Kristin Börjesson

Adverbial oder Objekt?

Das Verb schenken benötigt prinzipielldrei Ergänzungen. In dem Satz Das Mädchen schenkt einen selbst gepflückten Blumenstrauß werden aber nur zweider drei Leerstellen gefüllt.
Das Verb schenken benötigt prinzipielldrei Ergänzungen. In dem Satz Das Mädchen schenkt einen selbst gepflückten Blumenstrauß werden aber nur zweider drei Leerstellen gefüllt., © justesfir/stock.adobe.com

Kristin Börjesson

Eine Form, verschiedene Funktionen

Ob eine Präpositionalphrase in einem Satz die Funktion eines Präpositionalobjekts oder einer adverbialen Bestimmung innehat, hängt von den valenzgrammatischen Eigenschaften des verwendeten Verbs ab. Die Beschäftigung mit diesen Eigenschaften eignet sich daherbesonders gut, um Lernenden die Unterscheidung dieser Funktionen zu ermöglichen.

Thema des Unterrichtsmodells ist die Unterscheidung von Präpositionalobjekten, die immer in Form von Präpositionalphrasen (PPn) auftreten (vgl. 1), und solchen adverbialen Bestimmungen, die ebenfalls in Form von PPn auftreten (vgl.2).
Formal betrachtet handelt es sich um dieselbe Art von Wortgruppe, die aber in verschiedenen Sätzen andere Funktionen haben kann. Diese Funktionen lassen sich am plausibelsten valenzgrammatisch beschreiben (siehe Kasten). So sind Präpositionalobjekte Aktanten in der vom entsprechenden Verb ausgedrückten Situation (vgl. 3). PP-förmige Adverbiale beschreiben hingegen die näheren Umstände der durch ein beliebiges Verb ausgedrückten Situation (vgl. 4).1
Verben, die ein Präpositionalobjekt als Ergänzung verlangen, legen die entsprechende Präposition in ihrem Valenzrahmen schon fest (warten auf, denken an, stehen zu). Dabei sind diese Präpositionen häufig „semantisch entleert, d.h., sie liegen nicht in ihrer ursprünglichen Bedeutung vor. Daher können sie auch nicht einfach durch andere Präpositionen ersetzt werden, ohne dass sich die spezifische Lesart des Verbs im Satz ändert und/oder die Funktion der PP (vgl. 5 und 6).
Derartige Verben unterscheiden sich von solchen, die Ergänzungen verlangen, die die näheren Umstände der durch das entsprechende Verb ausgedrückten Situation beschreiben. Eine solche Ergänzung kann dann u.a. auch in Form einer PP realisiert werden, ohne dass dabei durch das Verb genau festgelegt ist, welche Präposition Kern der Phrase sein soll (vgl. 7).
Außerdem können PP-förmige Adverbiale natürlich auch als Angaben zu beliebigen Verben hinzutreten (vgl. 8), also auch zu solchen, die Präpositionalobjekte als Ergänzungen verlangen (vgl. 9).
Bislang werden die rollensemantischen Unterschiede von Präpositionalobjekten und PP-förmigen Adverbialen im Unterricht kaum thematisiert. Oft wird nur darauf verwiesen, dass man nach Präpositionalobjekten anders fragt als nach PP-förmigen Adverbialen. Neben der oft nicht zuverlässigen Frageprobe kann durch das Ersetzen der vorhandenen Präposition durch andere geprüft werden, ob sich dadurch die semantische Rolle des entsprechenden Satzgliedes ändert bzw. die spezifische Lesart des Verbs verloren geht (vgl. 5 und 6) beides Indizien dafür, dass es sich bei der entsprechenden PP um ein Präpositionalobjekt handelt. Außerdem kann man die Ersatzprobe auch generell bei den vollständigen PP-förmigen Satzgliedern einsetzen, um deutlicher herauszustellen, ob es sich bei den ersetzten Einheiten um Umstandsbeschreibungen (ersetzbar durch Adverbien, vgl. 10) oder um Aktanten handelt. Im letzteren Fall lassen sich die entsprechenden Satzglieder nicht ganz durch Adverbien ersetzen, ohne dass sich die spezifische Lesart des Verbs ändert. Damit die entsprechende Lesart erhalten bleibt, kann nur die Wortgruppe rechts von der Präposition durch ein Pronomen ersetzt werden. Die jeweilige Präposition selbst muss beibehalten werden (vgl. 11).
Intentionen
Durch die Arbeit an Verben mit verschiedenen Lesarten und an verschieden stark „semantisch gefüllten Präpositionen wird den Lernenden die Mehrdeutigkeit sprachlicher Ausdrücke bewusst. Auch die Tatsache, dass die Situation, die mit einem Satz beschrieben wird, schon mit der Veränderung nur eines Wortes im Satz drastisch verändert werden kann, wird deutlich.
Die Lernenden sollen dazu befähigt werden, Präpositionalobjekte und PP-förmige Adverbiale in zweifelsfreien Fällen sicher zu bestimmen. Bei der funktionalen Charakterisierung der Satzglieder sollen deren semantische...

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 282 / 2020

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Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-10
  • Thema: Grammatik
  • Autor/in: Kristin Börjesson