Catharina Mielke und Bernhard Sieve

Individuell und selbstbestimmt üben

Quantitative Chemie, chemische Größen, Aufgaben
Quantitative Chemie – Beziehungen zwischen Größen

Catharina Mielke und Bernhard Sieve

Differenzierung durch Lernkarten

In keiner anderen Naturwissenschaft bauen Inhalte und Fachmethoden so sehr aufeinander auf wie im Fach Chemie. Man bezeichnet das Lernen in Chemie damit auch als stark voraussetzungsgebunden [1]. Für die Lernenden hat dies zur Folge, dass Fachinhalte über mehrere Jahre präsent sein müssen und sukzessive erweitert und ausgeschärft werden ähnlich wie das Lernen der Grammatik einer Sprache. Diese Anforderungen können nicht alle Lernenden leisten, wie die reale Unterrichtspraxis zeigt. Dies mag auch ein Grund sein, weshalb Chemie häufig als schwierig empfunden wird. Damit Lernende auf zuvor erworbenes Wissen auch in späteren Lernsituationen zurückgreifen können, sind regelmäßige und ritualisierte Übungsphasen nötig, in denen Lernende zudem selbstbestimmt ihre Wissenslücken schließen können. Das vornehmliche Ziel des Übungssettings ist somit das Wachhalten von chemischen Basiskenntnissen. In diesem Beitrag stellen wir ein Übungssetting für Lernende der Klasse 9 oder 10 vor, das den Kriterien des intelligenten Übens entspricht [2, 3]. Weitere wichtige Anforderungen waren für uns: Transparenz des Lerngegenstands, Verständlichkeit der Materialien und Aufgabenstellungen, Eigenkontrolle durch die Lernenden sowie die eigene Schwerpunktsetzung durch die Lernenden.
Das Übungssetting
Das Übungssetting ist als Karteikartensystem mit 89 kurzen(!) Aufgaben zu verschiedenen Themengebieten des bisherigen Chemieunterrichts konzipiert (vgl. Abb.1 – 4 ). Ähnlich wie beim Konzept der Kopfübungen findet die Übungsphase in den ersten 15 Minuten einer Doppelstunde statt und ist damit fester Bestandteil des Unterrichts (Ritualisierung). Alternativ kann man auch die Aufgabenzahl auf maximal drei begrenzen, falls 15 Minuten zu lang scheinen.
1|Tipps für das Erstellen des Karteikastensystems
1|Tipps für das Erstellen des Karteikastensystems
Das Erstellen von Karteikastensystemen ist ein zeitaufwändiges Unterfangen, doch kann man sich die Arbeit erleichtern, wenn man mit der Tabellenfunktion von Textverarbeitungsprogrammen arbeitet. Eine gute Video-Anleitung für die vorzunehmenden Seiteneinstellungen findet sich unter https://praxistipps.chip.de/karteikarten-mit-word-bedrucken-so-gehts_34115. Alternativ kann man mit Apps wie Quizlet oder BrainYoo2 Karteikarten erstellen und digital nutzen. Ferner empfiehlt es sich, die Karten zu einem Thema auf farbigem Papier zu drucken und die Karten zu laminieren. Dies erleichtert die Zuordnung der Aufgaben zu den Themen und die Karten werden durch Laminieren haltbarer.
Um das selbstbestimmte und individuelle Üben zu unterstützen, können die Lernenden Aufgaben aus verschiedenen Themen und mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad wählen (Tab.1 ). Damit ist eine innere Differenzierung gegeben. Gleichzeitig ist die Übungsphase damit variabler und nur wenig stereotyp. Transparenz erhalten die Lernenden über einen Laufzettel, auf dem alle Inhaltsbereiche beschrieben sowie die einzelnen Aufgaben dargestellt sind (Material1 ). Auch stellt der Laufzettel einen Bezug zu den noch kommenden Themen des Jahrgangs her und bewirkt damit eine Zielklarheit.
Die Karteikarten sind in Anlehnung an [4] und [5] gestaltet, mit der Lösung bzw. einem Tipp auf der Rückseite der Karte (Abb.1). Jede Karte informiert in der Kopfzeile über den Themenbereich der Aufgabe. Die Nummerierung erleichtert das Einordnen in ein Karteikastensystem. Zusätzlich informiert die Kopfzeile über den Schwierigkeitsgrad bzw. den Anforderungsbereich der Aufgabe (AFB I (Reproduktion): einfache Aufgaben zu Definitionen von Fachworten, Größen, Modellannahmen etc.; AFB II (Reorganisation): kurze Anwendungsaufgaben, die auf die Aufgaben zum AFB I folgen; AFB III (Transfer): Anwendungsaufgaben, die einen Blick „über den Tellerrand ermöglichen und in denen chemische Prinzipien erkannt werden müssen). Zu einigen Aufgaben gibt es Denkanstöße (Tipps). Damit...

Friedrich+ Chemie

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Chemie Nr. 167 / 2018

Intelligentes Üben

Friedrich+ Kennzeichnung Praxis Schuljahr 5-13