Filme im Unterricht

Was ist erlaubt?

Darf ich im Unterricht eine privat erworbene DVD zeigen? Verstoße ich damit gegen das Urheberrecht? Matthis Kepser, Literatur- und Filmdidaktiker, erläutert die aktuelle Rechtsauffassung.

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Filme im Unterricht: Was ist erlaubt?

Seit 1. März 2018 ist das neue „Gesetz zur Angleichung des Urheberrechts an die Erfordernisse der Wissensgesellschaft“ (Urheberrechts-Wissenschafts-Gesetz – UrhWissG) in Kraft. Die Filmwirtschaft hat das zum Anlass genommen, ihre „Interpretation“ des Gesetzes über Flyer in den Fachzeitschriften und eine eigene Homepage zu verbreiten. Vermittelt wird hier der Eindruck, mit dem neuen Gesetz sei nun klar geregelt, dass ganze Filme nur unter besonderen Umständen in Schulklassen und Seminaren gezeigt werden dürften. Dafür werden den Lehrerinnen und Lehrern „7 gute Wege“ aufgezeigt, „um Filme im Unterricht zu nutzen.“ Der Weg, einen auf legalem Wege privat erworbenen Film in Gänze für Unterrichtszwecke zu nutzen, scheint auf den ersten Blick nicht dazuzugehören. In der Tat ist § 60a (1) des Gesetzes diesbezüglich interpretationsbedürftig formuliert: „Zur Veranschaulichung des Unterrichts und der Lehre an Bildungseinrichtungen dürfen zu nicht kommerziellen Zwecken bis zu 15 Prozent eines veröffentlichten Werkes vervielfältigt, verbreitet, öffentlich zugänglich gemacht und in sonstiger Weise öffentlich wiedergegeben werden.“ Einen ganzen Film „öffentlich wiederzugeben“ ist also verboten.

Wann ist eine Aufführung öffentlich?

Unklar ist aber, wie bereits vor der Gesetzesnovelle, ob das Vorführen eines Filmes im Klassen- oder Seminarraum öffentlich ist. Hierzu heißt es auf den Seiten der FWU (Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht): „Eine höchstrichterliche Rechtsprechung zur Frage der Öffentlichkeit im Klassenverband gibt es in Deutschland noch nicht. […] Nach herrschender Meinung in der juristischen Kommentarliteratur wird die Nutzung innerhalb des engen Klassenverbandes im Schulunterricht als nicht öffentlich angesehen. Somit sollen beispielsweise DVDs, die privat im Handel erworben wurden, im eigentlichen Schulunterricht innerhalb des engen Klassenverbandes verwendet werden können. Diese Rechtsauffassung vertreten auch die meisten Kultusministerien bzw. Schulverwaltungen sowie der Bundesverband der kommunalen Spitzenverbände, wobei teilweise auf die existierenden unterschiedlichen Rechtsauffassungen explizit hingewiesen wird.“
An dieser Rechtslage hat sich auch nach Inkrafttreten des UrhWissG  nichts geändert, denn die oben erwähnte höchstrichterliche Entscheidung steht nach wie vor aus. Das wird auch von der Redaktion der Online-Plattform urheberrecht.de in einer Kommentierung des neuen Gesetztes so gesehen: „Solange noch keine eindeutige Rechtsprechung vorliegt, sollten Lehrer auf schulweite oder öffentliche Filmvorführungen verzichten und Aufführungen nur im festen Klassenverband organisieren.“

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Fazit

Insofern bleibt also bezüglich des Zeigens von Filmen im Klassenzimmer oder in Uniseminaren nach wie vor alles beim Alten: Man befindet sich damit in einer nicht ganz eindeutig geklärten Rechtsituation, muss aber wohl mit keinen negativen Konsequenzen rechnen. Die in den letzten Jahren so mühsam erreichten Fortschritte in der schulischen Filmbildung dürfen durch diese äußerst fragwürdige Kampagne nicht gefährdet werden: Lehrkräfte sollen auch weiterhin Filme in längeren Ausschnitten oder ganzer Länge verwenden, wenn dies aus didaktischen Gründen angezeigt ist.

Zum Autor:
Matthis Kepser ist Professor für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur mit dem Schwerpunkt Neue Medien in Bremen. Er beschäftigt sich u.a. mit dem Medium Film im Deutschunterricht. Er ist 1. Vorsitzender der AG Medien im Symposion Deutschdidaktik.

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