Bernhard Sieve und Vivienne Kemmesies

Wie gelangt das Mikroplastik auf unseren Teller?

Mikroplastik, Trennverfahren, Chemieanfangsunterricht
Nach dem Absetzen lassen sich weiße und braune Mikroplastik-Partikel erkennen., © Foto: Bernhard Sieve

Bernhard Sieve und Vivienne Kemmesies

Ein kontextorientierter Zugang zum Thema Trennverfahren im Anfangsunterricht Chemie

Wir leben in einer Kunststoffwelt. Nach Schätzungen sind seit den 1960er-Jahren über acht Milliarden Tonnen an Kunststoffen produziert und verarbeitet worden [1]. Ein nicht unerheblicher Teil davon gelangt Jahr für Jahr in die Weltmeere, was seit einiger Zeit auch medial registriert wird. Beispiele sind Presseberichte über die Garbage Patches in den Weltmeeren oder Bilder von verendeten Tieren, deren Mägen größere Mengen an Kunststoffresten enthielten. Kunststoffpartikel mit einem Durchmesser von 5mm und kleiner, alltagssprachlich als Mikroplastik bezeichnet, waren und sind dabei besonders im Brennpunkt, nicht zuletzt im Oktober 2018 durch eine Pilotstudie aus Österreich, nach der Mikroplastikpartikel im menschlichen Stuhl nachgewiesen wurden. Bei aller Schwierigkeit verlässliche Zahlenangaben zu erhalten, zeigen die Presseberichte allesamt, dass Kunststoffreste, die ins Meer ge-langen, ganz gleich ob Makro- oder Mikroplastik, über Nahrungsketten wieder zu uns gelangen können. Allein schon daher besteht ein Handlungsbedarf, der sich nur in einer bewussten Nutzung von Kunststoffgegenständen äußern kann. Hierfür zu sensibilisieren, ist ein übergeordnetes Ziel der nachfolgend dargestellten Unterrichtssequenz. Diese Sequenz wurde in mehreren Klassen des Anfangsunterrichts Chemie erprobt und immer weiter ausgestaltet.
Verortung der Sequenz
Die vier Doppelstunden umfassende Sequenz (vgl. Tab.1 ) gliedert sich in den Themenbereich Trennverfahren des Chemie-Anfangsunterrichts ein. Lernvoraussetzungen sind eine Differenzierung des Stoffbegriffs in Reinstoffe und Gemische sowie Kenntnisse über die verschiedenen Gemischtypen, unterteilt nach homogenen und heterogenen Gemischen. Detailliertes Wissen über mögliche Trennverfahren sind nicht nötig, da diese nach der Sequenz im Sinne einer Dekontextualisierungsphase abgeleitet werden.
Doppelstunden 1 und 2: Was ist Mikroplastik und woher kommt es?
Der Einstieg erfolgt durch einen TV-Spot zur Studie, in der Mikroplastikpartikel im Stuhl nachgewiesen wurden (Material1). Ergänzende Informationen werden von der Lehrkraft vorgelesen und die Herkunftsländer der untersuchten Personen auf einer Weltkarte markiert. Ohne weiteren Kommentar wird eine Abbildung von Fleur de Sel gezeigt mit der Mitteilung über darin gefundene Kunststoffpartikel (Material2). Dies dient der zusätzlichen Fokussierung auf die mögliche Aufnahme von Kunststoffpartikeln über Lebensmittel. Zudem können die Lernenden dadurch vermuten, dass im Meer befindliche Kunststoffpartikel teilweise auf der Wasseroberfläche der konzentrierten Salzlösung schwimmen und sich beim Abziehen der Salzkruste im Salz sammeln. Übergeordnet können sie erkennen, dass der hohe Preis von Lebensmitteln nicht immer ein Garant für Schadstofffreiheit ist.
Es folgte die Sammlung offener Fragestellungen. In den Erprobungen wurde dabei der Bogen gespannt von Fragen wie „Was ist Mikroplastik? über „Wie kommt das Mikroplastik ins Meer? und „Woher kommt das Mikroplastik? bis hin zu Fragen wie „Schadet uns das Mikroplastik? oder „Wie viel Mikroplastik vertrage ich, bis ich davon krank werde? Es empfiehlt sich, die Fragestellungen per Foto zu sichern. Dies ermöglicht einen leichteren Rückgriff in den Folgestunden. Nach dieser Sammlung der themenbezogenen Fragen erfolgte eine erste Klärung, soweit dies mit dem Kenntnisstand der Lernenden möglich ist. In der Erprobung wurde beispielsweise diskutiert, warum die Personen aus unterschiedlichen Ländern kamen, indem man auf den Pilotcharakter der Studie Bezug nahm. Auf dieser Basis wurde von den Lernenden auch hinterfragt, ob denn so wenige Testpersonen für ein aussagekräftiges Ergebnis überhaupt ausreichen würden. In dieser ersten Ideensammlung zu den Fragestellungen zeigten die Lernenden eine besondere Heterogenität in Bezug auf die Vorkenntnisse zum Thema...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Chemie Nr. 179 / 2020

Mikroplastik

Zeitschrift "Unterricht Chemie" Premium-Beitrag Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 7-7