Gianna Jann

Tiere im Zoo beobachten

Ein Rudel Europäischer Wölfe lässt sich in einem Zoo beobachten.
2: Rudel Europäischer Wölfe im Zoo, Foto: ©AB Photography/stock.adobe.com

Gianna Jann/Martin Remmele

Durch Verhaltensbeobachtungen biologische Erkenntnisse gewinnen

Seit über 100 Jahren befassen sich Forschende wie Charles Darwin mit der Ethologie, der Wissenschaft des Verhaltens. Das Verhalten gibt Aufschluss darüber, wie ein Tier auf verschiedene Reize reagiert und welche körperlichen und sozialen Bedürfnisse es hat. Die Beobachtung des Wechselspiels von Reiz und Reaktion liefert neue Erkenntnisse über Zusammenhänge und Besonderheiten im Tierreich.

Wild lebende Arten sind scheu und gehen dem Menschen aus dem Weg. Um Schulklassen die Verhaltensbeobachtung zu ermöglichen, bieten sich Tierparks und Zoos an. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass viele Tiere dort nicht die gleichen Verhaltensweisen oder ein weniger breites Spektrum an Verhaltensweisen zeigen als in ihrer natürlichen Umgebung. Das liegt vor allem an anderen Herausforderungen in Gefangenschaft. Während frei lebende Wildtiere den Großteil ihrer Zeit mit der Nahrungssuche zubringen, sind in Gefangenschaft lebende Tiere meist an feste Futterzeiten gewöhnt (Mehan/Mench 2007). Die Nahrung muss selten gesucht oder gejagt werden, denn das Tierpflegepersonal stellt den passenden Bedarf zur Verfügung.
Verhalten beobachten und dokumentieren
Unter Verhalten versteht man alle sichtbaren Aktionen eines Tieres. Jede Bewegung oder Körperhaltung ist eine Form, sich zu „verhalten. „Fressen zeigt beispielsweise das Verhalten der Nahrungsaufnahme. Neben gut sichtbaren Bewegungsformen wie „gehen, oder „rennen gibt es auch regungsloses Verhalten wie „ruhen. „Langeweile ist ein innerer Vorgang, der von außen nicht sichtbar ist und somit nicht dem Verhalten zugeordnet werden kann (Wehnelt/Beyer 2002). Um sachliche Ergebnisse zum Verhalten eines Tieres zu erhalten, ist es wichtig, keine Interpretationen mit einzubeziehen. Es darf nur Sichtbares notiert werden, um den Einfluss der Beobachtenden so gering wie möglich zu halten.
Beispiel: Wenn ein Tier liegt, könnte dies unterschiedlich interpretiert werden, etwa als „Tier 1 schläft, „Tier 1 langweilt sich oder „Tier 1 ist traurig. Diese Annahmen sind aber eigene Interpretationen und damit unsachlich, da sie abhängig von der Sichtweise der Beobachtenden sind. Die korrekte, sachliche Beschreibung des Verhaltens würde „liegen lauten (Abb. 1).
Um Schlüsse aus dem beobachteten Verhalten ziehen zu können, müssen die Tiere nach einem einheitlichen Schema mit folgenden Schritten beobachtet werden:
1. Einsehphase
Diese Phase dient dazu, die ausgewählte Tierart kennenzulernen. Bei der „Vorbeobachtung, beispielsweise einer Gruppe von Tieren, lässt sich eine Unterscheidung der Einzeltiere vornehmen. Das Verhalten unterscheidet sich meist deutlich zwischen Geschlechtern und zwischen Jungtieren und Adulten.
2. Verhaltenskatalog
Im Verhaltenskatalog wird eine Liste mit „Benennung und „Beschreibung der Verhaltensweisen erstellt. Soll zum Beispiel die Nahrungsaufnahme zweier Raubtierarten verglichen werden, etwa von Rotfüchsen und Wölfen, werden im Verhaltenskatalog alle Verhaltensweisen der Nahrungsaufnahme aufgelistet und kurz erläutert (Tab. 1 ). Jede Verhaltensweise bekommt ein Kürzel, damit möglichst wenig Zeit für das Aufschreiben benötigt wird.
3. Beobachtungsmethoden
Für Gruppen mit kleinem Zeitbudget empfiehlt sich die Fokusmethode. Dabei suchen sich alle Beobachtenden jeweils ein Individuum aus, das Fokustier. In vorher festgelegten Zeitabschnitten wird jede Verhaltensweise sowie deren Dauer notiert (Material 1). Mit der Fokusmethode lässt sich eine Übersicht gewinnen, wie ähnlich oder wie unterschiedlich die Individuen einer Tiergruppe agieren. Zur Dokumentation werden die notierten Zeiten der beobachteten Verhaltensweisen addiert (Material 4).
Alternativ kann auch die Scanmethode angewandt werden. Dabei „scannen die Beobachtenden nach festgelegten Zeitintervallen alle Individuen in einem Gehege und notieren das Verhalten sowie den...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Biologie Nr. 459 / 2020

Verhalten ist individuell

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 7-9