Andrea Schomburg

Einmal Rezitator sein

Die Ballade Nis Randers – illustriert von Tobias Krejtschi
Die Ballade Nis Randers – illustriert von Tobias Krejtschi, Illustration: Tobias Krejtschi © Kindermann Verlag, 2015

Andrea Schomburg

Vom Zuhören zum szenischen Vortrag

Gedichte wie auch ihr Vortrag sind in den Curricula aller Bundesländer ein wichtiger Einstieg in die Begegnung mit künstlerisch gestalteter Sprache. Balladen sind in den meisten Curricula in Klasse 7 vorgesehen. Das vorliegende Unterrichtsmodell zielt weder auf Interpretation noch auf Analyse der Gestaltungsmittel ab, sondern auf ein eher intuitives Erfassen der dramatischen Gedichthandlung über den auditiven Eindruck. Daher eignet es sich bereits für den Einsatz gegen Ende der sechsten Klasse.
Die spannende Handlung der Gattung Ballade lädt zum genauen Zuhören nicht nur ein, sondern fesselt die Aufmerksamkeit geradezu zwingend durch die implizit beständig sich stellende Frage: Wie gehts denn nun weiter? Wie gehts aus? Bereits in relativ jungem Alter können die Schüler so für die Tatsache sensibilisiert werden, dass Dichtung so spannend sein kann, dass man einfach zuhören muss. Für weitere Beschäftigung mit Lyrik in höheren Klassen wird auf diese Weise ein wichtiger Grundstein gelegt. Ein weiteres Argument könnte lauten, dass die Aufwärmübungen und der szenische Vortrag in Klasse 6 weniger risikohaft eingesetzt werden können als in Klasse 7, wo erfahrungsgemäß ein erhöhtes Gefühl für „Peinlichkeit und „sich genieren zu erwarten ist.
Der Schwerpunkt dieses Unterrichtsmodells liegt zunächst auf dem genauen Zuhören. Diese Fähigkeiten sind auch im Alltag von eminenter Wichtigkeit (Deutsch 510 46 (2016) zum Thema „Zuhören). Gar nicht oft genug kann darauf hingewiesen werden, dass „der Ton die Musik macht, d.h. dass eine akustische Aussage nicht nur inhaltliche Informationen trägt, sondern auch und ganz besonders emotionalen Gehalt vermittelt.
  • Die Sensibilisierung für diesen Sachverhalt erfolgt einerseits in Aufwärmübungen, die durch ihren lebendigen Charakter einen hohen Motivationsgehalt aufweisen, andererseits durch das rein auditive Erfassen von spannenden Balladenhandlungen, deren Dramatik durch die Stimme des professionellen Sprechers ausgedrückt wird.
  • Kontrastiv hierzu wird in spielerischer Form ein bewusst „schlechter Vortrag inszeniert, der nicht zum Zuhören einlädt. Auf dem Weg über das Zuhören und das „Sich-Berühren-Lassen von gutem Vortrag können die Schüler nun den Schritt zum eigenen Vortrag vollziehen.
  • Kriterien für einen guten Vortrag können auf der Basis der gewonnenen Kenntnisse und Erkenntnisse entwickelt und in einem eigenen Vortrag umgesetzt werden.
Was hören wir im Alltag?
Sprechen Sie zunächst mit den Schülern über die Wichtigkeit des Hörens und sammeln Sie in einem ersten Schritt Ideen, was man alles hören kann. Ein Tafelanschrieb erfolgt hier nicht. Sammeln Sie z.B. in einer „Blitzlicht-Runde Geräusche, die die Schüler heute Morgen schon gehört haben. Weisen Sie darauf hin, dass man den Gehörsinn aufgrund seiner Selbstverständlichkeit oft unterschätzt, jedoch oft allein aufgrund des Höreindrucks Situationen und Ereignisse entschlüsseln kann. Ankündigung: „Wir versuchen das jetzt mal.
Was verraten uns Geräusche?
Teilen Sie das AB 1 Geräusche raten aus und erklären Sie den Schülern, dass sie ein Ratespiel spielen: Sie hören mehrere Geräusche (jedes Geräusch immer nur einmal) und kreuzen an, welche der drei Möglichkeiten bzw. Situationen auf dem Arbeitsblatt (z.B. ein Unfall, eine Großstadt, ein Schneespaziergang) am besten zu dem Geräusch passt. Die Geräusche finden Sie unter www.hoerspielbox.de (s. Lösungsblatt ). Lassen Sie die Schüler immer vor dem Geräusch-abspielen die entsprechende Frage noch einmal kurz durchlesen. Spielen Sie nun die Geräuschclips vor. Danach gehen Sie kurz mit den Schülern die Ergebnisse durch. Lehreräußerung: „Ihr seht, dass ihr nicht nur einfach gehört habt, was vor sich geht, sondern euch manchmal sogar denken könnt, was die Leute in der Situation denken oder was sie für Gefühle haben. Das funktioniert allein übers Gehör!
Die Lerngruppe kann auch eigene...

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Fakten zum Artikel
aus: Deutsch 5-10 Nr. 57 / 2018

Hör-Texte im Literaturunterricht

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 6-7