Lars Otte, Frauke Brockhage, Nils Kreienhop, Janet Lusmöller, Johann Schmidt und Marco Beeken

Eigenschaften, Entstehung und Verwendung von Mikroplastik

Mikroplastik, Nachhaltigkeit, Experimente
Mithilfe einer elektrischen Kaffeemühle hergestelltes Mikroplastik, © Fotos: Frauke Brockhage

Lars Otte, Frauke Brockhage, Nils Kreienhop, Janet Lusmöller, Johann Schmidt und Marco Beeken

Kompetenzen in den Bereichen Fachwissen und Erkenntnisgewinnung erwerben

Auch wenn die exakten Folgen und Risiken von Mikroplastik in der Umwelt noch nicht abschließend bekannt sind und entsprechend bewertet werden können, ist seit einigen Jahren eine hohe Sensibilität der Bürgerinnen und Bürger, insbesondere der Schülerinnen und Schüler, bezüglich des Themas Kunststoffe zu beobachten. So greifen die Medien vielfältig die Themen Plastik und Mikroplastik auf und zeichnen dabei zum Teil sehr einseitige Bilder, die den Konsum derartiger Produkte generell sehr negativ darstellen. Die zentrale Botschaft lautet oftmals: Plastik sollte in jeder möglichen Situation vermieden werden und ein Umstieg auf plastikfreie Alternativen erfolgen. Ebenfalls ist zu beobachten, dass das Engagement vieler Schülerinnen und Schüler in den Bereichen Umwelt- bzw. Klimaschutz und Nachhaltigkeit deutlich intensiver geworden ist. Dieses zeigen nicht zuletzt die einschlägigen Bilder vieler Fridays-for-Future-Demonstrationen über den gesamten Globus [1]. In Gesprächen mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Fridays-for-Future-Demonstrationen wurde deutlich, dass viele Schülerinnen und Schüler jedoch nur einseitige Positionen zum Thema Plastik einnehmen: Plastik solle, zum Beispiel durch den Verzicht auf Kunststoffprodukte im Einkauf, auf jeden Fall vollständig vermieden werden. Für Getränke werden Glasflaschen oder auch Getränkedosen als nachhaltige Alternativen angesehen. Betrachtet man jedoch den immensen Energieaufwand bei der Glas- und Aluminiumherstellung und rechnet zudem das deutlich höhere Gewicht der Glasflaschen in CO2-Äquivalente um, haben auch diese vermeintlich guten Austauschmaterialien ihre Schattenseiten. Aus verschiedenen Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit sollte deshalb auch eine Mehrwegkunststoffflasche, die nach ihrem mehrmaligen Gebrauch recycelt wird, in die Überlegungen einbezogen werden.
Darüber hinaus sind zwei weitere bemerkenswerte Beobachtungen zu machen: Zum einen werden die Begriffe Plastik und Mikroplastik sehr oft miteinander vermischt oder sogar synonym verwendet. Trotz gemeinsamer Schnittmengen, da letztlich Plastik in Mikroplastik fragmentiert, macht es einen entscheidenden Unterschied bei der Einordnung des aktuellen Schadpotenzials, ob von Makroplastik oder Mikroplastik gesprochen wird. So werden die erschreckenden Bilder von mit Fischernetzen strangulierten Seevögeln oder Walmägen voller Plastik sehr häufig fälschlicherweise dem Thema Mikroplastik zugeordnet. Zum anderen werden die Begriffe biobasierte Kunststoffe und biologisch abbaubare Kunststoffe ebenfalls häufig gleichsetzt und oftmals mit positiven Assoziationen belegt. Dabei sind die auf nachwachsenden Rohstoffen basierenden Kunststoffe (biobasiert) keinesfalls biologisch abbaubar, sondern haben identische oder sehr ähnliche chemische Eigenschaften wie die Kunststoffe auf Erdölbasis. Zudem muss hinsichtlich der sogenannten „Teller-Tank-Debatte auch kritisch hinterfragt werden, ob es wirklich „nachhaltig ist, Flächen zu verbrauchen, auf denen eigentlich wertvolle Nahrungsmittel angebaut werden könnten. Auch bei den biologisch abbaubaren Kunststoffen dauert es in der Realität oftmals viel länger als angenommen, um den Kunststoff komplett abzubauen, in manchen Fällen sogar mehrere Jahre.
Die Thematik Plastik und Mikroplastik erfährt eine sehr hohe Alltags- und Gesellschaftsrelevanz und zeigt gewinnbringende Verknüpfungspunkte für einen kontextorientierten, forschenden Unterricht auf. In diesem Artikel werden verschiedene Unterrichtsmodule (vgl. Abb.1 ) inklusive einer Auswahl von Materialien zu den oben genannten Themen vorgestellt.
Mikroplastik in den Lehrplänen
Obwohl die Suche nach dem Stichwort „Mikroplastik zunächst keinen direkten Treffer in den Kerncurricula beziehungsweise Kernlehrplänen verschiedener Bundesländer ergibt,...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Chemie Nr. 179 / 2020

Mikroplastik

Zeitschrift "Unterricht Chemie" Premium-Beitrag Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 10-13