Anne Frenzke-Shim

Digitale Medien im Deutschunterricht

Allein die Nutzung digitaler Medien vermittelt Schülerinnen und Schülern noch nicht die nötige Kompetenz im Umgang mit ihnen.
Allein die Nutzung digitaler Medien vermittelt Schülerinnen und Schülern noch nicht die nötige Kompetenz im Umgang mit ihnen., © Urupong/stock.adobe.com

Anne Frenzke-Shim

Teil eines jeden Schülers und einer jeden Schülerin scheint derzeit das Smartphone zu sein. Es ist nicht nur immer und überall dabei, sondern die Schüler wirken wie süchtig nach allem, was es ermöglicht. Aufgrund der Digitalisierung erhalten sie über das Gerät Zugang zu einer Fülle von vielgestaltigen und nicht immer zuverlässigen Angeboten, in der sie sich zurechtfinden müssen. Dass die Schüler eine solche Kompetenz nicht automatisch mit der Nutzung der Medien erwerben, wird bei der Betrachtung von z.B. Cybermobbing, dem Erfolg politischer Indoktrinierungsversuche über Socialbots oder auch von Präsentationen, die komplett Wikipedia entstammen, deutlich. Das zeigt sich auch am Ergebnis der internationalen Vergleichsstudie ICILS, die 2013 und 2018 die computer- und informationsbezogenen Kompetenzen von Schülern der 8. Klasse über alle Schulformen hinweg getestet hat. Demnach verfügt jeder dritte Schüler über „sehr rudimentäre und basale computer- und informationsbezogene Kompetenzen und kaum 2 Prozent erreichen die höchste Kompetenzstufe (Eickelmann/Labusch, 2019, S. 6).
Die Frage ist nun, wie Lehrkräfte ihre Schülerinnen und Schüler im Deutschunterricht bei der Aneignung der Kompetenzen, die für einen reflektierten und kritischen Umgang mit den digitalen Medien grundlegend sind, unterstützen können.
Hilfestellung dazu erhalten die Lehrkräfte zum einen durch den DigitalPakt Schule (seit Mai 2019), mit dem die nötigen technischen Geräte und deren Implementierung in den Schulalltag, aber auch Weiterqualifizierungsangebote für die Lehrkräfte finanziert werden sollen. Zum anderen ist mit dem Strategiepapier der KMK Bildung in der digitalen Welt (2017) ein Orientierungsrahmen entstanden, der fächerübergreifend digitalisierungsbezogene Kompetenzen formuliert, die im zweiten Teil des Beitrags kurz vorgestellt werden. Viele Bundesländer haben diesen Orientierungsrahmen in eigenen Medienkompetenzrahmen umgesetzt. Den Lehrkräften stehen mit diesen Modellierungen also Instrumente zur Verfügung, die ihnen helfen zu bestimmen, was genau sie fördern möchten. Der Großteil der Kompetenzen kann an die Bildungsstandards des Faches Deutsch angeschlossen werden. Das liegt auch daran, dass die Deutschdidaktik sich schon immer mit Medien und ihrer Nutzung beschäftigt hat. Der Zusammenhang zwischen dem Deutschunterricht und der Vermittlung von digitalisierungsbezogenen Kompetenzen wird im Folgenden, ausgehend von einer Bestimmung des Medienbegriffs, aufgeschlüsselt.
Medien: Begriffsbestimmung in der Deutschdidaktik
Die zentrale Funktion von Medien ist die Vermittlung von Informationen zwischen räumlich und/oder zeitlich voneinander getrennten Personen oder Dingen (Marx/Weidacher, 2014, S. 50). Medien dienen demnach der Kommunikation. Dies beinhaltet auch die Verbreitung, d.h. die Erweiterung des Rezipientenkreises, und die Speicherung für eine spätere Rezeption. Dabei geht es nicht um die technischen Endgeräte oder Technologien, wie Smartphone, Zeitungspapier oder Tafel. Vielmehr geht es um die Aufbereitung von Informationen als semiotische Kommunikationssysteme und in Form von Medienangeboten wie Büchern oder Internetseiten (vgl. Schmidt, 2003). Medien in diesem Sinne werden in der Deutschdidaktik häufig mit Rekurs auf Pross (z.B. Beth/Pross, 1976) näher definiert als primäre, sekundäre und tertiäre Medien: Ein primäres Medium ist die Sprache im Face-to-Face-Gespräch. Wird für die Produktion des Mediums technische Unterstützung nötig, wie bei einem schriftlich fixierten Text in einer Zeitung oder einer Tafel, spricht man von sekundären Medien. Zu den tertiären Medien gehören solche, für die wir sowohl bei der Produktion als auch bei der Rezeption ein technisches Gerät benötigen. Dazu gehören das Fernsehen oder Hörbücher ebenso wie die digitalen Medien. Damit verweist der Medienbegriff auf genuin deutschdidaktische Gegenstände: den mündlichen Sprachgebrauch, schriftlich fixierte Texte,...

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Fakten zum Artikel
aus: Deutsch 5-10 Nr. 63 / 2020

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Friedrich+ Kennzeichnung Fachwissen Schuljahr 5-10