Dorothee Meer | Anastasia Och

Von Bravo zu Instagram:

Dorothee Meer | Anastasia Och

Sprache-Bild-Texte und (osmotische) Werbung in Jugendzeitschriften und sozialen Netzwerken untersuchen

Werbende Elemente sind in sozialen Netzwerken allgegenwärtig. Sie sind jedoch nicht auf herkömmliche Formen der Werbung (Printanzeigen, Werbespots oder Bannerwerbung) beschränkt. Vielmehr werden eine Vielzahl von Produkthinweisen in Textsorten integriert, in denen es vorrangig um nicht werbende Aspekte geht. Anders als traditionelle Werbeformate können diese integrierten osmotischen Formen der Werbung nicht umgeblättert (Print), weggeschaltet (TV) und weggeklickt (Hypermedien) werden. Wenn wir uns ihnen entziehen wollten, müssten wir die sozialen Netzwerke insgesamt meiden. Da dies in hohem Maße unrealistisch ist, besteht ein erstes didaktisches Ziel der vorliegenden Unterrichtseinheit darin, Schüler darin zu unterstützen, Phänomene osmotischer Werbung zu bemerken und ihre Funktionsweise zu verstehen. Nur durch einen solchen analytischen Zugang stehen ihnen Entscheidungsmöglichkeiten offen, wie sie mit den angesprochenen integrierten Werbeelementen umgehen wollen.
Um sich sinnvoll mit Formen der osmotischen Werbung in sozialen Netzwerken auseinandersetzen zu können, reicht die traditionelle Begrenzung des Blicks auf sprachliche Elemente und Besonderheiten von Texten nicht aus. Sie verfehlt die zentrale Bedeutung von bildlichen Elementen in diesem medialen Zusammenhang. Aus diesem Grund geht es im Rahmen dieser Unterrichtseinheit zusätzlich darum, die Schüler mit einem erweiterten Textbegriff vertraut zu machen, der sprachliche und bildliche Elemente berücksichtigt. Da sowohl die Beschäftigung mit sozialen Netzwerken als auch das Thema „Werbung Gegenstand der Kernlehrpläne für die Klassen 8 und 9 sind, lassen sich beide Themen gut unter dem Aspekt der Sprache-Bild-Texte kombinieren.
Konkret wird es darum gehen, das Konzept von Sprache-Bild-Texten zunächst ausgehend von einer traditionellen Printanzeige einzuführen (vgl. Meer/Pick 2019: 65-74). Dazu wird in einem ersten Schritt das Verständnis von „Text durch Material aus dem Bereich von Jugendzeitschriften vertieft. In einem zweiten Schritt werden die gewonnenen Erkenntnisse auf Instagram-Posts übertragen. In beiden medialen Zusammenhängen sind Formen der osmotischen Werbung von Bedeutung. Innerhalb dieses Rahmens entwickeln die Schüler Kompetenzen auf mehreren Ebenen: Sie erweitern ihr Textverständnis auf den Bereich der Sprache-Bild-Texte und sammeln erste Erfahrungen mit der systematischen Analyse solcher Texte. Sie lernen, werbende Elemente als solche zu erkennen, auch wenn diese nicht im Vordergrund eines Textes stehen. Sie erkennen im Zuge der Analyse von medialen Texten ihrer eigenen Lebenswelt die unbemerkt integrierte Wirkung von osmotischer Werbung. Damit werden sie in die Lage versetzt, über die Relevanz und den Einfluss von Werbung auf ihr eigenes Leben nachzudenken und ihre Überlegungen mit anderen zu diskutieren.
Sprache-Bild-Texte kennenlernen
Als Einstieg dient (exemplarisch) die Printanzeige der Firma Deichmann mit der Sängerin Rita Ora als Catch-Visual (Infokasten) aus der Jugendzeitschrift „Hey (2019; Heft Nr. 10).
Catch-Visual
Catch-Visual
Unter einem Catch-Visual versteht Nina Janich in einer Printanzeige die Bildumgebung, in die das beworbene Produkt eingebettet ist (vgl. Janich 2013: 77). Sie weist darauf hin, dass ohne diese Bildumgebung das zu bewerbende Produkt in der Regel sehr wenig anziehend wirken würde. Diese Annahme ist für die vorliegende Printanzeige unmittelbar nachvollziehbar, wenn man sich vorstellt, dass der abgebildete Schuh ohne weitere „Umgebung alleine zu sehen wäre.
Projizieren Sie die Printanzeige (Downloadbereich) per Folie oder Dokumentenkamera und blenden Sie zunächst die sprachlichen Aspekte aus. In einem zweiten Schritt sehen die Schülerinnen und Schüler nur die sprachlichen Aspekte. Auf...

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Fakten zum Artikel
aus: Deutsch 5-10 Nr. 63 / 2020

Digitale Medien

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 8-9