Maria Kasparek

Vorhang auf – press play:Digitales Theater

© Lago Film, Studiocanal GmbH / Rainer Bajo

Maria Kasparek

Wolfgang Herrndorfs Tschick als digitale Geschichte

Mit der App Tellagami setzen Schülerinnen und Schüler ihre Interpretation des Jugendromans in digitale Szenen um.

Szenisches Interpretieren gehört unlängst zum Standardprogramm des Deutschunterrichts. Aber warum nicht zur Abwechslung auch mal digitales szenisches Interpretieren ausprobieren? Anhand des mehrfach preisgekrönten Jugendbuchs Tschick von Wolfgang Herrndorf werden exemplarische Möglichkeiten eines medienaktiven Literaturunterrichts verdeutlicht und die Textverstehenskompetenz der Schüler ausgebaut. Die konzipierten Materialien richten sich an Schülerinnen und Schüler ab der achten Klassenstufe. Für das Unterrichtsmodell wird mit dem E-Book gearbeitet, da für die App-Nutzung eine digitale Textgrundlage vorhanden sein sollte. Alternativ müssten alle später ausgewählten Textpassagen mit dem Tablet oder Computer abgeschrieben und als PDF gespeichert werden. Die vorliegende Unterrichtsskizze ist für die Arbeit mit iOS (Apple) konzipiert, kann jedoch auch für andere mobile Betriebssysteme als Beispiel gelten.
Zum Roman und Film
Zum Roman und Film
„Mein Großvater wohnt irgendwo am Arsch der Welt in einem Land, das Walachei heißt. Und da fahren wir morgen hin. Und eine aufregende, abenteuerliche und zugleich skurrile Reise durch die ostdeutsche Provinz und zu sich selbst nimmt ihren Lauf. In seinem 2010 veröffentlichten Roman erzählt Wolfgang Herrndorf die Erlebnisse zweier Vierzehnjähriger, welche als Außenseiter der Klasse endlich „etwas Cooles unternehmen. Der „Russe und der „Psycho sind gemeinsam unterwegs ohne Orientierung und Handys, lediglich ausgestattet mit ein paar Tiefkühlpizzen und Schlafsäcken. Dabei erinnert der Plot durchaus an bekannte literarische Abenteuerfiguren wie Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Die Handlung spielt in den Sommerferien und wird aus der Perspektive des Protagonisten Maik Klingenberg erzählt. Während seine Mutter mal wieder in der „Beautyfarm ihre Alkoholsucht in den Griff bekommen muss und sein Vater mit seiner Sekretärin auf „Geschäftsreise ist, versucht sich Maik von seiner großen Liebe, der Klassenkameradin Tatjana, abzulenken. Da kommt „der Neue namens Tschick, mit vollem Namen Andrej Tschichatschow, mit einem geklauten Lada gerade richtig
Im September 2016 erschien die filmische Adaption des Werkes unter der Regie von Fatih Akin (Gegen die Wand, Soul Kitchen) in den deutschen Kinos. Diese kann als eine andere Art der visuellen Inszenierung nach dem vorgeschlagenen Unterrichtsablauf gemeinsam als Reflexionsgrundlage geschaut werden. Die didaktische Intention des vorliegenden Artikels verfolgt jedoch keine filmdidaktische Aufbereitung. Vielmehr liegt der Fokus auf einer digitalen Inszenierung mittels Avataren. Es ist jedoch gut denkbar, im Anschluss mediale Vergleiche und tiefergehende filmische Betrachtungen zu vollziehen.
Digital storytelling (digitales Geschichtenerzählen) ist eine Form des Erzählens, bei der zusätzlich zum mündlich vorgetragenen Text verschiedene multimediale Elemente wie Bild, Ton und Video eingesetzt werden (vgl. Kuhn 2011). Dieses mediengestützte Erzählen kann auf Grundlage eines bestehenden Werkes oder ohne literarische Grundlage vollzogen werden. Die folgende didaktische Aufbereitung schlägt die Produktion einer medialen Adaption des Erfolgsromans Tschick als digital story vor. Die Lektüreauswahl kann hierbei als exemplarisch betrachtet werden, um die generelle didaktische Tauglichkeit der gewählten Apps für eine Förderung des Textverstehens aufzuzeigen. Nichtsdestotrotz eignet sich Herrndorfs Coming-of-Age-Werk in besonderer Weise für eine digitale szenische Interpretation. So werden viele Gedanken und Gefühle der Figuren zunächst nur angedeutet und das Werk weist die spezifische Besonderheit des Roadmovies auf. Um das skizzierte Unterrichtsvorhaben durchführen zu können, sollten die Schülerinnen und Schüler bereits eine Handlungs- und...

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 265 / 2017

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Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 8-13