SICHER EXPERIMENTIEREN

Chemie mit Spritzen und Kanülen

Nutzen Sie Kunststoffspritzen und Kanülen in Ihrem Chemieunterricht? Ja, dann hat Ihnen vielleicht schon der sichere Umgang mit den spitzen und messerscharfen Kanülen Sorge bereitet. Zu Recht, muss man sagen, denn bei allen Vorteilen, bergen die Kanülen ein recht großes Verletzungsrisiko in sich – besonders, wenn man diese falsch verwendet.

Verschiedene Kanülen für die Spritztechnik
Verschiedene Formen von Kanülentypen und deren Entschärfungsmöglichkeiten (v.l.n.r.): 1) spitz, 2) mit Schere abgeknipst, 3) mit dem Seitenschneider abgekniffen und wieder durchgängig gemacht, 4) wie 3), nur abgeschliffen, 5) Blunt-Needle zum Dispensieren von flüssigen Medikamenten und , 6) Blunt-Fill-Needle zur Entnahme von Flüssigkeiten aus Septenampullen) Foto: Bernhard Sieve

Bei nicht sachgerechter Nutzungdrohen Stich-, Schnitt- und Rissverletzungen. Damit verbunden ist die Gefahr einer Inokulation von Chemikalien oder von Bakterien etc. In der Literatur gibt es verschiedene Empfehlungen zum „Entschärfen“ von Kanülen, vom Kappen der Kanülenspitze mit der Schere bis hin zum Abkneifen der Kanüle mit einem Seitenschneider.  

Empfehlungen zum sicheren Umgang mit Kanülen im Chemieunterricht

So einfach es auch klingt, so effektiv ist der Ratschlag: Trennen Sie sich von spitzen Kanülen und unterlassen Sie die in der Literatur beschriebenen Möglichkeiten, die Kanülen abzustumpfen. Die im Handel in verschiedenen Durchmessern (G-Zahl) und Längen erhältlichen stumpfen Kanülen (Blunt-Needles) weisen erwartungsgemäß das geringste Verletzungspotential für Stich-, Schnitt- und Rissverletzungen auf. Ein Abstumpfen von scharfen Kanülen, gleich welcher Form, mildert die Verletzungsfolgen bei Stichen bereits wirksam ab, doch müssen die Kanten und Grate zuvor sorgfältig abgeschliffen werden, um Risse durch die mitunter scharfen Schnitt- und Klemmkanten zu vermeiden. Der mit dem „Entschärfen“ verbundene Aufwand ist jedoch unnötig, wenn man sofort auf die preislich mit herkömmlichen Kanülen vergleichbaren Blunt-Kanülen zurückgreift. Stumpfe Kanülen lassen sich zudem genauso nutzen wie ihre messerscharfen Pendants – sogar Gummistopfen lassen sich damit durchbohren. Für diesen Zweck sind jedoch die Blunt-Fill-Needles praktikabler. Mit ihrer schrägen Kante lassen sich Stopfen leichter durchstechen als mit Blunt-Needles, doch sind Blunt-Fill-Needles bei weitem nicht so scharf und spitz wie die herkömmlichen Kanülen. Der einzige Nachteil: Blunt-Fill-Needles sind etwas teurer.

Zeitschrift
Unterricht Chemie Nr. 158/2017 Experimentieren

In dieser Ausgabe von Unterricht Chemie erfahren Sie wie sich Experimente kompetenzorientiert im Unterricht einsetzen lassen.

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Für Titrationen eignen sich Blunt-Glue-Liquid-Dispenser-Needles aus Kunststoff. Diese lassen sich mit der Luer-Lock-Kupplung einer Spritze verschrauben und fallen nicht so leicht ab, wie die gelben Pipettenspitzen für 200 µl-Pipetten, die man sogar noch kappen muss, damit sie auf die Luer-Kupplung einer Kunststoffspritze passen.

Gute Bezugsquellen für die angesprochenen Kanülentypen sind Online-Shops für Medizinbedarf. Auch in Apotheken sind diese Kanülenarten bestellbar.


Literatur zum Thema:

Brand, B.H. (2013): Low-cost Experimente - Versuche mit medizintechnischen Geräten. http://www.bhbrand.de/downloads/lowcostskript27506.pdf (24.10.2018)

Von Borstel, G. (2012): Chemie mit medizintechnischem Zubehör. Experimente mit ChemZ. http://www.chemz.de/index.php/moegliche-versuche.html (24.10.2018)

Sieve, B., Taubert, Ch.; Taubert, R. (2017): Sicherer Umgang mit Kanülen. Von Erfahrungen zu Evidenzen. CHEMKON, Heft 5, S. 387-390, DOI: http://dx.doi.org/10.1002/ckon.201710310

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