Anna Kunz

Richtig formulieren

Versuchsprotokoll, Dokumentation
Beobachtungen während des Experimentierens werden im Protokoll festgehalten, © Michael/stock.adobe.com

Anna Kunz

Naturwissenschaftliches Schreiben und Feedback geben am Beispiel „Lösen eines Salzkristalls in Wasser

Protokolle und Fachsprache sind zwei wichtige Komponenten im Chemieunterricht. Sie begleiten die Schülerinnen und Schüler in ihrem Lernprozess. Sie sind Ausdruck ihres Verständnisses von chemischen Zusammenhängen und zeigen somit auch Fehlvorstellungen [1] auf.
Gerade die Schwierigkeit im Auswertungsteil von Protokollen sprachlich zwischen Beobachtung und Deutung unterscheiden zu können, stellt immer wieder eine Herausforderung dar abgesehen von der Verwendung der korrekten Fachbegriffe, die beim Gestalten eines Protokolls noch hinzukommt (s. hierzu Kasten1)
Sprachebenen
Sprachebenen
Neben dem korrekten Gebrauch der Fachsprache ist auch die Trennung der Sprachebenen entscheidend. So können durch Vermischen der Ebenen Fehlvorstellungen entwickelt werden. Ein Beispiel ist die Formulierung „... in Wasser ist Sauerstoff ...; hier kann „... in Wasser ist Sauerstoffgas ... oder „... in einem Wasser-Molekül sind Sauerstoff-Atome ... verstanden werden.
Bewährt hat sich hierbei das sogenannte „Johnstone-Dreieck [1], welches drei Erklärungsebenen aufzeigt: „macroscopic, „submacroscopic und „representational. Diese Ebenen sollten den Schülerinnen und Schülern zum besseren Verständnis als „Stoffebene, Teilchenebene und „Repräsentationsebene bzw. „Darstellungsebene vorgestellt werden.
Unter der Stoffebene versteht man alles, was man sehen, riechen, fühlen oder messen kann. Die Teilchenebene beschreibt all das, was man mit dem bloßen Auge nicht sehen kann. Hier ist es sinnvoll, sprachlich zu kennzeichnen, dass es sich um Teilchen (Atome, Moleküle etc.) handelt. In der Darstellungsebene werden diese Ebenen veranschaulicht über Wörter, Zeichnungen, Formeln oder Symbole.
. Mit dem Schreiben von Protokollen und dem bewussten Korrigieren dieser, kann das richtige Formulieren stetig und in Ruhe (im Vergleich zu einer Präsentation) geübt werden.
Der Versuch „Lösen eines Salzkristalls in Wasser
Wie der Versuch durchgeführt wird, kann nach Belieben entschieden werden. Die Schülerinnen und Schüler können beispielsweise in einem Reagenzglas einen Kristall lösen und dazu ein Arbeitsblatt mit einem Filmstreifen zum Lösen des Kristalls und zur Darstellung auf Teilchenebene ausfüllen (Arbeitsblatt1). Sie können alternativ über Chemie interaktiv [2] die Animationen beobachten und beschreiben. Ich bevorzuge das einfache Arbeitsblatt mit den Filmstreifen, um den Fokus sehr deutlich auf das Formulieren zu legen. Je nach Lerngruppe können die Ergebnisse vorgetragen oder im Plenum besprochen werden. Denkbar sind auch kooperative Methoden wie „think pair share.
Im Anschluss sind zwei verschiedene Verläufe vorstellbar: Bei VarianteA handelt es sich um eine offene Gestaltung, bei der die Schülerinnen und Schüler selbst Protokolle erstellen. Dabei formulieren sie mit Unterstützung durch Hilfen (Arbeitsblatt2), geben sich anschließend gegenseitig Feedback und korrigieren so die Protokolle. VarianteB stellt eine geführte Variante dar, bei der die Schülerinnen und Schüler einen fertigen fehlerhaften Auszug eines Protokolls (Arbeitsblatt3) korrigieren.
Verlauf A
Nach der Vorstellung des Versuchs und einer eventuellen kurzen Besprechung bzw. dem Sammeln der Beobachtungen und Deutungen (je nach Lerngruppe) sollen die Schülerinnen und Schüler ein Protokoll erstellen. Dazu werden Hilfen in Form von Wortgeländern und Kriterien in Form eines Feedbackbogens vorgegeben (Arbeitsblatt2). Die Wortgeländer können hierbei noch weiter differenziert werden, z.B. indem man gezielt noch Verben oder Adjektive einfügt. Arbeitsblatt2 zeigt ein Wortgeländer [3] mit geordneten (leichter) und ungeordneten Begriffen (schwieriger). Natürlich können die Wortgeländer auch komplett weggeklappt werden, sodass die Lernenden nur den Feedbackbogen vor sich liegen haben. Das Vorgehen über Schülerfeedback und die Methode ...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Chemie Nr. 180 / 2020

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