Doris Tophinke

Installationskunst beschreiben

Abb. 1: field work in Hannover 1992
Abb. 1: field work in Hannover 1992, © Tadashi Kawamata

Doris Tophinke

Die Grammatik des Lokalisierens entdecken

Die Installationskunst von Tadashi Kawamata ist eine kritisch-politische Kunst,die sich in Beziehung setzt zur vorhandenen Architektur. Sie eignet sich in derSekundarstufe II, um ausgehend vom Schreiben über ästhetische Erfahrungenin die grammatische Reflexion einzusteigen.

Vom Grammatischen Lernenzur Grammatikreflexion
Ohne Grammatik wären sprachliche Handlungen wie etwa das Erzählen oder Darstellen nicht möglich. Die grammatischen Phänomene die Flexion, Wortarten und Wortgruppen, syntaktische Muster ermöglichen und stützen im Zusammenspiel mit dem Wortschatz die Bildung von Äußerungen und Sätzen, mit denen sprachliche Handlungen vollzogen werden können. Wenn die Schülerinnen und Schüler im Schriftspracherwerb die Formulierungsmuster kennenlernen, mit denen man schriftsprachlich erzählt, argumentiert oder darstellt, so ist dies immer auch Grammatisches Lernen (Feilke/Tophinke 2016). Denn den Schülerinnen und Schülern wird – so kann man sagen die Grammatik des Erzählens, Darstellens, Argumentierens usw. verfügbar.
Das Unterrichtsmodell, das im Folgenden dargestellt wird, geht vom Grammatischen Lernen als implizitem Grammatiklernen aus. Es steigt von dort dann weitergehend in eine Grammatikreflexion ein, wie sie der Schwerpunkt in diesem Heft ist: Die Formulierungsmuster werden in ihrer Grammatikalität explizit zum Thema.
Im Zentrum des Unterrichtsmodells steht dabei die Grammatik des Lokalisierens. Es geht um Ausdrücke, die in einem weiten Sinne – lokalisierende Funktion haben, d.h. Angaben zu Lage und Ausrichtung von Objekten und Personen machen, die eine Bewegungsrichtung in den Satz einbringen (vgl. der Stuhl neben der Tür, der Weg zur Schule, die Schüler*innen vorne/dort/da/hier ) oder die die räumliche Perspektive anzeigen, aus der etwas betrachtet wird (von vorne/oben/hinten, in der Seitenansicht ).
Das Grammatische Lernen zum Lokalisieren wird durch eine Schreibaufgabe angeregt, in der sich die Schülerinnen und Schüler mit den Installationsobjekten des Künstlers Tadashi Kawamata auseinandersetzen und diese beschreiben. Da es sich um räumliche Installationen handelt, müssen sie beim Beschreiben lokalisierende Ausdrücke intensiv nutzen. So entsteht schon vor der grammatischen Reflexion eine erste Aufmerksamkeit für das sprachliche Lokalisieren. Die Beschreibungen sollen so verfasst sein, dass Lesende und Hörende eine gute Vorstellung vom Installationsobjekt erhalten, auch ohne dieses zuvor gesehen zu haben.
Die Aufgabe ist herausfordernd, denn die Installationen von Tadashi Kawamata sind komplex zusammengesetzt und auf ungewöhnliche Weise in Innen- und/oder Außenräumen angebracht. Die kleineren oder auch großen, raumgreifenden Gebilde Kawamatas sind in ihrem Aufbau, in ihrer Verbindung mit vorhandenen Architekturen sowie in ihrer Ausrichtung kniffelig zu beschreiben.
Die grammatischen Mittel des Lokalisierens müssen intensiv und überlegt genutzt werden. Die Lernenden prüfen beim Schreiben, ob die sprachlichen Formulierungen, die sie gefunden haben, stimmig sind und ihre beschreibenden Texte den Leserinnen und Lesern eine angemessene Vorstellung vermitteln.
Intentionen
Die grammatische Reflexion schließt dann an das darstellende Schreiben an. Die Schülerinnen und Schüler nehmen die lokalisierenden Ausdrücke in ihren Texten grammatisch unter die Lupe: Wo finden sich lokalisierende Ausdrücke in den Sätzen bzw. Texten? Wie lassen sie sich sortieren? Wie lassen sich diese Ausdrücke grammatisch näher bestimmen?
In der Reflexion geht es einmal am Gegenstand lokalisierender Ausdrücke um die Vermittlung und Vertiefung grundlegender grammatischer Fähigkeiten in der Beschreibung grammatischer Formen. Dies betrifft:
a) eine begründete Bestimmung von Wortarten und (komplexeren) Wortgruppen auf der Basis von Kriterien,
b) eine Bestimmung der Satzgliedfunktion bzw. Teilsatzgliedfunktion, d.h. die Integration der...

Friedrich+ Deutsch

Sie sind bereits Abonnent?

Mein Konto

Jetzt weiterlesen mit Friedrich+ Deutsch!

  • Digitaler Vollzugriff auf die Inhalte der Zeitschriften Praxis Deutsch und Deutsch 5–10
  • Intuitive Benutzeroberfläche mit thematischer Struktur und intelligenter Suche
  • Jährlich über 100 neue didaktische Beiträge, Unterrichtseinheiten, Arbeitsblätter, Lesetexte, Bildmaterial, Filmsequenzen, Methodenkarten, Lernplakate, Klausuren und vieles mehr

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Deutsch

Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 282 / 2020

Grammatik entdecken

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-13