Holger Weitzel

Säugetiere im Klimawandel

Delphine unter Wasser.
© Andreas "Andi" GALL/stock.adobe.com

Holger Weitzel

Die Beschäftigung mit Säugetieren bietet vielfältige biologische Lernanlässe

Im Oktober 2018 gab China bekannt, sein Importverbot auf Nashornhörner und auf Tigerknochen zu lockern, um deren vermeintliche medizinische Wirkung näher zu erforschen. Nur wenig später verkündete Japan seinen Ausstieg aus der Internationalen Walfangkommission. Seit Juli 2019 dürfen in Japan Wale wieder kommerziell gejagt werden. Beide Nachrichten sind Beispiele für den wenig zimperlichen Umgang des Menschen mit den Angehörigen seiner eigenen Wirbeltierklasse. Nicht zuletzt durch menschlichen Einfluss ist etwa ein Viertel (knapp 1250) der 5499 bekannten Säugetierarten gefährdet (IUCN, https://www.iucnredlist.org), 76 Arten gelten als ausgestorben, 190 Arten sind kritisch bedroht (Withers u.a. 2016). Unter ihnen sind die Primaten die am stärksten gefährdete Gruppe. Von ihren 414 Arten waren 2018 49% gefährdet oder bereits ausgestorben. Ursachen für die Bedrohung sind unter anderem der Verlust oder die Fragmentierung von Habitaten oder die Verschlechterung der Habitat-Qualität. Fragmentierung führt zur Verarmung der genetischen Vielfalt. Hiervon sind größere Arten aufgrund ihrer insgesamt geringeren Populationsgröße stärker betroffen als kleinere. Pflanzenfressende Arten sind stärker betroffen als Karnivore und am stärksten betroffen sind waldbewohnende Arten (Lino u.a. 2019).
Säugetiere unter uns
Dabei wäre die Entwicklung unserer heutigen Zivilisation ohne die Domestikation von Säugetieren kaum vorstellbar gewesen (Diamond 2005). Seit Tausenden von Jahren liefern uns Säugetiere Nahrungsmittel wie Fleisch oder Milch und Bekleidung wie Felle oder Wolle. Sie dienen als Transporttiere, tragen Lasten und ziehen Wagen, Schlitten oder Pflüge. Einige Säugerarten konnten durch Domestikation ihre ursprüngliche Populationsgröße vervielfachen (Schaf, Ziege, Rind, Schwein, Pferd, Kamel, Lama, Esel, Rentier, Wasserbüffel, Yak, Balirind und Gaur (Bos gaurus)). 2018 wurden weltweit knapp 13,7 Milliarden Schafe, 1,6 Milliarden Rinder und etwa 1,4 Milliarden Schweine zur Nahrungserzeugung gehalten (Abb. 1 ). Andere Säuger sind beliebte Haustiere. 2017 lebten alleine 13,7 Millionen Katzen und 9,2 Millionen Hunde in deutschen Haushalten
Über kaum eine Tiergruppe auf unserem Planeten wissen wir so viel wie über Säugetiere. So ist 2018 beispielsweise der achte des insgesamt auf neun (!) Bände angelegten Handbuchs der Säugetiere unserer Erde erschienen (Wilson/Mittermeier 2018). In diesen werden auf mehreren Hundert Seiten jeweils einzelne Säugergruppen vorgestellt. Ziel des Basisartikels und der Heftbeiträge ist es, aus der Fülle des vorhandenen Wissens einige Aspekte auszuwählen, die für den Biologieunterricht besonders bedeutsam erscheinen. Allerdings ist selbst dieses Ziel nur mit einer starken Einengung des Blickwinkels zu erreichen.
Säugen oder Lecken? Egal, Hauptsache Milch
Säugetiere ernähren ihre Jungen mit Milch aus Milchdrüsen. Dieses Merkmal ist so bedeutend, dass Linné diese Wirbeltierklasse danach benannte: Mammalia. Noch nicht endgültig geklärt ist, wie die Milchdrüsen entstanden sind. Am wahrscheinlichsten ist ihre Entwicklung aus apokrinen Schweißdrüsen. Einige Autoren gehen davon aus, dass die Bedeutung der Milch als Nahrungsquelle die Evolution der Milchdrüsen vorangetrieben hat, während andere den immunologischen Schutz von Milch für Neugeborene betonen und davon ausgehen, dass die Anreicherung des Drüsensekrets mit Zucker und Fett evolutionär erst später hinzukam (vgl. Vorbach/Capecchi/Penninger 2006). Für die Evolution der Säugetiere hatte die Ernährung der Jungen mit Milch weitreichende Folgen: Die Eigröße konnte verringert werden, aber zugleich nahm der Aufwand für die Brutpflege zu, da die Jungen länger im Nest bleiben mussten.
Anders als die Beutel- und Plazentatiere, besitzen die heutigen Monotrematen keine Brustwarzen (Kasten 1)
1 | Einige Merkmale der...

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aus: Unterricht Biologie Nr. 445 / 2019

Säugetiere

Friedrich+ Kennzeichnung Fachwissen Schuljahr 5-12