Christian Zowada, Kai Niebert und Ingo Eilks

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeitsentwicklungsziele, Bildung für nachhaltige Entwicklung
Die Nachhaltigkeitsentwicklungsziele (Sustainable Development Goals) , © SDG Action Campaign (https://www.un.org/sustainabledevelopment/sustainable-development-goals/)

Christian Zowada, Kai Niebert und Ingo Eilks

Nachhaltigkeit im naturwissenschaftlichen Unterricht

Die Medienlandschaft, Politik, aber auch Naturwissenschaften, sind voll von Berichten über drohende Umweltzerstörung, etwa durch die Ausbringung von neuen Substanzen oder Kunststoffen in die Umwelt, aber auch zu potenziellen sozialen und wirtschaftlichen Problemen durch Risiken in der Energie- oder Trinkwasserbereitstellung. Das Klima ändert sich, Rohstoffe werden knapper, Gewässer verschmutzter, Ungleichheiten größer. Der Mensch ist mitten in dieser Welt und verändert sie massiv. Dabei wird nicht diskutiert, ob, sondern wie weit der Mensch solche Veränderungen noch fortführen kann, bis diese Veränderungen zu irreversiblen Schädigungen für die Umwelt und damit letztlich für den Menschen selbst führen. Ungeachtet dessen, wie dieser Wandel sich genau zusammensetzt und was er letztlich verursacht, ist eine nachhaltige Entwicklung eine Möglichkeit, ihn zu stoppen. Nachhaltige Entwicklung zielt auf eine Lebensweise ab, die unseren Planeten nicht dauerhaft schädigt, sodass zukünftige Generationen immer noch auf der Erde leben und ihre Bedürfnisse befriedigen können, ohne durch unseren Verbrauch an Ressourcen und unsere Altlasten zu sehr eingeschränkt zu sein (vgl. Abb.1 ).
Dieser Beitrag gibt einen Überblick über aktuelle Konzepte im Zusammenhang einer nachhaltigen Entwicklung. Er zeigt auf, wie der menschliche Einfluss auf die Welt eingeschätzt wird und welche Folgen er (möglicherweise) bereits jetzt hat. Daraus lassen sich viele Themen für den naturwissenschaftlichen Unterricht ableiten. Es ist bildungspolitisch gewollt, dass Schule Themen einer nachhaltigen Entwicklung in den Unterricht integriert, wofür die Kultusministerkonferenz (KMK) und die deutsche UNESCO Kommission (DUK) bereits 2007 Empfehlungen herausgaben [1]. Diese Aufgabe kommt allen Schulfächern, somit auch dem Fach Chemie, und dem Schulleben allgemein zu, damit die heutigen Schülerinnen und Schüler in der Zukunft eine nachhaltige Entwicklung gestalten können.
Nachhaltigkeit: vom Schnittmengenmodell zum Tortenmodell?
Die sich immer wieder ändernde Deutung des Nachhaltigkeitsbegriffs, ebenso wie seine Geschichte, wurden bereits vielfach beschrieben, u.a. in [2], auch mit Bezug zum Chemieunterricht [4]. Im deutschsprachigen Raum stammt der Nachhaltigkeitsbegriff ursprünglich aus der Forstwirtschaft, wo es um den Erhalt des Baumbestands von intensiv forstwirtschaftlich genutzten Wäldern ging. Der Gedanke des Erhalts und der Beständigkeit durch Ressourcenverbrauch, der sich in gleicher Zeit regenerieren kann, ist bis heute ein Kerngedanke der Nachhaltigkeit geblieben, etwa im Sinne der Umstellung auf erneuerbare Energien.
Nachhaltigkeit wird jedoch heute breiter verstanden und ist zu einem globalen Leitbild gewachsen, welches Einzug in Politik, Wirtschaft und eben auch in die Schule gehalten hat. Dieses Leitbild wurde unter anderem deswegen neu fokussiert, weil die Menschheit potentielle Grenzen des Wachstums erkannt hat, die über die reine Rohstoffgewinnung hinausgehen. Dies wurde erstmalig 1972 einer breiten Öffentlichkeit durch die Publikation „Die Grenzen des Wachstums vor Augen geführt, die den Tragfähigkeitsgedanken der Erde thematisierte [4]. Heute stammt die wohl bekannteste Definition für nachhaltige Entwicklung aus dem Brundtland-Bericht von 1987 [5]. Dieser fordert eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Zeit nachkommt, ohne zukünftige Generationen einzuschränken, ihre Bedürfnisse zu stillen. Die Diskussion ist seit den 90er-Jahren gemeinhin geprägt von drei gleichwertigen Säulen der Nachhaltigkeit: ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit [6].
Im Laufe der Zeit gab es immer wieder Vorschläge, weitere Nachhaltigkeitsdimensionen, wie Kultur oder Politik, in einem Mehr-Perspektiven-Modell zu integrieren. Dies hat sich jedoch nicht durchgesetzt. Die drei Dimensionen nachhaltiger Entwicklung wurden...
Unterricht Chemie
Sie sind bereits Abonnent?

Mein Konto

Weiterlesen im Heft

Ausgabe kaufen

Unterricht Chemie abonnieren und digital lesen!
  • Exklusiver Online-Zugriff auf Ihre digitalen Ausgaben
  • Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
  • Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen

Zeitschrift abonnieren

Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Chemie Nr. 172 / 2019

Nachhaltigkeit

Zeitschrift "Unterricht Chemie" Premium-Beitrag Methode & Didaktik Schuljahr 5-13