Silva Elfgen, Delia Nixdorf

Eine „Mehlwurmfarm“ für zu Hause

Mehlwürmer, Zucht, Burger, Mehlkäfer, Experiment, Wirbellose
Ein Präferenzwahlversuch zur Ernährung der Mehlkäferlarven. , Foto: D. Nixdorf

Silva Elfgen, Delia Nixdorf

Kriteriengeleitet die Entwicklung von Insektenlarven in einer Interaktionsbox beobachten

Zum Einstieg in die neue Unterrichtseinheit legen wir auf den Tischen unserer 8. Klasse Bilder von sehr appetitlich aussehenden Lebensmitteln, wie Burger, Nudeln und Powerriegeln aus. Wir haben sie bei einer Recherche im Internet gefunden. Alle gezeigten Lebensmittel enthalten Insekten oder Insektenmehl was jedoch auf dem Bild nicht ohne Weiteres erkennbar ist. Als wir dies erwähnen, geht ein Raunen durch die Klasse. Die Reaktionen schwanken von „Könnte ich mir vorstellen zu essen! bis zu „Das würde ich nie he-runter bekommen!.
Was für viele Menschen in Europa unvorstellbar ist, ist in anderen Teilen der Welt Alltag. Tatsächlich finden verschiedene Insekten nicht nur als Futtertiere oder Köder, sondern auch als Nahrung für Menschen Verwendung. Auch in Europa kam es in den letzten Jahren zu Diskussionen, Insekten als Proteinquelle für Lebensmittel einzuführen und so die Ernährung der Weltbevölkerung nachhaltig zu gestalten [Abb. 1 ]. Die „Novel-Food-Verordnung der EU vom 1. Januar 2018 macht dies prinzipiell auch in Deutschland möglich.
Novel-Food als Kontext
Angeregt durch die Bilder diskutieren die Schülerinnen und Schüler mögliche Ziele, Vorteile und Probleme von essbaren Insekten. Anschließend teilen wir einen Zeitungsartikel aus [AB 1 ]. Dieser enthält weitere Informationen der FAO (Welternährungsorganisation der UN) und stellt vor allem die Vorteile von Insekten als Nahrungsmittel heraus. So sind essbare Insekten einfach zu bekommen, zu halten und zu züchten, da sie sich mit minimalem technischen und finanziellen Aufwand und mit wenigen Ressourcen kultivieren lassen. Eine Insektenfarm ist somit quasi „haushaltstauglich und bietet dadurch weltweit soziale und unternehmerische Chancen.
Diese Möglichkeit erscheint uns als ein reizvolles Setting für eine teiloffene Interaktionsbox [Info] zur Insektenentwicklung. Für eine Interaktionsbox benötigen wir ein klares, möglichst realitätsnahes und plausibles Problem, welches wir während des Unterrichts lösen können. Als Ziel für unsere Interaktionsbox wählen wir daher die erfolgreiche Haltung und Zucht von Mehlkäfern und die Zunahme an Körpermasse der Mehlkäferlarven, umgangssprachlich auch „Mehlwürmer genannt, die als Proteinquelle für Lebensmittel dienen sollen.
Info|Interaktionsboxen
Info|Interaktionsboxen
Interaktionsboxen sind eine besondere Art von teiloffenen Experimentierboxen. Neben einem Erkenntnisgewinn auf inhaltlicher Ebene fördern sie in besonderem Maße auch prozessbezogene Kompetenzen.
Interaktionsboxen beinhalten eine Problem- oder Tüftelaufgabe innerhalb eines möglichst realitätsnahen Kontextes. Die Schülerinnen und Schüler sollen die Aufgabe mithilfe ausgewählter Materialien, jedoch ohne genaue Experimentieranleitung, lösen. Die konkurrierenden Gruppen erreichen das vorgegebene Ziel, indem sie selbstständig und unter Verwendung eines Teils der Materialien Lösungswege planen, prüfen und umsetzen (Schrammen, Bickel 2006). So diskutieren und arbeiten die Lernenden einer Gruppe gemeinsam und aufeinander bezogen, sprich: Sie treten durch die Box in Interaktion. Maß für den Erfolg der Gruppen ist die durch Dokumentation überprüfbare Bewältigung der Aufgabe.
Durch ihren problem- und handlungsorientierten Aufbau besitzen Interaktionsboxen einen hohen Aufforderungscharakter. Sie regen an, Fragen zu stellen, Neues zu entdecken und eigene Lösungswege zu entwickeln. Die Schülerinnen und Schüler können untersuchen, beobachten, ausprobieren, experimentieren, Daten erheben und Vermutungen überprüfen. Sie lernen, ihre Vorgehensweise vor anderen zu vertreten und gemeinsam zu reflektieren. Durch die Möglichkeit, auszuprobieren, lassen Interaktionsboxen bewusst auch Irrwege und Fehlschlüsse zu. Diese können die Arbeit durchaus bis zum Ende begleiten. Eine abschließende, gründliche Reflexion innerhalb der Gruppe oder...

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Fakten zum Artikel
aus: Biologie 5-10 Nr. 27 / 2019

Potenzial von Aufgaben

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 7-8