Kunststoffe und Nachhaltigkeit

The Ocean Cleanup – Top oder Flop?

Wird die geniale Idee von Boyan Slat zum Rohrkrepierer? Nach drei Monaten Müllsammeln liegt die überdimensionierte Schwimmnudel nun schon wieder zur Reparatur im Dock. Kritiker werden derweil laut, da sie Gefahren für das Neuston sehen.

Am 8. September 2018 machte sich das System 001, die etwa 600 Meter lange „Schwimmnudel“, von der San Francisco Bay auf die lange Reise zum Great Pacific Garbage Patch.
Das System 001, die etwa 600 Meter lange „Schwimmnudel“, wird von einem Hochseeschlepper zum Zielort im Ozean gezogen. Foto: The Ocean Cleanup

Nur ein kurzer Ausflug?

Am 8. September 2018 machte sich das System 001, die etwa 600 Meter lange „Schwimmnudel“, von der San Francisco Bay auf die lange Reise zum Great Pacific Garbage Patch. Angetrieben wurde sie dabei nicht durch Wind, Strömung oder Wellengang, sondern das System 001 wurde von einem Hochseeschlepper zum Zielort gezogen. Dort angekommen, begann das System am 16. Oktober 2018 mit dem Müllkäschern. Doch nicht einmal drei Monate später, am 29. Dezember 2018, musste der Prototyp aufgrund einer Materialermüdung an einem der Schwimmtanks aus HDPE das Sammeln einstellen und nach Hilo Harbor auf Hawaii geschleppt werden. Dort liegt es seit dem 3. Januar 2019 im Dock und wird repariert. Derweil werten Slat und seine Mitarbeiter die gewonnenen Daten aus. Slat ist überzeugt, dass das System 001 nach der Reparatur noch im ersten Quartal 2019 wieder mit dem Müllsammeln beginnen kann.

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Die Kritik lässt nicht lange warten

Dieser Rückschlag ist Wasser auf den Mühlen der Kritiker, die Slat belächeln und ihm sogar vorwerfen, er bringe mit den Müll sammelnden Schwimmnudeln das Neuston in Gefahr. Damit ist die Lebensgemeinschaft von Lebewesen gemeint, die direkt unter der Wasseroberfläche leben. Der Müll an der Wasseroberfläche stellt bereits einen Lebensraum für die Organismen des Neuston dar. Dass sich um im Wasser schwimmende Gegenstände eine spezielle Lebensgemeinschaft ausbildet und sich auf der Oberfläche der Gegenstände ein Biofilm bildet, der wiederum anderen Organismen als Nahrung dienen kann, ist hinlänglich bekannt. Experten sagen auch für das System 001 voraus, dass die Schwimmnudel selbst auf Dauer einer ganzen Reihe von Organismen als Lebensraum dient.

Das Herausfischen von Kunststoffmüll aus dem Ozean sei generell utopisch und zudem problematisch, da damit auch die den Müll besiedelnden Organismen des Neuston entfernt werden, so die Meeresbiologin Dr. Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut. Viel effektiver sei es, die Strände überall auf der Welt vom Kunststoffmüll zu befreien, damit kein weiterer Müll in die Meere gelange und so der Hahn zugedreht werde (MDR Wissen vom 7. September 2018). Also gilt es, das Übel an der Wurzel zu packen und den Kunststoffmüll durch Vermeidung von Kunststoffen gar nicht erst entstehen zu lassen – ein Unterfangen, das sich im Alltag trotz gestiegenem Problembewusstsein und Alternativen zu Kunststoffen im Verpackungsbereich dennoch häufig als mühsam erweist. Dennoch gilt: Jede vermiedene Kunststoffverpackung verringert das Problem des Kunststoffmülls.

Aktuelle Informationen zum Projekt The Ocean Cleanup: https://www.theoceancleanup.com/updates

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Hintergrund Schuljahr 7-12