Adrian Russek

Ein Kristalltagebuch erstellen

Versuchsprotokoll, Dokumentation, Stop-Motion-Video, Salze, Ionenbindung
© Helin Sezgin

Adrian Russek

Vergleich von analogen und digitalen Dokumentationsformen

Die Idee für ein digitales Kristallbuch entstand bei der Suche nach passenden Aufgaben für meinen Chemieunterricht, die im Rahmen des „Lernens auf Distanz im Zuge der Corona-Pandemie entwickelt werden sollten. Kriterien für die Erstellung von Aufgaben waren, dass sie möglichst experimentell gestaltet sein und einen Austausch der Ergebnisse unter den Lernenden ermöglichen sollten.
Das Thema, welches ich kurz vor Beginn der Schulschließung in meiner 8. Klasse unterrichtete, war „Salze und Ionenbindungen. In der Folgestunde hätten die Schülerinnen und Schüler Alaun-Kristalle züchten und ihre Ergebnisse mithilfe eines Kristalltagebuchs in ihrem Heft dokumentieren sollen. Da die Unterrichtsstunde nicht stattfinden konnte, wurde nach den oben aufgeführten Kriterien eine alternative Dokumentationsform gesucht. Da Alaun in Haushalten üblicherweise nicht verfügbar ist, wurde auf Kochsalz für das Experiment zurückgegriffen und den Schülerinnen und Schülern eine Anleitung für ein Heimexperiment (s. Arbeitsblatt1) via E-Mail geschickt [1]. Zur Dokumentation sollten die Schülerinnen und Schüler ein Kristalltagebuch erstellen, welches analog im Heft oder digital als StopMotion-Video erstellt werden sollte.
Bei Stop-Motion-Videos handelt es sich um digitale Daumenkinos. Dabei werden einzelne Bilder aneinandergereiht und in einer bestimmten zeitlichen Taktung nacheinander abgespielt. Die Bildabfolge lässt sich am Ende als Film exportieren. Stop-Motion-Videos eignen sich dafür, dynamische Prozesse zu visualisieren und dabei die entsprechenden Vorgänge zu diskutieren und zu reflektieren. Zur Diskussion der erstellten Lernprodukte wurde den Lernenden auf der schulinternen E-Learning-Plattform Moodle ein Forum zur Verfügung gestellt, in dem sie ihre Ergebnisse hochladen und gegenseitig kommentieren und bewerten konnten.
Erstellung des Kristalltagebuchs
Die meisten Schülerinnen und Schüler haben sich bei der Bearbeitung dieser Aufgabe für die Anfertigung eines analogen Kristalltagebuches entschieden und ihre Beobachtungen entweder mit Bildern (Abb.1 ) oder mit Bildern und Texten (Abb.2 ) dokumentiert. Neben Zeichnungen haben die Schülerinnen und Schüler vor allem auf Fotos zurückgegriffen und diese in ihr Chemieheft eingeklebt. Bei den Zeichnungen haben sich die Lernenden häufig auf die Visualisierung der Versuchsdurchführung konzentriert. Die Darstellung des Kristallwachstums ist bedingt durch die Größe der Kristalle durch gezeichnete Elemente schwierig umsetzbar. Ihre Beobachtungen haben die Schülerinnen und Schüler ausführlich beschrieben. Einige haben sogar ein eigenes Heft als Kristalltagebuch angefertigt und die Ergebnisse darin nach dem Aufbau eines klassischen Versuchsprotokolls dokumentiert. Viele haben sowohl die Geräte und Chemikalien fotografiert als auch die einzelnen Schritte der Versuchsdurchführung.
Vergleicht man die Ergebnisse aus dem analogen und dem digitalen Kristalltagebuch, so sind die Dokumentationen des Experiments beim analogen Kristalltagebuch oftmals sehr viel detaillierter. Neben dem Datum wird meistens auch eine neue Beobachtung bzw. eine Veränderung gegenüber dem Vortag beschrieben. Das digitale Kristalltagebuch zeigt den Prozess der Kristall-Entstehung sehr anschaulich, aber es werden nur selten formulierte Beobachtungen eingeblendet. Viele digitale Kristalltagebücher beinhalten nur wenige Angaben zur Versuchsdurchführung. Überwiegend handelt es sich um eine Aneinanderreihung einzelner Bilder. Die Versuchsauswertung fehlt häufig.
Die Unterschiede in der Qualität der Lernprodukte hängen sicherlich damit zusammen, dass im Unterricht bisher nur die Form einer klassischen Dokumention im Rahmen des analogen Versuchsprotokolls eingeübt wurde. Die digitale Dokumentation muss im Zuge des weiteren Unterrichts mit den Schülerinnen und Schülern thematisiert werden, um ihr volles Potenzial ausschöpfen zu können.
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aus: Unterricht Chemie Nr. 180 / 2020

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