Peter Fröhlich, Gunther Martin, Tom Lorenz, Carsten Pätzold und Martin Bertau

Zukunftstechnologie Rohstoffchemie

Rohstoffe, Primärrohstoffe, Sekundärstoffe, Recycling, Seltene Erdeelemente
Die Salzseen der Anden sind die wichtigsten Lagerstätten für den Primärrohstoff Lithium., Foto: © TU Bergakademie Freiberg

Peter Fröhlich, Gunther Martin, Tom Lorenz, Carsten Pätzold und Martin Bertau

Wir benötigen heute so viele Rohstoffe wie noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte, denn noch nie zuvor lebten so viele Menschen auf der Erde (~7,5 Mrd.). Damit einher geht das Bedürfnis nach Nahrungsmitteln und Produktionsgütern.
Unsere Abhängigkeit von Rohstoffen zeigte sich nicht erst in der (zum 1. Mai 2015 zurückgenommenen) Ankündigung Chinas, für Seltenerdmetalle eine Exportbeschränkung vorzunehmen. Die meist in Vergessenheit geratenen Ölkrisen der 1970er- und 1980er-Jahre haben uns dies schon sehr frühzeitig und eindringlich vor Augen geführt, in einer Zeit, in der Deng Xiao Ping die Rohstoffdoktrin seines Landes für mineralische Rohstoffe formulierte.
Insbesondere die so genannten „Emerging Countries stehen mit den Industrienationen im Wettbewerb um Rohstoffe und Märkte. Bei diesen Ländern, die häufig unter dem Begriff „BRIICS-Staaten genannt werden, handelt es sich um Brasilien, Russland, Indien, Indonesien, China und Südafrika. In diesen Ländern leben etwa 40% der Weltbevölkerung mit einem Anteil am weltweiten Bruttoinlandsprodukt von ca. 25% (2013). Allein sie sind getrieben von der Notwendigkeit zur Daseinssicherung und -vorsorge für mehr als 3 Mrd. Menschen.
Für Europa im allgemeinen und Deutschland im speziellen ergeben sich daraus gänzlich neue Herausforderungen zur Sicherung der Rohstoffbasis. Auch wenn die Wirtschaft der BRIICS-Staaten im Sommer 2015 abflachte und sich auf den Rohstoffmärkten in vielen Bereichen eine Entspannung abzeichnete, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Erdbevölkerung ständig wächst und der Bedarf an Nahrungsmitteln und Produktionsgütern zunimmt.
Wir erleben gegenwärtig eine völlig neue Situation einer wirtschaftlichen Unsicherheit in Europa, den USA und Japan, der der Energie- und Rohstoffhunger der Emerging Countries gegenübersteht. Die sich abzeichnende wirtschaftliche Situation birgt sowohl bei einer Wiederbelebung der dortigen Wirtschaftsleistung als auch bei einer weiteren Abschwächung geopolitische Unsicherheiten, welche neuen Handlungsbedarf erzeugen.
In Deutschland birgt die Energie- und Rohstoffwende zusätzliche Risiken für Industrie und Verbraucher. Somit befindet sich unsere Volkswirtschaft im Zangengriff politisch-wirtschaftlicher und technisch-wissenschaftlicher Herausforderungen. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, kommt der Chemie eine Schlüsselrolle zu [1] (vgl. Kasten1).
Information 1: Rohstoffchemie
Information 1: Rohstoffchemie
Eine Disziplin der Chemie, die sich mit der Aufbereitung von primären (Bergbau) und sekundären (Recycling) Rohstoffen zu den jeweiligen Wertstoffen befasst. Moderne rohstoffchemische Ansätze arbeiten ganzheitlich im Sinne einer vollständigen, wirtschaftlichen Verwertung der eingesetzten Rohstoffe. Damit geht sie deutlich über die klassische Hydrometallurgie hinaus.
Die Situation in Deutschland
In Deutschland erleben wir seit jeher eine vernachlässigbare Produktion strategischer Rohstoffe, und konsequenterweise besteht für viele industrierelevante Rohstoffe eine vollständige Importabhängigkeit. Betrachtet man den Wert der Rohstoffimporte im Zeitraum 2002 – 2012, so stellt man fest, dass sich ihr Wert binnen zehn Jahren verdreifacht hat. Problematisch können Nachfrageschübe sein, denn sie stehen immer in der Ungewissheit schwankender Wechselkurse und Rohstoffpreise. Diesen Unsicherheiten lässt sich durch Recycling entgegenwirken (vgl. Kasten2). Allerdings gibt es echtes Recycling im Sinne einer Primärproduktqualität nur für Kupfer und Edelmetalle. Bereits Aluminium und Stahl lassen sich nur in Form von Legierungen wiederverwerten. Somit resultieren die Wiederverwertungsbemühungen in den allermeisten Fällen in einem Downcycling. Die Folge ist eine Zementierung der Importabhängigkeiten.
Information 2: Recycling
Information 2: Recycling
Was heißt Recycling tatsächlich? Es bedeutet, einmal...

Friedrich+ Chemie

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Chemie Nr. 161 / 2017

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