Petra Wlotzka

Kristalle züchten

Kristalle züchten, Impfkristall
Kristalle züchten, © Petra Wlotzka

Petra Wlotzka

Versuchsanleitungen gestalten für sprachlich heterogene Lerngruppen

Das Experiment ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Chemieunterrichts [1]. Für den Prozess der „Erkenntnisgewinnung sind insbesondere Schülerexperimente bedeutsam [2].
Damit Schülerexperimente erfolgreich in den Unterricht integriert werden können, ist es erforderlich, dass die Lerner an der Planung der Experimente beteiligt werden und nicht eine Versuchsvorschrift nur „kochbuchartig abarbeiten. Gleichwohl erfordert die konkrete Durchführung vieler Experimente ein Spezialwissen, über das die Schülerinnen und Schüler nicht verfügen, sodass in diesen Fällen die konkrete Handlungsanleitung von der Lehrkraft vorgegeben werden muss. Diese konkreten Vorgaben widersprechen jedoch nicht dem forschenden Lernen, wenn Schülerinnen und Schüler an der Entwicklung der entsprechenden Fragestellung, Hypothesenbildung, Versuchsplanung, Durchführung und Auswertung beteiligt sind [3].
Häufig sind die Versuchsanleitungen in der Chemie typischen Fachsprache verfasst. Für Schüler mit eingeschränkten sprachlichen Kompetenzen stellen sie eine große Hürde dar und erschweren die Umsetzung der Anweisungen. Um allen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit eines erfolgreichen Experimentierens zu geben, sollten Versuchsanleitungen auf sprachliche Barrieren hin analysiert und entsprechend vereinfacht bzw. durch Bilddarstellungen unterstützt werden.
In diesem Beitrag wird am Beispiel der Kristallzüchtung exemplarisch gezeigt, welche verschiedenen Optionen es gibt, komplexe Handlungsanweisungen für sprachheterogene Lerngruppen aufzubereiten. Ausgehend von einer Versuchsanleitung, wie sie häufig in Schulbüchern zu finden ist (MaterialA ), wurden in einem ersten Schritt zunächst die Arbeitsanweisungen sprachlich nach den Regeln für leichte Sprache vereinfacht (MaterialB ) [4]. Eine übersichtliche Gliederung der einzelnen Handlungsschritte, kurze Arbeitsanweisungen und der Verzicht auf zu detaillierte und zum Teil überflüssige Informationen hilft allen Schülerinnen und Schülern, ein Experiment erfolgreich durchzuführen. Um zu vermeiden, dass solche Versuchsanleitungen nur „kochbuchartig abgearbeitet werden und eine kognitive Beschäftigung mit dem Experiment sichergestellt wird, können verschiedene Methoden zum Einsatz kommen [5]. So kann den Lernenden z.B. eine Versuchsvorschrift ausgeteilt werden, bei der die Materialien nicht angegeben sind und erst aus dem Text entnommen werden müssen. Oder aber die einzelnen Handlungsanweisungen sind angegeben, müssen aber erst noch in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Sind die entsprechenden Versuchsanleitungen einmal erstellt, lassen sich die beschriebenen Abwandlungen problemlos und schnell realisieren.
Schülerinnen und Schüler, die die deutsche Sprache nicht oder nur in Ansätzen verstehen, wie z.B. Flüchtlingskinder, benötigen ein besonderes Unterstützungsmaterial, um gefahrlos Experimente durchführen zu können. Hier haben sich in der Praxis Fotografien von den Gerätschaften und den einzelnen Handlungsschritten oder kurze Videos zur Versuchsdurchführung als hilfreich erwiesen (MaterialC ). Grundsätzlich sind alle möglichen Kombinationen aus Texten und Bildern denkbar. Die Fotos können gleichzeitig zum Vokabeln lernen genutzt werden und dazu dienen, Fachbegriffe oder fachliche Redewendungen zu lernen (MaterialD ). Solche Handlungsanweisungen sind in der Herstellung jedoch sehr zeitaufwändig. Es lohnt sich an dieser Stelle, einen Blick in Arbeitsmaterialien für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf zu werfen. Das Lehrerbüro bietet z.B. für den Anfangsunterricht Chemie zahlreiche Experimentiervorschriften, die sich einfach durchführen lassen und bei denen alle Laborgeräte und viele Arbeitsschritte fotografisch dargestellt sind [6].
Literatur
[1] Pfeifer, P.; Häusler, K.; Lutz, B.: Konkrete Fachdidaktik Chemie. Oldenbourg-Verlag, München 1997, 292ff.
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Chemie Nr. 168 / 2018

Sprachsensibel unterrichten

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 5-7