Julia Knopf & Tilman von Brand

Deutsch per Smartphone

© Pressestelle der Universität des Saarlandes, Fotograf: Oliver Dietze

Julia Knopf & Tilman von Brand

Unterstützender Einsatz von mobilen Endgeräten im Deutschunterricht

Handys und Tablets bestimmen unseren Alltag und den Ihrer Schülerinnen und Schüler. Aber wann ist es sinnvoll, diese Geräte auch noch im Deutschunterricht einzusetzen? Der Basisartikel verdeutlicht, wie durch die Nutzung digitaler Endgeräte ein didaktischer Mehrwert erzielt werden kann und stellt Potenziale dar, die über die Möglichkeiten herkömmlicher Unterrichtsmedien hinausgehen.

So oder so ähnlich wie in den beiden Zitaten kann man es in vielen deutschen Schulordnungen lesen. Diese Regelung eines Gymnasiums in Süddeutschland steht exemplarisch für viele deutsche Schulen, die die Nutzung von Handys und Smartphones untersagen. Zwar bestimmen diese Geräte das Freizeitverhalten der Lernenden in starkem Maße (so besitzen z.B. 95% der 1219-Jährigen heute ein Smartphone, vgl. JIM-Studie 2016), das didaktische Potenzial für den Unterricht wird jedoch kaum genutzt. Dies dürfte mehrere Gründe haben: unzureichende technische Ausstattung der Schulen, Skepsis gegenüber neuester Technik, mangelnde Konzepte und Fortbildungen zum Einsatz digitaler Medien oder aber der Versuch, Lernende vor den Gefahren der Medialisierung und Digitalisierung zu schützen.
Für die Digitalisierung gilt, was bei anderen Innovationen, die Bestehendes verdrängen, ähnlich ist. Argumente von Befürwortern und Kritikern werden oftmals im Spannungsfeld von Rationalität und Emotionalität ausgetauscht: Kritiker befürchten die digitale Demenz, Befürworter sprechen vom digitalen Wandel. Denn Digitalisierung hat nachhaltige Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens, auch auf die Bildung: Durch Plattformen wie Wikipedia, YouTube oder Hausaufgaben.de wird die privilegierte Stellung der Schule als Vermittlerin von Wissen, Fertig- und Fähigkeiten radikal in Frage gestellt. Digitale Angebote drängen auf den Markt und ergänzen traditionelle. Und um diese Angebote im Unterricht einzusetzen, braucht es keine vollausgestatteten Computerräume mehr. Es genügen ein paar Smartphones oder Tablets.
Der Titel dieses Heftes „Deutsch per Smartphone ist bewusst provokant gehalten, klingt er doch, als könne oder solle man gar den Deutschunterricht so gestalten, dass er komplett per Smartphone oder Tablet abgewickelt werden kann. Das ist nicht unsere Absicht. Digitale Endgeräte wie Smartphones oder Tablets sind Werkzeuge, die in verschiedenen Situationen unterstützend eingesetzt werden können. Wir stellen in diesem Heft Wege und Perspektiven vor, wo ein Einsatz sinnvoll ist. Und das heißt, dass in einer Art gelernt wird, wie es ohne derartige Technik nicht, nur sehr eingeschränkt oder sehr viel aufwendiger möglich wäre. Das Lernen muss durch die eingesetzte Technik effektiver sein als ohne. Und das kann dann der Fall sein, wenn schneller, individueller, nachhaltiger, motivierter oder in Hinblick auf mögliche Lebensweltbezüge relevanter gelernt wird. Vor diesem Hintergrund ist es ebenfalls wichtig, für Grenzen und Gefahren zu sensibilisieren, wo den digitalen Endgeräten ein Selbstzweck zugesprochen oder unreflektiert Innovation per se als Verbesserung verstanden wird. Als Geräte liefern Smartphones und Tablets Funktionen, deren didaktischer Wert sich im Einzelfall bewähren muss. Die Beiträge in diesem Heft zeigen didaktische Möglichkeiten für eine sinnvolle Nutzung auf, weisen aber auch auf mögliche Schwierigkeiten hin.
Die Potenziale von Smartphones und Tablets
Smartphones und Tablets sind flache Computer, die die wichtigsten Funktionen in nur einem Gerät vereinen. Sie verfügen über einen berührungsempfindlichen Touchscreen. Die Text-Eingabe erfolgt über eine virtuelle Tastatur auf dem Bildschirm, welche die Nutzer entweder mit dem Finger oder mit einem speziellen Stift bedienen. Funktional können Smartphones und Tablets mit zusätzlichen Programmen (Apps) erweitert werden. Die Vorteile dieser Geräte für die Schule sind zahlreich:
  • Smartphones und...

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 265 / 2017

Deutsch per Smartphone

Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-13