wird der dunklen Seite widerstehen, das Imperium wird zerschlagen. Erwartungsgemäß obsiegt das Gute also schließlich auch im Star Wars-Universum. Was die verführerische Kraft des Bösen betrifft, sollte Darth Vader jedoch Recht behalten. Die dunkle Seite ist stark und nur vorübergehend zu besiegen, wie der jüngste Star Wars-Film Das Erwachen der Macht (2015) effektreich vorführt. An die Stelle Darth Vaders tritt der junge Kylo Ren. In dunkler Montur und mit spektakulärem Lichtschwert will er das Erbe Darth Vaders vollenden und schreckt dabei vor keiner Normüberschreitung und Grausamkeit zurück.
Die alle Kinorekorde brechende Star-Wars-Saga ist ein Musterbeispiel für die populärkulturelle Inszenierung des alten Widerstreits heller und dunkler Mächte. Vor allem die Darstellung des Bösen ruft beim Publikum Begeisterung hervor. Es tritt in Gestalt eines technisch hochgerüsteten schwarzen Kriegers auf, der seinen Gegenspielern zumindest ästhetisch klar überlegen ist. Wie sein Vorgänger Vader repräsentiert Kylo Ren jedoch nicht das absolute Böse. Innerlich ist er zwischen der dunklen und der hellen Seite hin- und hergerissen und wird so zum Spielball größerer Mächte. Sein innerer Konflikt wird mit Sicherheit auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Diese Widersprüchlichkeit der Figuren intensiviert die Wahrnehmung der Rezipienten in besonderer Weise und trägt entscheidend zur Faszination des Bösen bei (vgl. Wuketits 2000).
Figuren wie Kylo Ren verdeutlichen exemplarisch, wie stark das ästhetisch Böse vor allem in der Populärkultur der Gegenwart verankert ist. Finstere Schurken, dunkle Zauberer oder psychopathische Serienkiller laufen den guten Helden in der Gunst der Rezipienten, z.B. in aktuellen Romanen, Kinofilmen, TV-Serien, Computerspielen und selbst auf dem Spielzeugmarkt, den Rang ab.
Gut und Böse klassische und populärkulturelle Konstellationen
Ästhetische Inszenierungen des Bösen sind jedoch keineswegs ein neues Phänomen. Böse Figuren haben seit jeher ihren festen Platz in der Literatur und anderen Künsten und sind dementsprechend auch im Deutschunterricht präsent. Die traditionelle Inszenierung des Bösen folgt einem weithin stabilen Muster: Das Böse stört in verschiedener Gestalt die am Guten orientierte Werteordnung, stiftet Konflikte und bringt Handlungen in Gang. Es werden Helden auf den Plan gerufen, die entweder von Beginn an moralisch überlegen sind oder zumindest eine positive Entwicklung durchlaufen. Von ihnen wird das Böse bekämpft und schließlich besiegt. Die normativ orientierende und erzieherische Funktion, die bei der Rezeption und Vermittlung von Literatur lange Zeit im Vordergrund stand, setzt das Böse somit notwendig voraus. Ohne das moralisch Böse kann die Überlegenheit des Guten nicht zur Anschauung gebracht werden.
Das populärkulturelle Böse ist dieser Tradition nur...

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 261 / 2017

Das Böse

Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-13