Jonas Koch/Raphaela Thiel/Andrea Möller

Stichfrei und flexibel

Abbildung des Informationsmaterials zu einer Fotobeute von Bee.Ed
Beispiel für das frei zugängliche Informationsmaterial für Lehrkräfte, von Bee.Ed, Foto: Möller

Jonas Koch/Raphaela Thiel/Andrea Möller

Mit der Fotobeute das Leben auf der Bienenwabe im Klassenraum erkunden

Jeder kennt sie, aber nur wenige trauen sich nah an sie heran: die Honigbiene. Deutschlands drittwichtigstes Nutztier ist aufgrund seiner globalen Bedrohung im Fokus des öffentlichen Interesses. Als Haustier erfreut sie sich großer Beliebtheit. Die Lebensweise der Biene ist dabei oft weitgehend unbekannt. Mithilfe der vorgestellten Fotobeute wird ein leichter und stichfreier Zugang zur Lebensweise der Honigbiene möglich.

Die Lebensweise der Honigbiene (Apis mellifera) ist komplex und faszinierend zugleich. Im Superorganismus Bien herrscht eine strukturierte Arbeitsteilung und höchst anspruchsvolle Kommunikation zwischen den Individuen. Ohne diese wäre das Zusammenleben im Bienenvolk nicht möglich (vgl. Basis-artikel). Jedem der drei Bienenwesen (Königin, Drohn, Arbeiterin) obliegen spezielle Aufgaben, die den Fortbestand des Volkes sichern. Bis zu 2000 Eier pro Tag legt die Königin, wodurch sie die Voraussetzungen für ein ausreichend starkes Bienenvolk schafft. Die Drohnen sind für die Begattung der Königin und damit die Erweiterung des Genpools zuständig. Sehr vielfältig sind die Aufgaben der Arbeiterinnen, angefangen bei der Brutpflege über die Thermoregulation bis hin zu dem Sammeln von Nektar und Pollen sowie der Herstellung des lebenswichtigen Honigs (vgl. Winston 1991). Die Waben und ihre bis zu 200.000 Zellen erfüllen auch eine Vielzahl von Funktionen. Sie dienen unter anderem als Produktions- und Speicherstätte von Honig, als Brutstätte für den Nachwuchs und als Informationsspeicher. Nach Auffassung von Tautz (2007) sind die Waben ein integraler Bestandteil des Bien und tragen damit zur Soziophysiologie des Bienenvolkes bei. Ihr Nest unterliegt damit den gleichen Gesetzen der Evolution wie jedes Organ und jede Eigenschaft der Honigbiene. In Summe verbringen Arbeiterinnen mehr als 90 Prozent ihres Lebens auf der Wabe.
Biologiedidaktische Bezüge
Die Honigbiene ermöglicht eine Vielzahl von physiologischen, ethologischen und ökologischen Fragestellungen zur Bearbeitung durch Lernende. Doch das Leben dieser Tiere spielt sich zum großen Teil verborgen im Bienenstock ab. Nicht alle Schulen haben die Möglichkeiten, eigene Bienen zu halten oder Bienenstöcke zu besichtigen. Durch das realitätsnahe Abbildungsmodell der Fotobeute erhalten die Lernenden die Chance, einen möglichst naturnahen Einblick in die Lebensweise eines Bienenvolks zu gewinnen. Es kann gut an Vorwissen angeknüpft und mit Themen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung verbunden werden, wie zum Beispiel die globale Bestäuberleistung.
Charakteristika einer Fotobeute
Die Fotobeute ist wie eine herkömmliche Beute aufgebaut. Statt lebender Bienen enthalten die zehn Wabenrähmchen jedoch Fotos. Diese zeigen tatsächlich auf Waben vorgefundene Szenen des Lebens eines normal entwickelten, gesunden Bienenvolkes.
Nicht nur im Regelunterricht, auch für eine Bienen-AG kann die Fotobeute eingesetzt werden, zum Beispiel zur Imkerschulung in den Wintermonaten. Als stichfreie Alternative zur echten Beute eignet sich die Fotobeute auch für ängstliche oder unter einer Bienenallergie leidende Schülerinnen und Schüler. Die Grenzen der Fotobeute sind die nicht stattfindende Dynamik, die im natürlichen Bienenstock herrscht, sowie die fehlenden Sinneseindrücke, wie der Geruch und die Geräusche. Daher empfiehlt sich zusätzlich ein Besuch einer Imkerei.
Die Idee einer Fotobeute ist nicht neu. Im Gegensatz zu den kommerziell erhältlichen Fotobeuten liegt bei dem hier vorgestellten Modell der Fokus auf den kostengünstigen Einsatz im Unterricht gelegt. Die in Biologie 510, 18 von Kallfelz vorgestellte Anwendung wurde für den Einsatz in älteren Lerngruppen erweitert und durch fachliche Hinweise für die Lehrkraft ergänzt (Abb. 1 ).
Hinweise zum Unterricht
Ausgehend von der Frage, wie es bis zu 50.000 Bienen in einem Volk...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Biologie Nr. 453 / 2020

Honigbienen

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 8-10