Renata Szczepaniak & Annika Vieregge

Dank des Internets oder dank dem Internet?

© zaozaa19/Shutterstock.com

Renata Szczepaniak & Annika Vieregge

Kasuswahl nach Präpositionen: Genitiv oder Dativ?

Präpositionen bestimmen die Flexionsform des nachfolgenden Substantivs. Einige schwanken dabei zwischen Genitiv und Dativ. In diesem Unterrichtsmodell betrachten Lernende das Feld der Präpositionen und entdecken Gründe für Kasusschwankungen.

Dank dem Internet oder auch dank des Internets kann man sich leicht einen Überblick dar-über verschaffen, welcher Kasus nach Präpositionen wie dank, trotz, während oder wegen bspw. in der „Zeit benutzt wurde (siehe Abb. 1 ). In dieser für ein sprachlich anspruchs-volles Publikum geschriebenen Wochenzeitung variiert die Kasuswahl erheblich: Alle vier hier erwähnten Präpositionen treten sowohl mit Dativ als auch mit Genitiv auf. Dabei ist die Genitivrektion, also z.B. dank des Internets, trotz des Aufwands, wegen des Geldes oder während des Spiels, in der Zeitung zwar häufiger, die Dativrektion (dank dem Internet, trotz dem Aufwand, wegen dem Geld, während dem Spiel) tritt jedoch ebenfalls auf und ist somit Teil des schriftsprachlichen Standards.
Semantische Gründe für wechselnde Kasuswahl
Schwankungen in der Kasuswahl treten nicht bei allen Präpositionen auf. Im Normalfall bestimmen Präpositionen, die zu den unflektierbaren Wortarten gehören, das morphologische Verhalten des darauffolgenden Nomens (oder Pronomens), indem sie eindeutig eine bestimmte Kasusform verlangen, z.B. Die Katze schläft auf dem Sofa. Dabei drücken sie Relationen aus, die zwischen einem im Satz genannten Referenten (Katze) und dem Referenten in der Präpositionalphrase (auf dem Sofa) bestehen. Neben lokalen können sie auch temporale (sie schläft seit vier Stunden, während des Gesprächs tippte sie schnell eine Nachricht ein), kausale (wegen des schwachen Euros, infolge eines Unfalls), konzessive (trotz dem Aufwand) und modale Relationen (die Tasche war aus feinem Leder) ausdrücken.
Präpositionen wie mit, aus, ohne oder durch haben eine eindeutige Kasusrektion. Sie verlangen entweder Dativ (mit, aus, nach, seit, bei, von, zu) oder Akkusativ (für, um, ohne, gegen, bis, durch). Eine kleine Gruppe sog. Wechselpräpositionen (in, auf, an, vor, über, unter, hinter, neben, zwischen) verlangt bei Lokalisierung nach Dativ (das Buch liegt auf dem Tisch) und bei Richtungsbestimmung nach Akkusativ (ich lege das Buch auf den Tisch). Die wechselnde Kasuswahl (Dativ oder Akkusativ) ist hier also semantisch begründet.
Zwischen Dativ und Genetiv schwankende Präpositionen
Im Fall der angesprochenen Präpositionen dank, trotz, wegen und während bietet uns die Sprache zwei Formen, ohne dass diese einen Bedeutungsunterschied zum Ausdruck bringen, z.B. dank dem Internet/dank des Internets; trotz dem Aufwand/trotz des Aufwands.
Diese zwischen Dativ und Genitiv schwankenden Präpositionen wie dank, trotz, während und wegen sind sprachgeschichtlich gesehen relativ jung. Man sieht ihnen häufig noch deutlich an, aus welchem Wort sie entstanden sind. So lässt sich die Verwandtschaft der Präposition dank mit Dank/danken noch recht gut erkennen (ebenso kommt trotz von Trotz/trotzen). Die Abstammung der Präposition während vom Verb währen ist weniger augenfällig. Solche relativ jungen und noch recht transparenten Sekundärpräpositionen variieren häufig bezüglich der Kasuswahl und lassen auch Genitivrektion zu. Ältere und häufiger gebrauchte, sogenannte Primärpräpositionen wie in, auf, mit oder seit sind dahingegen längst stabil geworden und regieren nur Dativ oder Akkusativ. Die 22 Primärpräpositionen (auch Kernpräpositionen) werden viel häufiger verwendet als Sekundärpräpositionen.
Die heutige Variation zwischen der älteren Genitiv- und der jüngeren Dativrektion bei wegen ist Ergebnis der nicht abgeschlossenen Entwicklung (Grammatikalisierung) (siehe Abb. 2 ) (Szczepaniak 2011, S. 93103). Die konkurrierende Zielrektion (also Dativ) wird dabei bereits früh in der Sprachgeschichte stigmatisiert. Auch heute...

Friedrich+ Deutsch

Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Jetzt weiterlesen mit Friedrich+ Deutsch!

  • Digitaler Vollzugriff auf die Inhalte der Zeitschriften Praxis Deutsch und Deutsch 5–10
  • Intuitive Benutzeroberfläche mit thematischer Struktur und intelligenter Suche
  • Jährlich über 100 neue didaktische Beiträge, Unterrichtseinheiten, Arbeitsblätter, Lesetexte, Bildmaterial, Filmsequenzen, Methodenkarten, Lernplakate, Klausuren und vieles mehr

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Deutsch

Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 264 / 2017

Grammatische Zweifelsfälle

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-10