Martina Filusch

Steinsalzreinigung

Inklusion, Steinsalzreinigung
Tüten mit Material und Symbolen, © Martina Filusch

Martina Filusch

Inklusion im Experimentalunterricht

Im Zuge der Inklusion stehen viele allgemeinbildende Schulen vor der Herausforderung, für Lernende mit unterschiedlichen Lernausgangslagen zieldifferente Unterrichtsangebote bereitzustellen. Gerade in den Fächern, die an den Schulen im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung kaum Berücksichtigung finden, können Lehrpersonen auf wenig Erfahrung zurückgreifen. Gleichzeitig bieten gerade die didaktischen Ansätze für diesen sonderpädagogischen Fachbereich gewinnbringende Anhaltspunkte für Differenzierung, da die Schülerinnen und Schüler sehr heterogene Lernvoraussetzungen hinsichtlich verschiedener Entwicklungsbereiche aufweisen können. Im Folgenden wird am Unterrichtsgegenstand „Trennverfahren der Steinsalzreinigung aufgezeigt, welche Bedingungen zum Gelingen von Inklusion im Experimentalunterricht beitragen können. Die Unterrichtseinheit wurde an einer Schule mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung durchgeführt. Die Methoden lassen sich auf den inklusiven Unterricht übertragen
Das Thema Trennverfahren eignet sich gut, um Schülerversuche im Unterricht einzusetzen. Mit einfachen und bekannten Materialien können die Lernenden verschiedene Trennverfahren erforschen (Versuche 1 – 3).
Der Lebensweltbezug ist bei leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern besonders wichtig, da diese sich im Umgang mit bekannten Materialien kompetent erleben können und ihr Vorwissen aktiviert wird. Dies steigert die Motivation am Lerngegenstand.
Gelingensbedingungen für den Unterricht
Die folgenden, am Beispiel der beschriebenen Schülerversuche konkretisierten, Gelingensbedingungen sind als wichtige Unterrichtsprinzipien in der Geistigbehindertenpädagogik zu finden und lassen sich auf alle Unterrichtsfächer übertragen.
Strukturierung
Eine wichtige Gelingensbedingung für den Unterricht mit einer heterogenen Schülergruppe ist die Strukturierung. Das Schaffen von Strukturen in dem zeitlichen, räumlichen und inhaltlichen Ablauf des Unterrichts bietet den Schülerinnen und Schülern Sicherheit und Orientierung. Vor allem bei Lernenden mit einer geistigen Behinderung ist es wichtig, Unterstützungsmöglichkeiten bei der Organisation von Arbeitsplätzen, Arbeitsaufträgen und Materialien anzubieten. Das Organisieren des eigenen Lernens erfordert viel kognitive Arbeitsleistung, die für die Aneignung des Lerngegenstandes nicht mehr zur Verfügung steht. Daher ist es sinnvoll, eine Struktur vorzugeben. Bei der Aufbereitung der Schülerversuche werden die Materialien, die Durchführung und die Dokumentation stark vorstrukturiert (vgl. Abb.1 und 2 ). Für jede Schülerin/jeden Schüler wird eine Kiste mit den nötigen Materialien zusammengestellt, damit alle die Möglichkeit haben, selbstständig zu arbeiten. Die Arbeitsmaterialien werden mit verschiedenen Symbolen versehen, sodass sich die Schülerinnen und Schüler an diesen orientieren können. Zur Vereinfachung kann auf Maßangaben verzichtet und Salz, Sand, Sägespäne und Schrauben in kleinen Tüten in vorgegebener Menge in den Kisten verstaut werden.
Visualisierung von Arbeitsanleitungen
Die Durchführung der Versuche kann mit Hilfe von Heften mit Differenzierung in zwei Niveaus angeleitet werden. Der Inhalt der Anleitungen ist identisch, allerdings unterscheidet sich der Schwierigkeitsgrad bei der Informationsentnahme. Die anspruchsvolle Anleitung im Beispiel hat ein einheitliches Schriftbild (Abb.3 ) und einen geringeren Einsatz von Symbolen und Fotos. Das einfachere Niveau (Abb.4 ) zeichnet sich dadurch aus, dass der Text auf das Nötigste gekürzt ist und Schlüsselwörter hervorgehoben sind. Außerdem sind alle Aufträge vollständig durch Symbole und Fotos dargestellt. Dies ermöglicht auch Schülerinnen und Schülern, die die Schriftsprache nicht oder nur eingeschränkt beherrschen, Informationen zu entnehmen.
Um den Transfer vom konkreten Gegenstand zum Foto zu erleichtern, empfiehlt es sich, die tatsächlich benutzten Materialien...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Chemie Nr. 162 / 2017

Inklusion

Friedrich+ Kennzeichnung Praxis Schuljahr 5-7