Susanne Lang

Wortgruppen entdecken

Abb. 1: Eine Body-Grammar-Sequenz als interaktiver Stundeneinstieg (die Kinder stellen sich in einem Halbkreis oder in einer Reihe auf)
Abb. 1: Eine Body-Grammar-Sequenz als interaktiver Stundeneinstieg (die Kinder stellen sich in einem Halbkreis oder in einer Reihe auf), © Illustration: Thies Schwarz

Susanne Lang|Elvira Topalović

Welche Wörter gehören enger zusammen als andere?

Anders als Wort, Satz und Text ist die Wortgruppe im Sprachunterricht noch eher unbekannt. Das Modell zeigt, dass sich die Wortgruppe als neuer grammatischer Fachausdruck besonders gut für sprachreflexives und grammatisches Lernen eignet.

Der Wortgruppe wird in so mancher Grammatik eine Schlüsselrolle für das Verständnis verschiedener grammatischer Phänomene zugesprochen (vgl. Granzow-Emden 2019, S. 14). Auch die im Deutschunterricht weit verbreiteten sprachlichen Operationen (Proben) beruhen auf Wortgruppen. Beim Umstellen, Erweitern, Austauschen oder Weglassen können Wortgruppen Strukturen und Zusammenhänge in Sätzen sichtbar machen. Während Wort, Satz und Text bekannte grammatische Termini darstellen, wird die Wortgruppe im Sprachunterricht noch eher selten genutzt. Was aber ist eine Wortgruppe? Eine Wortgruppe besteht prototypisch aus Wörtern, die enger zusammengehören als andere. Jede Wortgruppe besitzt einen Kern, der die grammatischen Eigenschaften der anderen Bestandteile der Wortgruppe bestimmt. Dieser Kern gibt der Wortgruppe ihren Namen. Unterschieden werden Nominalgruppen (1), Präpositionalgruppen (2), Adjektivgruppen (3), Adverbgruppen (4) und Adjunktorgruppen (5) (vgl. dazu das Verzeichnis grundlegender grammatischer Fachausdrücke unter https://grammis.ids-mannheim.de/vggf).
Eine Besonderheit von Wortgruppen ist, dass sie mit Attributen erweitert werden können und dabei eine Klammer bilden. Im Beispiel wird die Nominalgruppe die Wiese mit Adjektiv-, Partizipial- und Präpositionalattributen erweitert (=attributive Erweiterung von Wortgruppen) und nimmt entsprechend an Komplexität zu (siehe Abb.2 ).
Nominale wie auch verbale Klammerstrukturen stellen eine strukturelle Besonderheit der deutschen Sprache dar. Solch komplexe Wort- bzw. Nominalgruppen produktiv (beim Schreiben) zu gebrauchen oder rezeptiv (beim Lesen) zu verstehen sind wichtige Indikatoren dafür, dass Schülerinnen und Schüler Strukturen der konzeptionellen Schriftlichkeit (oder auch „Bildungssprachlichkeit) erworben haben. Sie würden in diesem Fall z.B. keine sprachliche Hürde beim Lesen komplexer pragmatischer oder ästhetischer Texte darstellen.
Intentionen
Wortgruppen eignen sich aufgrund ihrer Zugänglichkeit über Proben und ihrer klammerbildenden Struktur in besonderer Weise für ein sowohl sprachreflexives als auch grammatisches Lernen (Lernbereich: Sprache und Sprachgebrauch untersuchen) hier zunächst auf den formalen Aspekt fokussiert (zu funktionalen bzw. sprachhandlungsbasierten Zugängen vgl. Feilke/Tophinke 2016). Lässt man die Lernenden über ihre Erkenntnisse gemeinsam sprechen, dann können sie mit diesen interaktiven Formaten nicht nur Erklärfähigkeiten und metasprachliche Fähigkeiten (weiter-)entwickeln, sondern auch ihre Sprech- und Zuhörkultur (Lernbereich: Sprechen und Zuhören). In einer weiterführenden Unterrichtseinheit könnten die Schülerinnen und Schüler z.B. verschiedene Sprachen vergleichen, die Besonderheiten von Wortgruppen im Deutschen erarbeiten oder aber Strategien erwerben, Wortgruppen beim Lesen und Rechtschreiben zu nutzen (vgl. Topalović/Lang 2020).
Unterricht
Im Mittelpunkt des Unterrichts steht das Experimentieren mit Sprache mit einem Schwerpunkt auf Wortgruppen. Die Schülerinnen und Schüler sprechen gemeinsam über Sprachstrukturen, entdecken dabei Wortgruppen durch Umstellproben und erwerben explizites grammatisches Wissen beim Experimentieren mit Nominalgruppen.
Schritt 1: Mit Spracheexperimentieren
Einen interaktiven Einstieg in das Thema ermöglicht eine Body-Grammar-Sequenz im Klassenverbund (siehe Abb.1). Dazu erhalten einige Schülerinnen und Schüler jeweils ein Wort des Satzes Die nette Lehrerin will ihrer neuen Klasse witzige Radiergummis schenken auf laminiertem Papier und bringen sich als gleichsam „lebendiger Satz in Position. Soll auch die verbale Klammer visualisiert...

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 282 / 2020

Grammatik entdecken

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 4-6
  • Thema: Grammatik
  • Autor/in: Susanne Lang | Elvira Topalovic