Petra Wlotzka und Vera Bisping

Azofarbstoffe in Lebensmitteln

Azofarbstoffe
© eldar nurkovic/shutterstok.com

Petra Wlotzka und Vera Bisping

Eine rollengebundene Podiumsdiskussion zur Förderung der Bewertungskompetenz

Ob Süßigkeiten oder Getränke: knallbunte Lebensmittel sprechen Kinder besonders an. Die kräftigen und schrillen Farben erhält man am besten durch den Einsatz künstlicher Farbstoffe wie z.B. den in der Lebensmittelzusatzstoffverordnung zugelassenen Azofarbstoffen Tartrazin (E 102) oder Allurarot (E 129). Sie lassen sich kostengünstig herstellen, sind lichtecht und scheinen somit zum Anfärben von Nahrungsmitteln besonders geeignet zu sein. Ernährungsexperten warnen allerdings immer wieder vor dem Verzehr von mit Azofarbstoffen gefärbten Lebensmitteln. So stehen sie im Verdacht, bei Kindern zu Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen zu führen. Außerdem können sie Pseudoallergien auslösen. Deshalb muss laut EU-Verordnung über Lebensmittelzusatzstoffe bei Lebensmitteln, die Azofarbstoffe enthalten, seit dem 20. Juli 2010 der Vermerk „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen auf der Verpackung stehen [1]. Doch wie berechtigt ist ein solcher Wahrhinweis?
In dem hier vorgestellten Unterrichtsprojekt geht es um die Frage, ob auf Lebensmittel, die mit Azofarbstoffen gefärbt sind, grundsätzlich verzichtet werden sollte. Dazu schlüpfen die Schülerinnen und Schüler in verschiedene Rollen (Vertreter der Lebensmittelindustrie, Verbraucherschützer, Wissenschaftliche Sachverständige der EFSA) und informieren sich aus unterschiedlichen Perspektiven über das Thema. Anhand dieser Informationen erarbeiten sie sich Argumente und vertreten anschließend ihren Standpunkt in einer Podiumsdiskussion. Dabei vertiefen und erweitern die Schülerinnen und Schüler nicht nur ihre kommunikativen Kompetenzen (u.a. Argumentieren), sondern schulen ihre Bewertungskompetenz bezüglich der sachbezogenen Einschätzung von Gesundheitsrisiken von Stoffen und der kritischen Beurteilung von Literaturquellen [2].
Durchführung der Podiumsdiskussion
1. Einführung in die Problemsituation
Zur Einführung in das Rollenspiel wird den Schülern folgende Ausgangssituation vorgestellt:
In dem großen Catering-Unternehmen „Schmeckt immer!, das insbesondere die Verpflegung für Ganztagsschulen und Kindergärten zubereitet, sind vermehrt Forderungen von Eltern eingegangen, auf die Verwendung von Lebensmitteln mit Azofarbstoffen gänzlich zu verzichten. Das Unternehmen lädt deshalb zur Beratung Experten (s. Tab.1 : Lebensmittelindustrie, Verbraucherschutz, EFSA) aus unterschiedlichen Bereichen ein, um über den Umgang mit dieser Forderung zu beraten und eine Entscheidung zu treffen.
2. Erarbeitungsphase
Nach einer kurzen Einführung in die Problematik der Azofarbstoffe und der Vorstellung der Organisationen, die in die Expertenrunde eingeladen sind, werden die Schüler in die verschiedenen Expertengruppen eingeteilt. Zusätzlich werden zwei Schüler mit hoher Auffassungsgabe und gut ausgeprägten kommunikativen Kompetenzen als Vertreter des Unternehmens ausgewählt. Diese beiden Unternehmensvertreter müssen sich in den Gesamtkontext einarbeiten und für die Entscheidungsfindung interessante und zentrale Diskussionsfragen entwickeln. Die verschiedenen Gruppen erhalten Rollenkarten (s. Material ), auf denen die Organisation, die sie vertreten, kurz vorgestellt wird. Um sich die nötigen Hintergrundinformationen für die spätere Diskussion zu beschaffen, sind ausgewählte Internet-Links für die Recherche angegeben. Alternativ kann das Informationsmaterial auch in ausgedruckter Form zur Verfügung gestellt werden.
In einer Einzelarbeitsphase informieren sich zunächst alle Experten anhand der vorgegebenen Quellen aus unterschiedlichen Perspektiven über Azofarbstoffe in Lebensmitteln. In der sich anschließenden Gruppenarbeitsphase tragen die Experten einer Expertengruppe ihre Informationen zusammen, erarbeiten sich gemeinsam wichtige Argumente für die spätere Diskussion und formulieren eine Hauptthese für den Einstieg in die...

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aus: Unterricht Chemie Nr. 163 / 2018

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