Cara Liebig

Paris n’est pas une île déserte

Abbildung eines Koffers
Zwischen zwei Kulturen: Kofferinhalt als Annäherung an die Persönlichkeit des Reisenden, Foto: Svetlana67–/.adobe.stock.com

Cara Liebig

Ein autobiografischer Comic als Ausdruck einer mehrsprachigen Identität

Von Beirut nach Paris: Durch die BD von Zeina Abirached lernen Schülerinnen und Schüler eine junge Frau kennen, die zwischen zwei Kulturen lebt und den konstitutiven Elementen ihrer eigenen Identität auf den Grund geht.

Sinnvoll für das Verständnis und die Arbeit mit einer autobiografischen BD wie Paris nest pas une île déserte ist die Beschäftigung mit besonderen Gattungsmerkmalen. So spricht Christian Heuer von „lebensgeschichtlichem Erzählen, das sich durch die Verarbeitung von subjektiv bedeutsamen Lebensphasen hier das Verlassen der Heimat charakterisiert. Die Autorin Zeina Abirached (s. Kasten1) trifft eine Auswahl, durch welche die eigene Biografie eine künstlerische Neuordnung erfährt.
Zeina Abirached: Paris nest pas une île déserte
Zeina Abirached: Paris nest pas une île déserte
Zeina Abirached , 1981 in Beirut geboren, verlässt mit 23 Jahren ihre Heimat, um in Paris als Comiczeichnerin zu arbeiten. Ihre erste Veröffentlichung Mourir, partir, revenir. Le jeu des hirondelles (2007) thematisiert den Schrecken des libanesischen Bürgerkriegs. Ihre Geschichten sind durchweg biografisch geprägt. In Paris nest pas une île déserte (2013) erzählt sie eine Phase des persönlichen Umbruchs: die eigene Immigration von Beirut nach Paris, aus dem Libanon nach Frankreich. Diese 31 planches entstanden im Rahmen einer Ausstellung über die franko-libanesischen Beziehungen auf Anfrage der Archives Départementales des Bouches-du-Rhône und sind in dieser Zusammenstellung auf der Seite des Musée national de lhistoire de limmigration frei zugänglich. Thematisch illustriert die Künstlerin das Verlassen der Heimat sowie Erinnerungen, stellt die Frage nach ihrer Identität und thematisiert kulturelle und sprachliche Unterschiede zwischen den Ländern. Ein Großteil der planches taucht reorganisiert in der BD Le piano oriental (2015) wieder auf. Stilistisch ist zu bemerken, dass sie einen minimalistischen und kontrastreichen Schwarz-Weiß-Stil zur Unterstreichung der Symbolhaftigkeit ihres Erzählens wählt.
Heuer erkennt dabei eine Ausformung und ästhetische Modellierung des eigenen Selbst, die über verschiedene Techniken erreicht werden. So konstruiert die Autorin durch die Auswahl von Schlüsselszenen (z.B. der Weg zum Flughafen zu Beginn und am Ende der BD als Rahmenelement) und deren nachträgliche Bewertung einen strukturellen Sinnzusammenhang. Zudem ist in der Erzählung eine Verschränkung von Zeitebenen zu erkennen, die sich auf der Ebene der planche in den rückblickenden Passagen des récitatifs (erzählendes Ich) und im Kontrast dazu in den direkt erlebten Szenen der Bilder (erzähltes Ich) widerspiegeln. Zu erkennen ist dies etwa an den Darstellungen der planche 15, wo Zeina im récitatif die Unübersetzbarkeit des arabischen Begriffs naîman reflektiert. Sie analysiert in den Textpassagen die Bedeutung und Nuancen des Begriffs. Zusätzlich illustriert sie die verschiedenen Situationen, in denen sie diesen in der Vergangenheit verwendet hat, mit Bildern und Sprechblasen. So ergibt sich eine doppelte Erzählstruktur von Text und Bild, wobei das erzählende Ich im Text reflektiert und dabei eine kritische Distanz einnimmt und das erlebende Ich in den Bildern den Leser die Szene mitfühlen lässt. Um die Authentizität des Erzählten zu unterstreichen, können grundsätzlich verschiedene Strategien der Beglaubigung eingesetzt werden im vorliegenden Fall wird etwa in der planche 20 ein schwarz-weißes Foto des Großvaters eingefügt.
Zwischen Beirut und Paris
Die vorliegende Unterrichtseinheit (s. Kasten2) lässt sich in das Themengebiet Partager entre deux cultures einordnen. Eine Annäherung an die Autorin bietet sich über das Bild des gepackten Koffers (planche 3) an. Als vorbereitende Hausaufgabe schicken die Schülerinnen und Schüler der Lehrkraft ein Foto von einer vorgegebenen Anzahl von Objekten, die sie auf eine...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Französisch Nr. 151 / 2018

Text- und Medienkompetenz fördern mit BD

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 11-13