Tim Kiessling, Katrin Knickmeier, Katrin Kruse und Ilka Parchmann

Die Plastikpiraten

Plastikmüll, Mikroplastik, Projektunterricht
Von den Schülerinnen und Schülern entwickelte Lösungen, die der Müllhierarchie zugeordnet wurden, © Foto: Magdalena Gatta-Rosemary (Kieler Forschungswerkstatt)

Tim Kiessling, Katrin Knickmeier, Katrin Kruse und Ilka Parchmann

Teilhabe an echter Wissenschaft durch Citizen-Science

Eine aktive Rolle in der wissenschaftlichen Forschung einnehmen das bedeutet meist eine langjährige akademische Ausbildung und eine tiefgehende Expertise in einem spezialisierten Fachgebiet. Citizen-Science-Projekte jedoch ermöglichen Bürgerinnen und Bürgern eine niedrigschwellige Teilhabe an wissenschaftlichen Forschungsprozessen, also z.B. der Entwicklung, Durchführung und Auswertung von wissenschaftlichen Studien. Für die Wissenschaft ergibt sich durch Einbezug der Bevölkerung die Chance, Daten in größerem räumlichen und zeitlichen Umfang zu erheben und somit ganz neue Fragestellungen zu beantworten. Eine Vielzahl von Projekten bezieht dabei auch Schulen ein. Neben der Erhebung von Daten bietet sich teilnehmenden Schülerinnen und Schülern ein zusätzlicher Nutzen: Fachwissen wird vermittelt, der naturwissenschaftliche Erkenntnisweg wird erlebbar gemacht, und es wird veranschaulicht, wie transdisziplinäre Forschung funktioniert. Dadurch fördern Citizen-Science-Projekte vielfach das Verständnis der Naturwissenschaften und sind eine motivierende Abwechslung zum Schullalltag [1], [2].
In diesem Beitrag beschreiben wir das Citizen-Science-Projekt Plastikpiraten, in dem Schülerinnen und Schüler die Müllverschmutzung von Flüssen untersuchen. Möglichkeiten der Teilnahme am Projekt sowie darüber hinausgehende Ideen für wissenschaftliche Forschung in der Schule und Möglichkeiten der Reflexion der Aktivitäten werden vorgestellt. Die Plastikpiraten bauen dabei auf dem Vorgängerprojekt „Dem Plastikmüll auf der Spur, sowie weiteren Angeboten der Kieler Forschungswerkstatt auf, die es Schülerinnen und Schülern ermöglichen, an wissenschaftlicher Forschung teilzuhaben und eine aktive Rolle gegen die Müllverschmutzung des Ozeans einzunehmen [3], [4].
Citizen-Science und Plastikmüll
Insbesondere das Thema Plastikmüll ist gut für einen Einstieg in Citizen-Science geeignet: In jedem Haushalt fällt Müll an und dieser wird für die Entsorgung vorsortiert. Dadurch lässt sich das Interesse für Umweltthemen wecken, zudem besteht eine Vertrautheit mit dem Studienobjekt. Für die Teilnahme an einer wissenschaftlichen Untersuchung ist daher, im Gegensatz zu vielen Biodiversitäts-Projekten, keine weitergehende fachliche Expertise nötig. Müll ist in der Regel nicht mobil und kann so gut dokumentiert werden. Das ist wichtig für eine Überprüfung und Bestätigung der Citizen-Science-Daten, damit sie von der internationalen Forschungsgemeinschaft akzeptiert werden. Die Beseitigung von Müll aus der Landschaft ist ein positiver Nebeneffekt, der Schülerinnen und Schülern den Einfluss von Müll auf die Umwelt an einem vertrauten Ort in ihrer Nähe verdeutlicht. Nach Abschluss der Untersuchung haben sie das Gefühl, etwas für die Umwelt getan zu haben. Im Nachgang der „aktiven Feldphase bietet die Auswertung der Daten eine Chance, Lösungsvorschläge zu diskutieren und weitergehende Forschungsfragen zu entwickeln. Eine Reflexionsphase erlaubt es Schülerinnen und Schülern, das eigene Konsumverhalten zu überdenken und ihre Erfahrungen mit Familie, Freunden oder via Social Media zu teilen und so eine Botschafterrolle gegen die Plastikmüllverschmutzung der Umwelt einzunehmen. Auf diese Weise kann auch die Akzeptanz der Bevölkerung für politische Maßnahmen gegen Plastikmüll erhöht werden. Besonders interessant für Schulen ist, dass das Thema mühelos Inhalte naturwissenschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Fächer verbindet und somit erlaubt, den Aspekt der Nachhaltigkeit aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.
Die Plastikpiraten
Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Citizen-Science-Projekt Plastikpiraten erforschen die Müllverschmutzung an einem Fluss in ihrer Nähe, denn inzwischen ist bekannt, dass eine große Menge Plastikmüll über Flüsse ins Meer eingetragen wird (s. Kasten1).
Kasten 1:Plastikmülltransport...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Chemie Nr. 179 / 2020

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