Nicola Wessels/Christiane Konnemann

Geparden im Zoo?

Zwei Elefanten berühren sich.
© mtaira/stock.adobe.com

Nicola Wessels/Christiane Konnemann

Haltungsbedingungen und Artenschutz gegeneinander abwägen

Mit nur noch etwa 7000 freilebenden Geparden ist das schnellste landlebende Säugetier der Welt stark vom Aussterben bedroht. Zahlreiche Zoos beteiligen sich an Erhaltungszuchtprogrammen und halten dazu die eleganten Großkatzen auf relativ kleinem Raum. Sind Zoos damit Gefängnis oder rettende Arche für Geparden?

In freier Wildbahn durchstreifen Geparden riesige Reviere von bis zu 1500km². Als hochspezialisierter Hetzjäger pirschen sie sich an ihre Beute an und erlegen sie nach einem kurzen Sprint von bis zu 100km/h. Die Männchen leben häufig in Kleingruppen, die Weibchen ziehen als Einzelgängerinnen oder mit ihren Jungen durch das Revier (Westheide/Rieger 2004).
Durch vielfältige Bedrohungen, wie Lebensraumverlust, Beuteschwund, Jagd und Wilderei ist ihr Bestand aktuell auf etwa 7000 Individuen weltweit dezimiert (Durant u.a. 2017). Damit ist die Gefährdung des Geparden exemplarisch für Tiere mit großem Territorium und geringer Populationsdichte (Ginsberg 2017).
Zoos im Dilemma zwischen Tier- und Artenschutz
Moderne Zoos verstehen sich als Bildungseinrichtungen, die nach dem Vier-Säulen-Konzept die Aufgaben Erholung, Bildung, Natur-/Artenschutz und Forschung vereinen (Goldner 2014). Vor dem Hintergrund eines zunehmenden Artenschwundes nehmen sich immer mehr Zoos der Erhaltungszucht bedrohter Tierarten an (Hildebrandt 2012). Gleichzeitig stehen Zoos aus tierschutzrechtlicher Sicht immer wieder in der Kritik: für die Wirksamkeit der Artenschutzprogramme, den Bildungsanspruch und die konkreten Haltungsbedingungen (Zodrow/Goldner 2017). Nach dem Tierwohl-Konzept der drei Dimensionen wird eine Haltung nur dann als artgemäß angesehen, wenn die Tiere gesund sind, sich artgemäß verhalten können und keinen negativen Emotionen (z.B. Angst, Stress) ausgesetzt werden (Bergschmidt 2017).
Die Haltung im Zoo stellt stets einen Kompromiss dar: Die Interessen der Tiere stehen denen der Besucher, der räumlichen Kapazität und dem wirtschaftlichen Leistungsvermögen des Zoos gegenüber. Die Tiere verlieren ihre Freiheit zugunsten von Sicherheit (Hildebrandt 2012). Damit stehen Zoos im Dilemma zwischen populationsbezogenem Artenschutz auf der einen und (Individual-)Tierschutz auf der anderen Seite (AG Zoos zwischen den Fronten 1999; Abb.1 ).
Gepardenhaltung im Zoo
Geparden werden seit Jahrhunderten in Zoos gehalten. Durch ihre elegante Gestalt und ihren Ruf als schnellste Landtiere besitzen sie einen außerordentlichen Schauwert. Außerdem eignen sie sich als ein Musterbeispiel für die Spezialisierung eines Raubtieres zur Veranschaulichung evolutionärer Zusammenhänge.
Die Haltung von Raubkatzen ist dank ihrer hohen Anpassungsfähigkeit auch auf verhältnismäßig kleinem Raum möglich (Schüling 2005). Gepardenpopulationen in westlichen Zoos sind allerdings aufgrund von Problemen bei der Zucht (Notwendigkeit getrennter Haltung, Bestimmung des Paarungstermins, Welpensterblichkeit) nicht selbsterhaltend (Mason 2010; Schüling 2005). Durch verbesserte Haltungsbedingungen nehmen Zuchterfolge zu, Auswilderungen aus Zoos kommen aber nicht vor (Marker 2016).
Biologiedidaktische Bezüge
In diesem Unterrichtsmodell werden am Beispiel des Geparden Lebensweisen im natürlichen Lebensraum und im Zoo verglichen, verschiedene Positionen zur Gepardenhaltung erarbeitet und eine Entscheidung über Beibehaltung oder Abschaffung der Gepardenhaltung in einem Beispielzoo angeleitet. Diese Betrachtung der Gepardenhaltung ist exemplarisch für die Haltung von Säugetieren in modernen Zoos.
Lebensweisen in Wildnis und Zoo vergleichen und beurteilen
1. Unterrichtsabschnitt
Der erste Unterrichtsabschnitt beginnt mit einer intuitiven Positionierung der SchülerInnen zur Frage „Zoo Gefängnis oder Arche für Geparden? (Abb.2 ). Die persönliche Position und deren Begründung werden festgehalten (Material 1 ). Anschließend folgt...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Biologie Nr. 445 / 2019

Säugetiere

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 5-6