Jeff Kohnen

Anwesenheitspflicht am Freitagnachmittag

Jeff Kohnen

Lehrerkonferenzen als Stärkung des Gemeinschaftsgefühls zwischen Lehrkräften

Das Atert-Lycée in Redange ist eine Gesamtschule im Westen Luxemburgs, die im September 2008 ihre Tore öffnete. Im aktuellen Schuljahr unterrichten 140 Lehrkräfte 1.150 Schüler der Sekundarstufen I und II. Zwischen 2006 und 2008 entwickelte eine Steuergruppe unter der Leitung von Schuldirektor Claude Boever das pädagogische Konzept der neuen Schule. Einer der wichtigsten Pfeiler dieses Konzeptes sollte in einer intensivierten Zusammenarbeit der Lehrkräfte bestehen. Gegenüber traditionellen Schulen, die oft weniger Wert auf eine solche Zusammenarbeit legen, wurden Verbesserungen in folgenden Bereichen anvisiert:
  • In der Unterrichtsqualität durch das gemeinsame Ausarbeiten von Leitlinien und Unterrichtsinhalten innerhalb einer Fachschaft.
  • In der Bewertungsqualität durch das gemeinsame Erstellen und Korrigieren von Gemeinschaftsklausuren innerhalb einer Fachschaft.
  • In der Zusammenarbeit innerhalb eines pädagogischen Teams.
Um einen derart umfangreichen Austausch der Lehrer sowohl hinsichtlich ihrer fachspezifischen als auch der pädagogischen Aufgaben zu institutionalisieren, musste ein entsprechender Zeitrahmen geschaffen und im Stundenplan verankert werden. Die Schüler sollten zu diesem Zeitpunkt keinen Unterricht haben, und es sollte ausreichend Zeit für die Konferenzen der Fachschaften und der pädagogischen Teams zur Verfügung stehen. Denn nur so kann die größtmögliche Teilnahme an den Konferenzen und deren Regelmäßigkeit garantiert werden.
Welcher Nachmittag für die Lehrerkonferenzen?
Die Steuergruppe einigte sich auf einen Stundenplan, der viermal in der Woche Unterricht von 8:00 bis 15:30 Uhr vorsieht und einmal nur vormittags, bis 12:15 Uhr. Der verbleibende freie Nachmittag konnte somit für die Lehrerkonferenzen reserviert werden. Aus pädagogischer Sicht drängte sich zunächst der Mittwochnachmittag auf, um die Schüler vom Unterricht freizustellen. Dadurch hätten diese eine Ruhepause in der Mitte der Woche bekommen, die sie hätten nutzen können, um Unterrichtsinhalte nach- und vorzubereiten. Dagegen sprach aber, dass an der neu eröffneten Schule in den ersten Jahren viele Referendare arbeiteten. Diese müssen in Luxemburg nach dem Studium ein zweijähriges Referendariat absolvieren. Da ihre Kurse jeweils am Dienstag-, Mittwoch- und Donnerstagnachmittag stattfinden, wäre in den ersten Jahren etwa ein Fünftel der Lehrkräfte von den Konferenzen ausgeschlossen gewesen.
Als Alternative blieb der Freitagnachmittag zurückbehalten, denn er ermöglicht einen nahen Rückblick auf die abgeschlossene Woche. Allerdings birgt er die Gefahr, dass die Lehrkräfte das Ende des Unterrichts als Beginn des Wochenendes ansehen und sie deshalb nicht motiviert sind, an den Konferenzen teilzunehmen.
Soweit die Planungen der Steuergruppe im Jahre 2008. Seit der Eröffnung des Atert-Lycée wird der Freitagnachmittag wie folgt organisiert:
  • Die Konferenzen der pädagogischen Teams sind für 13:15 Uhr eingeplant, sie werden vom Klassenlehrer nach Bedarf einberufen.
  • Die Fachschaftskonferenzen folgen dann ab 14:30 Uhr und werden vom Leiter der Fachschaft ebenfalls nach Bedarf einberufen.
Gute Erfahrungen
Nach acht Jahren lässt sich aus Sicht der Schulleitung feststellen, dass vor allem das Ziel bezüglich einer verstärkten Zusammenarbeit der Lehrkräfte auf Fachschaftsebene erreicht wurde; die Fachgruppen arbeiten effizient und treffen sich regelmäßig. Neben dem allgemeinen Austausch werden gemeinsam (teilweise in kleineren Jahrgangsstufengruppen) Unterrichtseinheiten und Gemeinschaftsklausuren ausgearbeitet, Leitlinien bezüglich Inhalt und Bewertung erstellt sowie neue pädagogische Ansatzmöglichkeiten diskutiert. Die Effizienz der Konferenzen mit den Lehrkräften einer Klasse ist hingegen ausbaufähig. Hier wird das Potenzial nicht voll ausgenutzt, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass Lehrkräfte mit wenig Wochenstunden...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 6 / 2016

Konferenzen – TOP vorbereitet?!

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13
  • Autor/in: Jeff Kohnen