Neues Verzeichnis grammatischer Fachausdrücke

Abb. 2: Verzeichnis 2019: Terminus Präsens mit begriffsbildenden Ergänzungen
Abb. 2: Verzeichnis 2019: Terminus Präsens mit begriffsbildenden Ergänzungen

Unter der Leitung des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim (IDS) wurde im Gremium für Schulgrammatische Terminologie das Verzeichnis grundlegender grammatischer Fachausdrücke neu erstellt. Ziel des Verzeichnisses ist es, eineHilfestellung für die Konzeption von Lehrplänen und Schulbüchern für das Fach Deutsch und für die Vereinheitlichung der Termini in der schulgrammatischen Tradition und Praxis zu geben. Mathilde Hennig, Professorin für Deutsche Sprachwissenschaft an der Uni Gießen, erläutert die Vorteile des neuen Verzeichnisses gegenüber der Vorgängerversion.

Das von der Kultusministerkonferenz 1982 zustimmend zur Kenntnis genommene Verzeichnis grundlegender grammatischer Fachausdrücke bildete über mehrere Jahrzehnte die Grundlage für die Bezeichnung grammatischer Phänomene im Deutschunterricht. Die sogenannte KMK-Liste orientierte sich an der schulgrammatischen Tradition und beinhaltete Termini zur Laut-, Wort-, Satz- und Bedeutungslehre. Im Allgemeinen werden die Termini nur aufgelistet, es finden sich keine Definitionen und nur vereinzelt Erläuterungen.
Die alte KMK-Liste bildet auf diese Weise einen Kanon zu lernender Termini („Gerippe trockener Terminologie; Homberger 1992, S. 399). Sie bietet keine ausreichenden Anhaltspunkte für die grammatische Begriffsbildung, sinnvolle Form-Funktions-Bezüge können nicht hergestellt werden und die wenigen Gliederungspunkte ermöglichen keinen Zugang zum Netzwerk der grammatischen Kategorien. Gerade die in der Vorbemerkung genannte Zielsetzung einer Vereinheitlichung kann auf diese Weise nicht erreicht werden, da bekanntlich bestimmte grammatische Termini für verschiedene Begriffe/Konzepte genutzt werden. Es handelt sich also um eine reine „Normierung der Benennung ohne Normierung der Begriffe (Müller 2006, S. 465).
Das ist vor allem deshalb bedauerlich, weil grammatische Grundbegriffe ein nicht zu unterschätzendes sprachdidaktisches Potenzial mitbringen. Aus diesem Grunde hat nun nach langjährigen Vorbereitungen das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache der KMK einen Neuvorschlag vorgelegt, der mithilfe eines Gremiums aus Vertretern von Fachwissenschaft, Fachdidaktik, Lehrerinnen und Lehrern sowie Bildungsmedien erarbeitet wurde.
Das neue Verzeichnis
Das neue Verzeichnis versteht sich ausdrücklich als eine Grundlage zur Begriffsbildung und nicht als auswendig zu lernender Minimalkatalog. Das Verzeichnis umfasst insgesamt 112 Termini aus den Bereichen Laut, Buchstabe, Wort und Satz. Mit dem aus linguistischer Sicht geringen Umfang möchte das Verzeichnis dem im Vorfeld mit der KMK vereinbarten Kriterium der Kompaktheit begegnen. Das bedeutet keineswegs, dass das Verzeichnis auf Neuerungen verzichtet. Gegenüber dem alten Verzeichnis wurde es durch fachwissenschaftlich und fachdidaktisch konsensuelle Phänomenbereiche ergänzt, und zwar insbesondere durch die Phänomenbereiche Valenz, Felderstruktur und Wortgruppen. Hierbei handelt es sich um Begriffe, deren didaktischer Wert für die Aufbereitung der Satzgliedanalyse als wenig umstritten gelten kann, da sie sich besonders zur Operationalisierung eignen (z.B. die Vorfeldprobe zur Bestimmung von Satzgliedern).
In das neue Verzeichnis wurden auch Einzelphänomene aufgenommen, die bislang nicht Gegenstand der Schulgrammatik sind. So bietet bspw. der Terminus „Kommentarglied eine Ergänzung zur traditionellen Satzgliedanalyse, da mit diesem Terminus u.a. die Satzfunktion von sprechereinstellungsbezogenen Satzkonstituenten (bspw. Kommentaradverbien, Abtönungspartikeln) erfasst werden kann, die bisher durch das gängige Raster der Satzgliedanalyse gefallen sind. Auf diese Weise soll eine möglichst vollständige Satzanalyse ermöglicht werden.
Inwiefern von Angeboten dieser Art Gebrauch gemacht wird, hängt von sprachdidaktischen und curricularen Entscheidungen ab. Die Termini und Definitionen des Verzeichnisses sind keinesfalls für die direkte Nutzung im Unterricht gedacht, sondern vielmehr als...

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 282 / 2020

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