Christian Ernst

Kritik in sozialen Medien

Christian Ernst

Ein Unterrichtsmodell zu politischer Kommunikationin der digitalen Medienwelt

Die Lerngruppe untersucht, nach welchen Mustern Online-Diskussionen verlaufen, und erkennt Möglichkeiten, sich kritisch-konstruktiv daran zu beteiligen.

Soziale Medien (oder engl. social media) kennzeichnen die digitale Medienwelt, in der sich Lernende selbstverständlich bewegen. In vielen Fällen sind sie die Experten, die ihren Lehrkräften erklären können, was es mit bestimmten Apps auf sich hat oder was eine Story von einem einfachen Post unterscheidet.
Doch das medienkundliche Hintergrundwissen, das notwendig ist, um digitale Formate reflektiert nutzen zu können, kann nicht nur informell ausgebildet werden. Soziale Medien sollten im Deutschunterricht daher nicht nur als Gegenstand von Medienkritik, sondern auch als Medium für Kritik begriffen werden.
Soziale Medien und digitale Lebenswelten
Soziale Medien bezeichnen digital vernetzte Medien, mit denen Nutzer*innen Beziehungen pflegen und knüpfen sowie Inhalte anderen zugänglich machen und von anderen rezipieren können. Sie verändern Strukturen von Öffentlichkeit, denn sie „brechen die Dominanz des Modus ‚Massenkommunikation und seiner institutionalisierten Formen (Taddicken/Schmidt 2017, S. 5). Soziale Medien müssen daher nicht nur in Bezug auf „Präsentation und Vermarktung der eigenen Person (Böhnert/Lemke 2018, S. 43) reflektiert werden, sondern auch in Hinblick auf öffentliche Meinungsbildung und Partizipation am gesellschaftlichen Diskurs. Jugendliche nutzen soziale Medien nämlich nicht nur zur Unterhaltung und Kommunikation, sondern auch, um sich zu informieren, ihre Meinung zu äußern und Kritik zu üben. Ihre Begegnung mit Tagesgeschehen und Politik vollzieht sich heute in neuen Formen von Öffentlichkeit: Im Unterschied zu konventionellen Medien sind die Inhalte sozialer Medien zumeist nicht redaktionell, sondern nutzergeneriert und unterliegen besonderen Mechanismen der Produktion und Verbreitung. Zugleich werden sie von Politiker*innen, Parteien, Organisationen und Lobbygruppen zunehmend professionell eingesetzt und mit konventionellen Medienangeboten verschränkt (vgl. Emmer 2017).
Soziale Medien und politische Kommunikation
Online-Dienste wie Instagram, Facebook, YouTube und Twitter werden verstärkt zu Medien der Information und Meinungsbildung, mitunter auch der politischen Manipulation (vgl. Ullmann/Hahn 2018). Botschaften werden informell und in Medienverbünden inszeniert und vermittelt, die sich durch neue nicht lineare, multimodale, hypertextuelle und dynamische Textformen auszeichnen (vgl. Storrer 2013). Kombinationen von Text, Bild und Ton ermöglichen, Aussagen mit Emotionen zu verbinden. Reaktionen durch Zustimmung, Ablehnung, Kommentierung oder Weiterleitung an vertraute Kontakte erhöhen die Resonanz und Überzeugungskraft. Dieser Effekt wird bewusst genutzt und durch Algorithmen unterstützt: Dadurch, dass Nutzer*innen sozialer Medien in Netzwerken kommunizieren, können sie sich in ihren eigenen Deutungsmustern bestätigt finden, wobei der soge-nannte ‚Echokammern-Effekt vom Nutzungsverhalten abhängt (Emmer 2017, S. 94). Digitale Kommunikationsstrategien zielen durch spezifische persuasive und technische Mittel auf Reichweite. Sie nutzen verschiedene Kanäle, um bestimmte Zielgruppen zu erreichen, und funktionieren im Zusammenspiel sozialer Netzwerke und konventioneller Medien, um im Optimalfall eine sich selbst potenzierende Verbreitung Viralität zu erzielen. Doch nicht nur professionellen Organisationen gelingt dies, auch Jugendliche können zu Influencern (vgl. Gebel/Brüggen 2017) werden und Einfluss auf Meinungsbildung ausüben (das Video Die Zerstörung der CDU des YouTubers Rezo ist hierfür ein prominentes Beispiel) oder soziale Bewegungen durch digitale Kommunikation organisieren (wie aktuell Fridays for Future; vgl. auch den Beitrag von Bärbel Reidelshöfer in diesem Heft).
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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 279 / 2020

Kritik üben

Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-13