Korrektur-Systematik

Korrekturzeichen und verständliche Randkommentare in Klausuren

Schülertexte zu korrigieren erfordert eine transparente und möglichst verlässliche Korrektur-Systematik, die Fehlerkategorien, Fehlerarten und Korrekturzeichen beinhaltet. Selbst erfahrene Lehrkräfte sind bisweilen unsicher, wenn sie ihre Korrekturen Schülerinnen und Schülern oder deren Eltern gegenüber erläutern oder rechtfertigen müssen. Lesen Sie hier, welche Korrekturzeichen und Randkommentare hilfreich sind und den Ansprüchen einer transparenten Bewertung gerecht werden.

Korrekturzeichen und verständliche Randkommentare in Klausuren
Korrekturtätigkeiten nehmen einen nicht zu unterschätzenden Anteil der Arbeitskraft einer Lehrerin oder eines Lehrers ein. Foto: © multihobbit; speed300; robynmac /alle auf stock.adobe.com

Die eigentliche Korrektur besteht aus dem Lesen des Schülertextes bzw. der Klausur und der Kennzeichnung und Erläuterung auffindbarer Fehler und Mängel. Traditionell werden dafür bestimmte Korrekturzeichen wie etwa „R“ für Rechtschreibfehler verwendet. Viele Lehrkräfte ergänzen diese durch entsprechende Kommentare am Rand.

Wie sehen die Vorgaben für Korrekturzeichen in Deutschland aus?

Einheitliche Korrekturzeichen für Deutschland gibt es nicht. Einige Bundesländer haben diesbezüglich für das Abitur Vorgaben erlassen, um Willkür zu verhindern und einen gewissen Standard zu schaffen. Andere halten sich mit Empfehlungen zurück, sodass auch innerhalb einzelner Bundesländer unterschiedliche Zeichen und Kategorisierungen von Fehlern in Verwendung sind.

Grundsätzlich ist es zunächst nicht unbedingt von Nachteil, wenn die Behörden den Lehrkräften hier mehr Freiheiten lassen. Dadurch hat man einen größeren didaktischen und fachlichen Spielraum bei der Korrektur. Andererseits suchen gerade unerfahrenere Kolleginnen und Kollegen natürlich nach einem System, an dem sie sich orientieren können.

Welche länderspezifischen Unterschiede gibt es bei den Korrekturzeichen?

Traditionell sind in der Schule andere Korrekturzeichen in Verwendung, allerdings ohne Normierung. Für die Sekundarstufe I gibt es meist gar keine Vorschriften dazu. Für das Abitur hingegen haben einige Bundesländer, zum Beispiel Baden-Württemberg, sehr eng definierte Vorschriften veröffentlicht, die sich allerdings von Land zu Land unterscheiden können.

Ein Beispiel für leichte Unterschiede zwischen den Bundesländern bei den Abiturvorgaben ist die Abkürzung für Grammatikfehler:

  • in Nordrhein-Westfalen „G“,
  • in Niedersachsen „Gr“ und
  • in Sachsen „GR“.

Größere Unterschiede gibt es bei der Semantik und Stilistik: Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen etwa trennen zwischen Wortfehlern („W“) und Ausdrucksfehlern („A“), wobei Wortfehler sich auf das einzelne Wort, Ausdrucksfehler dagegen auf mehrere Wörter beziehen. Während Niedersachsen beide Fehlerarten als gleichwertig vorgibt, wird in Nordrhein-Westfalen der Ausdrucksfehler als Spezifizierung dem Wortfehler untergeordnet. In Baden-Württemberg hingegen steht das Korrekturzeichen „W“ für „Wiederholung“. (...) Nur wenige der für das Abitur vorgegebenen Listen mit Korrekturzeichen sind überzeugend systematisiert. Dabei stellt zum Beispiel das recht einfach geordnete Modell Schleswig-Holsteins eine Ausnahme dar.

Daran können sich Referendare, Berufsanfänger und Quereinsteiger orientieren

Wenn Sie neu an einer Schule anfangen, erkundigen Sie sich, ob es fachgebundene oder schulinterne Festlegungen zur Korrektur gibt. Trotz der Verpflichtung, sich an bestimmte Vorgaben zu halten, haben Sie als Lehrkraft meist einen großen didaktischen Spielraum. Die Vorgaben sind oft viel flexibler, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Wichtig ist vor allem, dass Sie bei Ihren Korrekturen einheitlich vorgehen und darauf achten, dass Ihre Entscheidungen fachlich und didaktisch begründbar sind.

Welche und wie viele Korrekturzeichen sollten verwendet werden?

Generell ist es nicht sinnvoll, eine Liste möglichst vieler Korrekturzeichen zu verwenden, die einer alphabetischen oder womöglich sogar keiner nachvollziehbaren Ordnung folgt. Aus didaktischen und praktikablen Gründen sollte eine begrenzte Anzahl an Korrekturzeichen benutzt werden, denen bestimmte Fehlerkategorien eindeutig zugeordnet werden können. Nur so kann überhaupt eine verständliche Rückmeldung an die Schülerinnen und Schüler erfolgen, denn nur wenige von ihnen interessieren sich überhaupt für die genaue Benennung von Fehlern, zumal eine zu starke Ausdifferenzierung mit zu vielen Abkürzungen schnell überfordern kann. Ein geordnetes und begrenztes System an Korrekturzeichen (ca. 6 - 9 Korrekturzeichen) erleichtert auch Lehrkräften die Korrektur einer Textarbeit immens.

Kategorie Korrekturzeichen Alternativen
Inhalt I Fa, FA (fachlicher Fehler, fachliche Auseinandersetzung), Sf, SF (Sachfehler), Sa (sachlicher Fehler)
Rechtschreibung R Rs
Zeichensetzung Z Sz (Satzzeichen)
Grammatik G Gr, GR
T (Tempus)
Ausdruck A W (Wortfehler), WW (Wortwahl), L (Lexik)
S, St (Stilfehler)
M (Modalität)
Formalien F  

In den meisten Fällen reichen diese wenigen Zeichen vollkommen aus. Sie gewährleisten eine Rückkopplung an die Anforderungen sowie eine klare Abgrenzung der einzelnen Fehlerkategorien. Im Sinne der Einheitlichkeit ist es auch sinnvoll, für alle Korrekturzeichen nur einen Buchstaben als Abkürzung zu verwenden.

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Mehr oder weniger Korrekturzeichen – was ist hilfreich für ein Feedback an die Schüler?

Eine weiter ausdifferenzierende Liste von Korrekturzeichen würde die Korrektur für alle Beteiligten nur unübersichtlicher gestalten. Dieser wichtige Grundsatz der Reduktion und Systematisierung von Korrekturzeichen bzw. Abkürzungen ist in der didaktischen Literatur bislang meist vernachlässigt worden. Da findet sich sogar der gegenteilige Vorschlag, Fehler in einem Schülertext zu nummerieren und sie anhand einer Liste mit 52 Aufschlüsselungen zu identifizieren. Solch ein Vorschlag widerspricht der Übersichtlichkeit und einfachen Systematisierung und ermöglicht kein adäquates Feedback: Weder Lehrkräfte noch Schülerinnen und Schüler werden sich eine solch hohe Anzahl an Zuordnungen und Differenzierungen merken können oder immer wieder nachschlagen, insbesondere dann nicht, wenn an einer Schule ganz unterschiedliche Korrektursysteme nebeneinander bestehen.

Sind Anpassungen der Korrekturzeichen nach den Abiturvorgaben der Länder notwendig?

Sie können selbst entscheiden, welche der vorgeschlagenen Korrekturzeichen Sie verwenden. Am besten erstellen Sie eine eigene Liste, die Sie den Abiturvorgaben Ihres Bundeslandes angleichen. Wenn Sie in Baden-Württemberg unterrichten, ersetzen Sie einfach das „G“ durch „Gr“. Wenn Sie aus Niedersachsen kommen, differenzieren Sie zwischen „W“ für lexikalische Fehler, die nur ein Wort betreffen, und „A“ für alle anderen lexikalischen und stilistischen Fehler. Im Grunde bleibt durch diese Anpassungen das reduzierte System relativ gut erhalten.

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Was können sinnvolle Ergänzungen zu Korrekturzeichen sein?

Trotz der reduzierten Anzahl an Korrekturzeichen halten es viele Lehrkräfte weiterhin für sinnvoll, manche Fehler zu präzisieren. Um Fehler also genauer zu benennen, sollten Sie - anstatt weiterer eigenständiger Korrekturzeichen - ausformulierte und einige abgekürzte Präzisierungen verwenden. Setzen Sie diese in Klammern hinter das jeweilige Korrekturzeichen, beispielsweise so:

I (zu allgemein)

Dieses Vorgehen löst den Interessenskonflikt zwischen der Vereinfachung und der genauen Benennung, denn es gewährleistet weiterhin Übersichtlichkeit und die Zuordnung zu einer bestimmten Anforderungskategorie.

Die folgenden Übersichten führen solche Präzisierungen zu den einzelnen Fehlerkategorien Inhalt, Grammatik, Ausdruck und Formalien auf:

Korrekturzeichen: Inhaltliche Fehler

Inhalt I
 
Inhaltlicher Fehler: falsche, ungenaue, unvollständige Darstellung und Deutung, unsachgemäße Verkürzung, Verstoß gegen die Logik oder Kohärenz
Alternativ:  
Fa, FA, Sf, SF, Sa fachlicher Fehler, Sachfehler, sachlicher Fehler
Mögliche Präzisionen:  
(f) oder (X) inhaltlich falsch
(~) oder (ug) inhaltlich ungenau, oberflächlich, zu allgemein, erklärungsbedürftig, unvollständig, lückenhaft
(≠ Rel) oder (≠ Auf) inhaltlich irrelevant, trivial, von der Aufgabenstellung abweichend
(?) oder (uk), (uv) inhaltlich unklar, unverständlich, missverständlich
(Wh) oder (Wdh) inhaltliche Wiederholung
(Zh) oder (Zsh) unklarer/ falscher inhaltlicher Zusammenhang
(Bz) oder (Bez) unklarer/ falscher inhaltlicher Bezug
(Log) oder (D), (Df) logischer Fehler, Denkfehler, falsche Schlussfolgerung, inhaltlicher Widerspruch, Tautologie
Setzen eines Absatzes aus inhaltlichen Gründen
inhaltlich nicht sinnvoller Absatz
I/A Grenzfall: wahrscheinlich Inhaltsfehler, kann aber auch ein Ausdrucksfehler sein

Korrekturzeichen: Grammatikfehler

Grammatik G Grammatikfehler: falsche Flexion, falscher Satzbau
Alternativ:  
Gr, GR,
Sb, Sy
Grammatikfehler
Satzbau-/Syntaxfehler
Mögliche Präzisionen:  
(Flx) falsche Flexion (Wortendung für Kasus, Komparation, Modus, Numerus, Person, Tempus etc.)
(Sb) oder (Sy) Falscher Satzbau: unvollständiger Satz, falsche Wortstellung, fehlende Satzgrenze
(–) Streichung von syntaktisch Überflüssigem
(Γ) oder (√) Auslassung: Ergänzung von syntaktisch Fehlendem
G → I Fehlerkausalität: Grammatikfehler bedingt Inhaltsfehler

Korrekturzeichen: Ausdrucksfehler

Ausdruck

A Ausdrucksfehler: unpassende Wörter und Wortverbindungen, stilistisch unangemessen
Alternativ:  
W, WW, L
S, St
M
Wortschatzfehler, falsche Wortwahl, Lexikfehler
stilistischer Fehler
Modalitätsfehler
Mögliche Präzisionen:  
(W) oder (L) falsche Wortwahl, lexikalischer Fehler
(Koll) falsche Kollokation
(Id) falsches Idiom
(S) oder (St) unangemessener/ nicht textsortengerechter Stil
(M) unangemessene Modalität
(T) unangemessenes/ nicht textsortengerechtes Tempus
(Wh) oder (Wdh) Ausdruckswiederholung, mangelnde Variabilität
(FS) nicht/ falsch verwendete Fachsprache
(–) Streichung von semantisch Überflüssigem
(Γ) oder (√) Ergänzung von semantisch Fehlendem
A/I Grenzfall: wahrscheinlich Ausdrucksfehler, kann aber auch ein Inhaltsfehler sein
A → I Fehlerkausalität: Ausdrucksfehler bedingt Inhaltsfehler

Korrekturzeichen: Formale Fehler

Formalien F formaler Fehler
Mögliche Präzisionen:  
(?) oder (ul) unleserlich
Setzen eines Absatzes aus inhaltlichen Gründen
inhaltlich nicht sinnvoller Absatz

Je nach Bedarf können Sie zusätzlich jede andere Präzisierung hinzufügen. Aber obwohl Abkürzungen Zeit sparen, sollte man es damit nicht übertreiben. Besser ist es, die in den Übersichten dargestellten, relativ häufig verwendeten Abkürzungen dann durch nicht abgekürzte Präzisierungen zu ergänzen. Das können selbstverständlich beliebig viele sein, beispielsweise folgende:

zu allgemein, im Ansatz richtig, verwirrend, missverständlich, fraglich,
deutungsbedürftig, zu nah am Text, Genus, Numerus, Kasus, Modus

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Wie kann auch Gelungenes in Schülertexten hervorgehoben werden?

Streng genommen handelt es sich bei Korrekturzeichen um Zeichen für Verbesserungsbedarf, die bei Fehlern eingesetzt werden. Ein Zeichen zur Hervorhebung von Gelungenem ist also ein gesondertes Zeichen, das im engeren Sinn von Korrekturzeichen unterschieden werden muss. Solch ein Zeichen kann das Folgende sein:

Inhalt inhaltlich besonders zutreffend/ durchdacht/ überzeugend/ plausibel/ kreativ/ originell


Dieser Beitrag ist ein Auszug aus:

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