Stephanie Schönenberg

Woran erkennt man Wortarten am besten?

 Das vollständige Tafelbild befindet sich im Downloadbereich.
Das vollständige Tafelbild befindet sich im Downloadbereich., © Friedrich Verlag

Stephanie Schönenberg

Ein Rutschbahnenmodell zur Systematisierung von Wortarten einsetzen

Was kann man mit einem Wort machen, was mit einem anderen nicht möglich ist? Anhand dieser Kernfrage entdecken Lernende Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Wörtern, entwickeln Analogien und gelangen selbstständig zu einer Systematisierung der Wortarten.

Intentionen
Anliegen des Unterrichtsvorschlags ist es, dass die Schülerinnen und Schüler mithilfe grammatischer Proben und vorstrukturierter Lernangebote selbst eine Systematik der Kernwortarten entwickeln. Die Kernfrage:Was kann man mit einem Wort machen, was mit einem anderen nicht möglich ist? führt zum Entdecken von Gemeinsamkeiten, Analogien und Unterschieden zwischen Wörtern. Daraus entwickeln die Lernenden eine Vorstellung davon, wie sich Wörter untersuchen und zu Wortarten zuordnen lassen, und gelangen so sukzessive zu einer Systematisierung. Basis der Erprobungen ist das Sprachkönnen der Schülerinnen und Schüler.
Für dieses Vorgehen ist zentral, den Schülerinnen und Schülern Proben an die Hand zu geben, die verlässlich funktionieren und die die Kernmerkmale der jeweiligen Wortart erfassen (vgl. Übersicht Basisartikel, S. 10).
In diesem Unterrichtsmodell wird ausschließlich der Kernbereich der flektierbaren Wortarten Nomen, Verb, Adjektiv, Artikelwörter und Pronomen betrachtet. An einzelnen Stellen kommen dabei schon Wörter aus dem Peripheriebereich in den Blick, wenn z.B. bei der Anwendung der Tests deutlich wird, dass das Wort zwar eine für die Wortart typische Probe besteht, die zweite aber nicht (Bsp. 1 Adjektiv GELB: Attributprobe: das gelbe Auto, aber nicht steigerbar: gelb – *gelber *am gelbesten; Bsp.2 SINGEN: kann Verb und Nomen sein, Nomenprobe 1: das Singen, aber nicht pluralfähig – Probe 2).
Die Wortuntersuchung folgt zunächst morphologischen Kriterien, daran anschließend findet eine Anbindung an die Ebene von Wortgruppen und Sätzen statt. Für die Schülerinnen und Schüler soll dabei ein stabiles Kategoriensystem entstehen, das mithilfe des Rutschbahnenmodells (als Dowlnoad verfügbar) visualisiert wird, welches auf Basis von Wenn-dann-Entscheidungen (vgl. u.a. Duden-Grammatik 2016 und Imo 2016, S. 26 – 28, vgl. auch Die Sprachstarken 2008, S. 70) schrittweise und logisch zur Unterscheidung der flektierbaren Wortarten führt und welches systematisch erweitert und ausdifferenziert werden kann.
Die Schülerinnen und Schüler verfügen am Ende der Sequenz (im Idealfall) über:
  • einen Überblick über verschiedene Wortarten (Verb, Adjektiv, Nomen, Artikelwörter, Pronomen, Nichtflektierbare) und die Logik einer Wortarteneinteilung;
  • Wissen über die Kernmerkmale der flektierbaren Wortarten;
  • verschiedene Operationen, mit denen man Wörter (später auch in Texten) untersuchen kann: flektieren, kombinieren, einsetzen, ersetzen, erweitern, verschieben/topikalisieren;
  • Operationen, um Kategorisierungsentscheidungen treffen und begründen zu können.
Unterricht
Phase 1 (2 – 3 Unterrichtsstunden)
Als Einstieg bietet es sich an, die Lernenden in die Rolle von Sprachforschern zu versetzen. Sie lernen unterschiedliche Werkzeuge bzw. grammatische Tests kennen, mit denen sie Wörter untersuchen. Die Forschungsfrage wird angeschrieben: Was können wir mit einem Wort machen, was mit einem anderen Wort nicht möglich ist? Die Klasse wird in Gruppen aufgeteilt. Alle Gruppen erhalten Umschläge mit denselben Wortkarten (Material1). Erscheint es für die Lerngruppe zu anspruchsvoll, können die folgenden Wörter zunächst weggelassen werden und erst später in der Plenumsarbeit vorkommen: können, haben, euer, kein, dreieckig, gelb, schwanger, Leiter, Glück, aus.
Jede Gruppe erhält außerdem eine Karteikarte mit jeweils zwei grammatischen Proben als „Testwerkzeuge und dem Arbeitsauftrag (Material 2 ). Alle Wörter, die den „Werkzeugtest bestanden haben, werden gebündelt aufgeschrieben. Außerdem sollen die Wörter notiert werden, bei denen die...

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 282 / 2020

Grammatik entdecken

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 6-8
  • Thema: Grammatik
  • Autor/in: Stephanie Schönenberg